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Aids/HIV in China
01. Dezember 2012 10:01; Akt: 01.12.2012 10:10 Print
«Das ganze Land diskriminiert uns»
von Gillian Wong, ap - Vor dem Gesetz sind alle gleich – doch in China weisen Spitäler regelmässig HIV-Positive ab. Während der Protest im Land wächst, droht die Regierung fehlbaren Ärzten mit Strafen.
Noch ist der Tumor in Wang Pinghes Leber nicht lebensbedrohlich. Doch das könnte sich bald ändern. Längst sucht der 28-Jährige nach einem Spital, um die tödliche Gefahr zu beseitigen. Grosse Hoffnung hat er jedoch nicht - denn Wang Pinghe hat Aids. Immer wieder lehnen chinesische Kliniken Patienten mit der Immunschwächekrankheit ab, aus Furcht vor dem Virus, aber auch aus Angst um die Reputation des Krankenhauses.
AidsEine HIV-Infektion kann zum Ausbruch des «Acquired Immune Deficiency Syndrome» (Aids) führen, einer bis heute unheilbaren schweren Störung des menschlichen Immunsystems. Die HI-Viren lösen eine massive Verminderung der sogenannten T-Helferzellen im Blut aus. Selbst an sich harmlose Infektionen können dann tödlich enden.
Nach einer beschwerdearmen Latenzzeit, die bei Unbehandelten im Durchschnitt zehn bis zwölf Jahre dauert, treten gehäuft Infektionen und verschiedene Krebsarten auf. Die ersten Fälle der Immunschwäche wurden 1981 in den USA bekannt. Vermutlich nahm die Aids-Epidemie aber schon Ende der 1950er Jahre ihren Anfang.
Experten zufolge werden rund 90 Prozent der HIV-Infektionen sexuell übertragen. Beim Geschlechtsverkehr kann HIV über das Sperma in die Blutbahn der Partnerin gelangen. Ebenfalls möglich, wenn auch seltener, ist eine Übertragung von der Frau auf den Mann. Infektiöse Scheidenflüssigkeit und Menstruationsblut können durch winzige Hautrisse am Penis zur Ansteckung des Partners führen.
Die Mehrheit der Infektionen erfolgt allerdings nach wie vor über homosexuelle Kontakte zwischen Männern, die sich nicht mit Kondomen schützen. Bei normalem Körperkontakt gibt es dagegen kein Infektionsrisiko, da die Körperhaut im Gegensatz zur Schleimhaut über eine schützende Hornschicht verfügt.
Am 1. Dezember 1981 wurde die Immunschwäche offiziell als Krankheit anerkannt, seit 1988 wird an diesem Tag jährlich der Weltaidstag begangen. (dapd)
Immerhin: Nachdem in China jahrelang bestritten wurde, dass Aids ein Problem ist, hat sich die Betreuung und Pflege von Erkrankten inzwischen deutlich verbessert. Aber das Stigma haftet. Es droht, bislang erreichte Fortschritte zunichtezumachen.
«In meiner Heimatstadt ist kein einziges Spital bereit, Menschen mit HIV/Aids zu operieren», berichtet Wang, der aus dem ländlichen Bezirk Runan in der zentralen Provinz Henan in die Hauptstadt Peking reiste, um auf den Missstand öffentlich aufmerksam zu machen. «Hier geht es nicht um Diskriminierung durch einen Einzelnen, sondern durch ein ganzes Land», sagte er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP.
Vorbehalte allgegenwärtig
Die Vorbehalte gegen Menschen mit HIV/Aids sind allgegenwärtig im Reich der Mitte. Wer seine Erkrankung zu erkennen gibt, hat keine Chance auf einen staatlichen Job oder muss mit dem Auschluss aus der Schule rechnen. Allerdings wächst inzwischen der Widerstand der Betroffenen, von der Gesellschaft beiseite geschoben zu werden.
So fälschte ein Mann, der in China nur unter dem Pseudonym Xiaofeng bekannt ist, seine Krankenakte, um trotz seiner HIV-Infektion wegen Lungenkrebs operiert zu werden. Staatlichen Medien erzählte er, zwei Kliniken hätten ihn zuvor zurückgewiesen. Xiaofengs Geschichte löste in China eine Welle der Empörung aus - gerichtet einerseits gegen die Kliniken, die ihn als Patienten nicht wollten, aber auch gegen den Patienten selbst, weil er das Krankenhauspersonal Risiken aussetzte, von denen sie nichts ahnen konnten.
Der designierte Ministerpräsident Li Keqiang stellte per Erklärung klar, dass gesundheitliche Einrichtungen HIV-Patienten nicht zurückweisen dürfen. Wer dem zuwiderhandle, müsse mit schwerer Bestrafung rechnen, unterstrich er erst am Montag während eines Treffens mit einem Dutzend Gruppen von Anti-Aids-Aktivisten.
780'000 Chinesen HIV-positiv
China scheint derweil im Kampf gegen die Krankheit voranzukommen. Die Sterblichkeitsrate ist nach offiziellen Daten deutlich gesunken. Drei Viertel aller Erwachsenen und Kinder, die Behandlung benötigten, erhielten sie inzwischen auch, heisst es von staatlichen Stellen. Schätzungsweise 780'000 Chinesen sind HIV-positiv. In den ersten zehn Monaten des Jahres wurden 70'000 neue Fälle bekannt, im gesamten vergangenen Jahr kamen nach Angaben des Gesundheitsministeriums 93'000 neue Erkrankungen hinzu.
Aktivisten berichten, die Diskriminierung von HIV-Patienten gehe trotz eindeutiger Gesetzeslage weiter. Auch, weil es vielen Betroffenen schlicht an Geld fehle, gegen Kliniken zu klagen. Die Nachrichtenagentur AP stiess bei Recherchen auf ein halbes Dutzend Fälle von Menschen, denen ärztliche Behandlung versagt wurde, sobald sie ihre Erkrankung offenlegten.
So weigerten sich Mediziner in der Provinz Henan, den Gebärmutterhalskrebs einer Frau zu operieren. Erst in der Provinzhauptstadt erhielt sie Hilfe. Die Reise eingeschlossen musste ihr Mann Zhu Weidong umgerechnet rund 6000 Franken für die Behandlung zahlen - rund ein Drittel mehr, als wenn seine 45 Jahre alte Frau in ihrem Heimatort operiert worden wäre. Das Geld musste sich Zhu von Verwandten und Freunden zusammenborgen.
Hoffnung auf sich wandelnde Einstellungen
Das Betroffenen-Netzwerk Chinesische Allianz von Menschen mit HIV/Aids in Peking weiss sogar von Dutzenden Patienten, die von Ärzten wieder nach Hause geschickt wurden. Manche starben. «Wenn ein Mediziner wegen einer HIV-Infektion die Behandlung verweigert, ist das für mich ein Verbrechen wie Mord», sagt der Koordinator der Gruppe, Meng Lin. Ihm selbst war in Peking eine Computertomografie versagt worden, als er von seiner Aids-Erkrankung berichtete.
Doch Wu Zunyou, Leiter des staatlichen HIV/Aids-Zentrums, ist überzeugt, dass sich dies eines Tages ändern wird. Die öffentliche Debatte begrüsst er. «Die Diskussion führt dazu, dass Beschäftigte im medizinischen Betrieb über die Sache nachdenken und ihr Vorgehen ändern. Es sollte künftig also zu weniger solchen Fällen kommen.»
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Alle 10 Kommentare

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und hier?
ich weiss zwar was aids/hiv+ ist, hab mich aber noch nie grösser mit dem thema befasst. kann mir jemand sagen, wie es hier, in der schweiz, mit diskriminirung und so aussieht? ist es hier zb kein problem einen job trotz krankheit zu finden?
Gegenfrage
Stellst du dich vor und sagst: "Ich bin Jess und bin HIV+." Das darfst du gar nicht mitteilen. Ein HIV+ Mensch ist nicht automatisch eine Gefahr für andere.
Das ist nicht nur in China so
Kenne noch andere Asiatischen Länder! Ich war in einer Uni in den USA mit vielen Asiaten zusammen. Wir mussten über AIDS schreiben. Ich habe in meinem Leben noch nie so ein Widerwillen gesehen..und erst die Kommentare. Ich bin erschrocken über diese Denkweise.
Heptatitis B
Schlimmer ist es bei den Leuten in China, die an chronische Hepatitis B leiden - ca. 150 000 000, sie werden überall diskriminiert, obwohl es sogar eine Impfung gegen hep B gibt.