Wissenschaftler behaupten

09. März 2012 18:40; Akt: 09.03.2012 21:21 Print

Der Kolonialismus ist schuld an Aids

Millionen von Menschen sind HIV-positiv. Ein neues Buch will jetzt den Grund für die ursprüngliche Verbreitung von Aids gefunden haben: Schuld ist das Gerangel der Kolonialisten um Afrika.

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Aids gehört zu den Krankheiten, die die Menschheit in den vergangenen drei Jahrzehnten am meisten beschäftigt haben. Seit dem 1. Dezember 1981 ist Aids als Krankheit erkannt. Laut UNAIDS lebten Ende 2007 weltweit etwa 33 Millionen HIV-positive Menschen, jährlich kommt es zu Millionen Neuinfektionen – noch konnte kein Medikament gegen die Krankheit entwickelt werden. Am stärksten von der Epidemie betroffen ist Afrika.

In einem neuen Buch, das sich mit der Verbreitung von Aids beschäftigt, stellen die Wissenschaftler Craig Timberg und Daniel Halperin einen starken Zusammenhang zwischen der weltweiten Ausweitung der Krankheit und dem Kolonialismus her. Ein Auszug aus «How the West Sparked the Aids Epidemic and How the World Can Finally Overcome It» wurde kürzlich in der «Washington Post» veröffentlicht. Darin beschreiben die Autoren, dass es immer mehrere gemeinsam auftretende Faktoren braucht, damit aus einer Infektion eine globale Pandemie wird. Es brauche ein ganz bestimmtes Zeitfenster – dieses sei im Kolonialismus zu finden.

«Gerangel um Afrika»

Ausgebrochen ist die Epidemie in den Hinterländern im Südosten Kameruns. Laut wissenschaftlichen Ergebnissen muss dies zwischen 1880 und 1920 passiert sein. Ursprünglich waren Schimpansen mit dem Virus infiziert. Auf den Menschen ging dieser über, als ein Jäger einen Schimpansen tötete, mit dem Blut des Affen in Berührung kam und sich dabei mit dem HI-Virus angesteckt hatte.

Damit dieser Virus aber tatsächlich von Mensch zu Mensch übertragen und schliesslich zu einer globalen Pandemie werden konnte, brauchte es laut den Autoren fremde Menschen und Technologien, die in ein bislang unberührtes Land eindrangen. Ohne das «Gerangel um Afrika» wäre dies kaum möglich gewesen. In einem fieberhaften Rennen um Wohlstand und Ruhm hatten sich europäische Mächte auf den afrikanischen Kontinent gestürzt. Hierfür waren sie auch in Gegenden eingedrungen, die bislang kaum von Menschen bereist worden waren.

Unwirtliche Gebiete bereist

Den grössten Einfluss auf die Verbreitung des HI-Virus hatten die tausenden afrikanischen Schlepper, die von europäischen Kolonialmächten durch den Dschungel getrieben worden sind, um die zahlreichen Handelsgüter von Orten wegzutransportieren, die man nicht mit dem Boot erreichen konnte. Sie gelangten in die Gebiete, die laut Forschern als Geburtsort der Aids-Epidemie gelten. Dass der Westen einem unwirtlichen Land seinen Willen aufzwang, sei notwendiger Bestandteil der Verbreitung von Aids gewesen.

Die erste Blutprobe, in der der HI-Virus festgestellt werden kann, stammt aus dem Jahr 1959 aus der kongolesischen Stadt Kinshasa. Aufgrund der Kolonialisierung des Kontinents sei diese Reise vom südöstlichen Kamerun nach Kinshasa überhaupt möglich gewesen. Durch Handelsrouten konnte der HI-Virus den Ngoko-Fluss entlang bis nach Kinshasa gelangen.

Faktor Zeit spielt wichtige Rolle

Von hier aus war die Verbreitung nur noch eine Frage der Zeit. Der HI-Virus ist sehr fragil und überträgt sich zum Beispiel deutlich weniger schnell als ein Grippe-Virus. Damit er sich ausweiten konnte, brauchte es einen hektischen Ort, mit einer grossen Bevölkerung und einer sexuellen Kultur, wo Menschen wechselnde Partner hatten. Die Grossstadt Kinshasa war so ein Ort. Auch diese Stadt war von belgischen Kolonialisatoren 1881 geschaffen worden. Und hier habe sich Aids zur Pandemie entwickelt, schreiben die beiden Autoren.

Ohne das Wettrennen auf Afrika wäre es daher kaum zu der extremen Ausweitung der Krankheit gekommen. Auch der Faktor Zeit spielt eine grosse Rolle. Hätte sich das Virus zum Beispiel zu einem späteren Zeitpunkt entwickelt oder wäre erst später auf den Menschen übergangen, wäre Aids möglicherweise nicht zur Pandemie geworden, glauben die beiden Wissenschaftler. Die enorme Hektik im Kampf um ein Stück von Afrika hat später nämlich wieder abgenommen. Der Killer-Stamm des Virus wäre so möglicherweise einen einsamen Tod im Wald gestorben.

(ske)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Niemand weiss, seit wann das HI-Virus aktiv ist, wie und wann es auf den Menschen übertragen wurde. Ob das Virus bereits in Afrika wütete bevor Weisse kamen, lässt sich schlicht nicht be- oder wiederlegen. Gut möglich, dass es einzelne Stämme ausgerottet hat von denen man heute einfach nichts mehr weiss. Ausgebreitet hätte es sich ohnehin, denn auch ohne Kolonisation hätte Afrika den technologischen Anschluss finden müssen. Wieder mal so eine Arbeit die uns Schuldgefühle einimpfen will, damit noch mehr Geld in Fässer ohne Böden fliesst. – Christoph Geiser

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sam B am 09.03.2012 19:06 Report Diesen Beitrag melden

    Stimt zwar aber...

    Die schnelle Ausbreitung hat sehr wohl mit den Staedten die von der Kolonialisierung geschaffen wurden, so wie mit dem einfachen Transport und Erforschung neuer Gegenden zu tun. Es hat aber auch etwas damit zu tun, dass in den 70ern und 80ern die Verschwoerungstheorie um ging, dass AIDS nur eine Erfindung der westlichen Maechten sei um die Afrikanische Bevoelkerung klein zu halten, und es sogar Massenorgien gab um gegen diese 'Luege' zu protestieren. Kondome wurden verpoehnt, und die Afrikanischen Staaten haben Wissen von HIV geziehlt unterdrueckt.

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  • Konrad P am 09.03.2012 23:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Etwas diskriminierend

    Andrea S. Etwas diskriminieren. Oder nicht. Was ist mit den Kindern von positiven Eltern die mit HIV geboren werden? Oder was ist, wenn dein Partner dich anstecken würde weil er es nicht weiß dass er positiv ist (fremd gehen - nie getestet) "Wir" HIV positiven dürfen heute noch nicht zur Infektion stehen! Man wird heute noch wie ein Aussätziger behandelt, obwohl die Medikamente den Virus heute soweit unterdrücken, dass eine Übertragung weitgehend verunmöglicht. Virus nicht nachweisbar nennt man das. Ein Betroffener schwuler Mann

  • Reto Müller am 10.03.2012 04:58 Report Diesen Beitrag melden

    Weit hergeholt

    Diese Theorie ist sehr weit hergeholt. Nach Aussagen anderer Virologen kann CIV (Chimpanzee Immuno Virus) in seiner ursprünglichen Form nicht so einfach auf den Menschen überspringen. Viel wahrscheinlicher erscheint mir die These, dass das HI Virus durch Menschen geschaffen wurde, indem man Schimpansen zum Zweck der Herstellung von Polioimpfstoff die Nieren (perverserweise lebend) entnahm und darauf gezüchteten, mit CIV kontaminierten Impstoff im Grossraum Kinshasa an tausenden von Afrikanern ausprobierte, in deren Körpern das Virus zur ersten humanen Virusform mutierte...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Zonk am 10.03.2012 19:32 Report Diesen Beitrag melden

    Alter des HI-Virus

    Vor Jahren hat mir ein Nobelpreisträger für Biologie (leider habe ich seinen Namen vergessen) gesagt, dass man - auf Grund der genetischen Struktur - festgestellt hat, dass das HI-Virus 77'000 Jahre alt ist. Die Ausbreitung hat also eher etwas mit der heutigen Mobilität zu tun.

  • Fabian Fischer am 10.03.2012 17:26 Report Diesen Beitrag melden

    niemand weiss woher der Hi Virus stammt!

    ich sags mal jetzt so, wenn eine solche behauptung in den medien als wahr verbreitet wird, dann ist es bestimmt eine lüge, was verschwörungstheoretiker wohl voll in die hände spielt, nämlich das dieser Virus gezüchtet worden ist und Afrika als Labor der westlichen mächte misbraucht worden ist!

    • tobi b. am 11.03.2012 09:17 Report Diesen Beitrag melden

      man weiss es schon

      aus labors. so blöd das klingt: wahr ist es dennoch.

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  • Christoph Geiser am 10.03.2012 15:00 Report Diesen Beitrag melden

    So ein Schmarrn

    Niemand weiss, seit wann das HI-Virus aktiv ist, wie und wann es auf den Menschen übertragen wurde. Ob das Virus bereits in Afrika wütete bevor Weisse kamen, lässt sich schlicht nicht be- oder wiederlegen. Gut möglich, dass es einzelne Stämme ausgerottet hat von denen man heute einfach nichts mehr weiss. Ausgebreitet hätte es sich ohnehin, denn auch ohne Kolonisation hätte Afrika den technologischen Anschluss finden müssen. Wieder mal so eine Arbeit die uns Schuldgefühle einimpfen will, damit noch mehr Geld in Fässer ohne Böden fliesst.

    • Abacus am 10.03.2012 17:34 Report Diesen Beitrag melden

      Unerhört

      Der letzte Satz ist ja wohl unerhört. Auch wenn es andere Generationen waren, die den Kontinent Afrika zugrunde richteten - als Profiteure sind wir verpflichtet zu helfen! Auf welcher Basis denken Sie beruht der Wohlstand hier? Fleissigkeit?!

    • angi am 10.03.2012 18:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      unglaublich

      danke abacus

    • Nathan am 10.03.2012 21:07 Report Diesen Beitrag melden

      Griechenland geht vor

      Der Wohlstand hier beruht vermutlich auf Bodenschätzen wie Kies, Salz und Wasser, der Arbeit von Arbeitern (die gerne arbeiten) und dass die Schweiz im 2. Weltkrieg noch relativ glimpflich davongekommen ist. Schweizer Kolonien in Afrika hat es meineswissens nicht gegeben. Wer Arbeit und Fleiss als mögliche Quelle von Wohlstand anzweifelt, der ist entweder ein ziemlich schlechter Arbeiter oder ein radikaler Sozialist. Das ist meine ganz persönliche Meinung.

    • Marc am 11.03.2012 08:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @abacus

      @abacus. ja, grösstenteils auf jeden fall. arm und reich! das ist so ein thema, dass es immer gab, und auch immer geben wird. auch wenn unsere sozis etwas anderes behaupten.

    • Bernt am 11.03.2012 10:36 Report Diesen Beitrag melden

      Genau erkannt!

      Der Wohlstand hier beruht auf Fleiss, Disziplin und guter Organisation. Wir sind Profiteure? Von was genau eigentlich? Haben sie einem Afrikaner etwas gestohlen? Ich nicht und deshalb brauch ich mir auch kein schlechtes Gewissen zu machen. Übrigens wird Afrika schon seit Jahrzehnten geholfen, ohne dass dies zu einer merklichen Steigerung der Lebensqualität auf dem Kontinent geführt hätte. Ehemalige asiatische Kolonien sind auf keine wirtschaftliche Unterstützung angewiesen. Könnte der Unterschied also nicht bei den Menschen sein?

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  • Hans Christoffel am 10.03.2012 13:16 Report Diesen Beitrag melden

    Wer's glaubt wird seelig...

    Humorvoll gemeint: Ausserirdische haben uns hier ausgesetzt und schicken uns zeitweise Naturgewalten, Krankheiten und Epidemien um zu prüfen ob wir uns dagegen wehren können und etwas lernen. Sie wollen sehen, wie wir mit unserm Planeten umgehen. Vielleicht wollen sie uns zu einer Rasse züchten, welche in ferner Zukunft das All besiedeln soll. Sie hätten bestimmt Freude daran, wenn unsere Forschung das defekte Gen finden würden, welches verantwortlich ist, dass wir uns heute immer noch gegenseitig die Köpfe einschlagen. Diese These ist auch nicht zu beweisen wie diese im obigen Artikel.

  • Fritz am 10.03.2012 12:24 Report Diesen Beitrag melden

    Krankheiten

    Der pöse, pöse Kolonialismus! Möglicherweise haben die Kolonialisten den Virus sogar erfunden. In einem geheimen Labor hergestellt und wollten damit Afrika unterjochen. Wer weiss? *Ironie off* Selten so einen Stuss gelesen. Aids ist eine Krankheit, die sich natürlicherweise verbreitet wie dies viele Krankheiten tun. Fertig.