Welt-Aids Tag

01. Dezember 2012 15:55; Akt: 01.12.2012 15:57 Print

30 Millionen Tote und keine Heilung in Sicht

Seit Aids vor über 30 Jahren erstmals als Krankheit anerkannt wurde, hat die Wissenschaft Enormes geleistet. Doch obwohl eine HIV-Ansteckung heute kein Todesurteil mehr ist, bleibt sie unumkehrbar.

Hier klicken!

Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Rund 30 Millionen Menschen sind bisher an den Folgen von Aids gestorben. Weltweit sind 34 Millionen Personen mit HIV infiziert, in der Schweiz leben 25'000 Menschen mit dem Virus. Dank medizinischer Fortschritte hat sich ihre Lebensqualität verbessert. Eine Heilung ist aber nicht in Sicht. Deshalb dürfe die Krankheit nicht banalisiert werden, teilte die Aids-Hilfe Schweiz (AHS) im Hinblick auf den Welt-Aids-Tag vom 1. Dezember mit.

In den letzten zehn Jahren infizierten sich hierzulande laut AHS jährlich 600 bis 800 Menschen neu mit HIV. Dies mache die Schweiz zu einem der am häufigsten von HIV betroffenen Länder Westeuropas. Deshalb müsse HIV weiterhin ein Thema bleiben.

Diskriminierung auch hierzulande

HIV stelle aber nicht nur Anforderungen an den medizinischen Alltag, heisst es weiter. Noch immer würden Menschen mit HIV in unserer Gesellschaft diskriminiert und stigmatisiert.

Gemäss Mitteilung kündigen Arbeitgeber Angestellten missbräuchlich aufgrund von HIV, Arbeitskollegen mobben ihre HIV-positiven Kollegen, und Versicherungen schliessen Menschen mit HIV aus wichtigen Auffangnetzen aus.

Auch werden Menschen mit HIV mittels Strafgesetz auch in der Schweiz verfolgt und verurteilt. Zudem dürfen sie in bestimmte Länder wegen ihrer Infektion nicht einreisen oder sich nicht dort aufhalten. Von einer Normalisierung im Umgang mit HIV kann laut AHS noch nicht die Rede sein, auch wenn die Immunschwäche bereits am 1. Dezember 1981 offiziell als Krankheit anerkannt wurde. Seit 1988 wird an diesem Tag jährlich der Weltaidstag begangen. Im Folgenden eine Chronik der Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte:

  • 1981: In den USA, vor allem in Kalifornien und New York, sterben immer mehr junge Männer an einer mysteriösen Krankheit, die das Immunsystem der Kranken ausschaltet. Am 5. Juni äusserst sich erstmals die US-Gesundheitsbehörde CDC über die auffällige Zunahme einer seltenen Krebsform und einer ungewöhnlichen Form von Lungenentzündungen bei jungen Homosexuellen.
  • 1982: Die Immunschwächekrankheit wird Aids - Acquired Immune Deficiency Syndrome - genannt. Auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern werden die ersten Fälle diagnostiziert.
  • 1983: Die französischen Forscher Luc Montagnier und Francoise Barré-Sinoussi identifizieren das Virus, das die Krankheit auslöst. Erst nach langen Diskussionen einigt man sich später auf HIV (Human Immunodeficiency Virus) als Abkürzung für das menschliche Immunschwächevirus. Die zwei Franzosen vom Pariser Institut Pasteur erhalten 2008 für ihre Entdeckung den Medizin-Nobelpreis. In Berlin wird die erste Aids-Hilfe gegründet.
  • 1984: Der erste HIV-Antikörpertest wird vorgestellt.
  • 1985: In Deutschland dürfen ab Herbst keine Blutpräparate mehr auf den Markt gebracht werden, die nicht auf den HI-Virus getestet wurden. Über 2300 Menschen - darunter mehr als 1800 Bluter - hatten sich zuvor infiziert.
  • Im Oktober stirbt als einer der ersten Prominenten der US-Schauspieler Rock Hudson an den Folgen der Immunschwäche. Durch seinen Tod wird die breite Öffentlichkeit auf Aids aufmerksam.

  • 1987: Das erste Aids-Medikament (AZT) bekommt seine Zulassung. Das Therapeutikum kann den Verlauf der Krankheit verlangsamen.
  • 1995: Sogenannte Protease-Hemmer kommen als neues Aids-Medikament auf den Markt.
  • 1996: In den USA werden die ersten Nicht-Nukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NNRTI) zugelassen, eine wichtige Komponente der heutigen Kombinationstherapie. Die Vereinten Nationen gründen UNAIDS - eine Unterorganisation der UN im Kampf gegen Aids.
  • 1997: In den USA wird erstmals über einen Rückgang der Zahl der Aids-Todesfälle berichtet.
  • 2000: Immer häufiger wird auch öffentlich das Problem thematisiert, dass HIV-Betroffene in Entwicklungsländern aus Kostengründen keinen Zugang zu wirksamen Medikamenten haben.
  • 2003: Der erste Fusionshemmer kommt als vierte Klasse von Aids-Medikamenten in den USA auf den Markt.
  • 2010: Das Einreiseverbot für HIV-Positive in die USA wird nach 22 Jahren abgeschafft.
  • 2012: UNAIDS teilt mit, dass 2011 die Zahl der Neuinfektionen weltweit zurückgegangen ist. Nicht in allen Ländern zeigt der Trend aber nach unten. So hat sich die Zahl der HIV-Infizierten in Russland in den vergangenen fünf Jahren fast verdoppelt. Die Zahl der Menschen, die sich mit dem Aids-Erreger angesteckt haben, stieg in diesem Zeitraum laut dem Russischen Zentrum zur Aids-Bekämpfung von 370'000 auf 703'000.

(sda/dapd)