Prävention hat versagt

19. Juli 2012 23:43; Akt: 20.07.2012 11:09 Print

Immer mehr Schwule mit HIV infiziert

Vor Kurzem jubelte die UNO, der weltweite Kampf gegen Aids zeige Wirkung. Eine Ausnahme bildet dabei aber offensichtlich die Gruppe der homosexuellen Männer - immer mehr von ihnen stecken sich an.

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Unter Männern, die Sex mit Männern haben, breite sich die HIV-Epidemie in den meisten Ländern weiter aus - unabhängig vom Wohlstand, schreiben US-Forscher vor dem Start des Welt-Aids-Kongresses am 22. Juli in Washington im Fachjournal «Lancet».

In einigen Ländern liege die HIV-Häufigkeit, die sogenannte Prävalenz, bei homosexuellen Männern bereits über 15 Prozent, schreiben die Forscher. Am prekärsten ist die Situation in den karibischen Staaten, wo bereits jeder vierte Schwule das Virus in sich trägt, gefolgt von Afrika und Nordamerika mit Häufigkeiten von 18 und 15 Prozent.

Allein in den USA seien die Infektionszahlen bei homosexuellen Männern seit 2001 jährlich um geschätzte 8 Prozent gestiegen. In vielen westeuropäischen Staaten liegt die Prävalenz der Studie noch niedriger - bei rund 6 Prozent.

Gefahr einer Ansteckung für Schwule grösser

Hauptgrund für die höheren Ansteckungszahlen bei Homosexuellen sei die sexuelle Praktik des Analverkehrs, schreiben die Forscher von der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health in Baltimore. Ohne Kondom sei das Risiko einer HIV-Übertragung dabei rund 18-mal grösser als bei ungeschützten Kontakten zwischen Heterosexuellen.

HIV könne durch die grossen Schwulen-Netzwerke in besonders hoher Geschwindigkeit übertragen werden. Die Ansteckungen liessen sich nach den Berechnungen der Forscher schon um bis zu 50 Prozent senken, wenn ungeschützter Analsex nur in langjährigen Partnerschaften praktiziert würde.

Weitere Gründe für das hohe HIV-Ansteckungsrisiko bei Schwulen seien auch die wechselnden Rollen beim Geschlechtsakt. Am gefährlichsten für eine Virusübertragung sei die empfangende Position.

Medikamente zur Prophylaxe

Die Übertragungen des Virus hätten aber auch noch eine molekularbiologische Ursache. Unter homosexuellen Männern kämen häufiger gefährliche Ausprägungen des HI-Virus vor als in anderen Bevölkerungsgruppen.

Deshalb empfehlen die Forscher ein Nachdenken darüber, ob antivirale Substanzen bei Schwulen nicht auch zur Prävention und Prophylaxe eingesetzt werden sollten. In den USA war das Medikament «Truvada» erst kürzlich zur vorbeugenden Einnahme zugelassen worden.

Die UNO hatte erst am Mittwoch einen Bericht veröffentlicht, wonach der weltweite Kampf gegen Aids Wirkung zeige. Demnach infizierten sich im vergangenen Jahr 2,5 Millionen Menschen mit dem HI-Virus - rund ein Fünftel weniger als 2001.

(jbu/sda)