Aids/HIV in China

01. Dezember 2012 10:01; Akt: 01.12.2012 10:10 Print

«Das ganze Land diskriminiert uns»

von Gillian Wong, ap - Vor dem Gesetz sind alle gleich – doch in China weisen Spitäler regelmässig HIV-Positive ab. Während der Protest im Land wächst, droht die Regierung fehlbaren Ärzten mit Strafen.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Noch ist der Tumor in Wang Pinghes Leber nicht lebensbedrohlich. Doch das könnte sich bald ändern. Längst sucht der 28-Jährige nach einem Spital, um die tödliche Gefahr zu beseitigen. Grosse Hoffnung hat er jedoch nicht - denn Wang Pinghe hat Aids. Immer wieder lehnen chinesische Kliniken Patienten mit der Immunschwächekrankheit ab, aus Furcht vor dem Virus, aber auch aus Angst um die Reputation des Krankenhauses.

Immerhin: Nachdem in China jahrelang bestritten wurde, dass Aids ein Problem ist, hat sich die Betreuung und Pflege von Erkrankten inzwischen deutlich verbessert. Aber das Stigma haftet. Es droht, bislang erreichte Fortschritte zunichtezumachen.

«In meiner Heimatstadt ist kein einziges Spital bereit, Menschen mit HIV/Aids zu operieren», berichtet Wang, der aus dem ländlichen Bezirk Runan in der zentralen Provinz Henan in die Hauptstadt Peking reiste, um auf den Missstand öffentlich aufmerksam zu machen. «Hier geht es nicht um Diskriminierung durch einen Einzelnen, sondern durch ein ganzes Land», sagte er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP.

Vorbehalte allgegenwärtig

Die Vorbehalte gegen Menschen mit HIV/Aids sind allgegenwärtig im Reich der Mitte. Wer seine Erkrankung zu erkennen gibt, hat keine Chance auf einen staatlichen Job oder muss mit dem Auschluss aus der Schule rechnen. Allerdings wächst inzwischen der Widerstand der Betroffenen, von der Gesellschaft beiseite geschoben zu werden.

So fälschte ein Mann, der in China nur unter dem Pseudonym Xiaofeng bekannt ist, seine Krankenakte, um trotz seiner HIV-Infektion wegen Lungenkrebs operiert zu werden. Staatlichen Medien erzählte er, zwei Kliniken hätten ihn zuvor zurückgewiesen. Xiaofengs Geschichte löste in China eine Welle der Empörung aus - gerichtet einerseits gegen die Kliniken, die ihn als Patienten nicht wollten, aber auch gegen den Patienten selbst, weil er das Krankenhauspersonal Risiken aussetzte, von denen sie nichts ahnen konnten.

Der designierte Ministerpräsident Li Keqiang stellte per Erklärung klar, dass gesundheitliche Einrichtungen HIV-Patienten nicht zurückweisen dürfen. Wer dem zuwiderhandle, müsse mit schwerer Bestrafung rechnen, unterstrich er erst am Montag während eines Treffens mit einem Dutzend Gruppen von Anti-Aids-Aktivisten.

780'000 Chinesen HIV-positiv

China scheint derweil im Kampf gegen die Krankheit voranzukommen. Die Sterblichkeitsrate ist nach offiziellen Daten deutlich gesunken. Drei Viertel aller Erwachsenen und Kinder, die Behandlung benötigten, erhielten sie inzwischen auch, heisst es von staatlichen Stellen. Schätzungsweise 780'000 Chinesen sind HIV-positiv. In den ersten zehn Monaten des Jahres wurden 70'000 neue Fälle bekannt, im gesamten vergangenen Jahr kamen nach Angaben des Gesundheitsministeriums 93'000 neue Erkrankungen hinzu.

Hier klicken!

Aktivisten berichten, die Diskriminierung von HIV-Patienten gehe trotz eindeutiger Gesetzeslage weiter. Auch, weil es vielen Betroffenen schlicht an Geld fehle, gegen Kliniken zu klagen. Die Nachrichtenagentur AP stiess bei Recherchen auf ein halbes Dutzend Fälle von Menschen, denen ärztliche Behandlung versagt wurde, sobald sie ihre Erkrankung offenlegten.

So weigerten sich Mediziner in der Provinz Henan, den Gebärmutterhalskrebs einer Frau zu operieren. Erst in der Provinzhauptstadt erhielt sie Hilfe. Die Reise eingeschlossen musste ihr Mann Zhu Weidong umgerechnet rund 6000 Franken für die Behandlung zahlen - rund ein Drittel mehr, als wenn seine 45 Jahre alte Frau in ihrem Heimatort operiert worden wäre. Das Geld musste sich Zhu von Verwandten und Freunden zusammenborgen.

Hoffnung auf sich wandelnde Einstellungen

Das Betroffenen-Netzwerk Chinesische Allianz von Menschen mit HIV/Aids in Peking weiss sogar von Dutzenden Patienten, die von Ärzten wieder nach Hause geschickt wurden. Manche starben. «Wenn ein Mediziner wegen einer HIV-Infektion die Behandlung verweigert, ist das für mich ein Verbrechen wie Mord», sagt der Koordinator der Gruppe, Meng Lin. Ihm selbst war in Peking eine Computertomografie versagt worden, als er von seiner Aids-Erkrankung berichtete.

Doch Wu Zunyou, Leiter des staatlichen HIV/Aids-Zentrums, ist überzeugt, dass sich dies eines Tages ändern wird. Die öffentliche Debatte begrüsst er. «Die Diskussion führt dazu, dass Beschäftigte im medizinischen Betrieb über die Sache nachdenken und ihr Vorgehen ändern. Es sollte künftig also zu weniger solchen Fällen kommen.»

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

20 Minuten ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die neusten Leser-Kommentare

  • jess am 02.12.2012 05:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    und hier?

    ich weiss zwar was aids/hiv+ ist, hab mich aber noch nie grösser mit dem thema befasst. kann mir jemand sagen, wie es hier, in der schweiz, mit diskriminirung und so aussieht? ist es hier zb kein problem einen job trotz krankheit zu finden?

    • Phill am 03.12.2012 18:08 Report Diesen Beitrag melden

      Gegenfrage

      Stellst du dich vor und sagst: "Ich bin Jess und bin HIV+." Das darfst du gar nicht mitteilen. Ein HIV+ Mensch ist nicht automatisch eine Gefahr für andere.

    einklappen einklappen
  • Iris am 01.12.2012 22:57 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist nicht nur in China so

    Kenne noch andere Asiatischen Länder! Ich war in einer Uni in den USA mit vielen Asiaten zusammen. Wir mussten über AIDS schreiben. Ich habe in meinem Leben noch nie so ein Widerwillen gesehen..und erst die Kommentare. Ich bin erschrocken über diese Denkweise.

  • Emanuel Meier am 01.12.2012 15:18 Report Diesen Beitrag melden

    Heptatitis B

    Schlimmer ist es bei den Leuten in China, die an chronische Hepatitis B leiden - ca. 150 000 000, sie werden überall diskriminiert, obwohl es sogar eine Impfung gegen hep B gibt.

  • David am 01.12.2012 12:52 Report Diesen Beitrag melden

    und auch die andere "Grossmacht" USA...

    ...liesen bis vor nicht langer Zeit (ich glaube Obama hat's gechangt) HIV-Positive nicht mal einreisen. Dabei hatte es darunter auch solche, die sich medizinisch behandeln lassen wollten.

  • ardijan A am 01.12.2012 10:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    traurige sache

    es ist traurig nur weil jemand Aids hat ihm eine notwendige behandlung zu unterlassen, genau diese werden daran sterben! ob mit oder ohne Aids mensch ist mensch

    • sarkassmus am 01.12.2012 11:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      auch variante

      ohne behandlung sterben die meisten erkrankten. auch ein möglicher weg die krankjeit zu bekämpfen *ironie off*

    • Der Andy am 01.12.2012 12:09 Report Diesen Beitrag melden

      HIV+ ist nicht gleich Aids!

      Wenn eine Person HIV+ ist, heisst das nicht, das diese auch an Aids erkrankt ist! HIV+ Menschen sind in unserer Gesellschaft meist gar nicht "sichtbar". Sie arbeiten ganz normal, haben ihre Hobbies, treiben Sport und vergnügen sich wie alle anderen auch. Durch die heutigen Medikamente können sie auch keine weiteren Menschen anstecken und bleiben selber ebenfalls gesund. (Wenn man gesund so definiert, das man unter der Krankheit nicht leidet oder eingeschränkt ist).

    • A.C. am 01.12.2012 12:33 Report Diesen Beitrag melden

      traurige sache

      nun da hat China einfach eine falsche Einstellung, wenn man die Anzahl der Kranken zum Vergleich nimmt ist das eine recht traurige Zukunft, für die Betroffenen. Der Westen wird wohl weiter Geschäfte machen mit billigen Arbeitskräften, aber Tür öffnen wäre ein anderer Aspekt, Hilfe gewähren ein anderer Weg.

    • mimi meier am 02.12.2012 19:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      unsinn

      keine weiteren menschen anstecken??höhren sie auf unsinn zu erzählen

    einklappen einklappen