Ufo soll Bewohner retten

07. Dezember 2012 11:29; Akt: 07.12.2012 14:04 Print

Wo die Welt nicht untergehen wird

von Antonio Fumagalli - Bugarach fürchtet sich vor dem 21. Dezember – nicht wegen der Apokalypse, sondern weil Esoteriker das Dorf stürmen könnten. Polizei und Militär stehen bereit. Ein Besuch vor Ort.

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Bugarach - ein Dorf am Fuss der französischen Pyrenäen mit einem gleichnamigen Berg. Bis vor zwei Jahren kannte kaum jemand das 180-Seelen-Kaff. Die Bewohner erfreuten sich am angenehmen Klima, der atemberaubenden Landschaft - und der Ruhe. Dann fand Bürgermeister Jean-Pierre Delord im Internet Hinweise darauf, dass Esoteriker behaupten, nur in Bugarach überlebe man den angeblichen Weltuntergang am 21. Dezember 2012. Im «Pic de Bugarach», von den Einheimischen «Pech» genannt, soll nämlich ein riesiges Ufo versteckt sein. Sobald sich der Berg öffne, werde es die anwesenden Leute retten. Die Nachricht fand den Weg in eine Regionalzeitung und von dort in die weite Welt. Seither steht in Bugarach kein Stein mehr auf dem anderen. Aus der ganzen Region reisen Leute an, um sich vor dem Ortsschild abbilden zu lassen. Thierry Cayla (links) und Jérome Viguier kommen aus Toulouse. Sie wollen die Aufnahmen für einen Youtube-Film verwenden. Auch Familie Valette will den Schnappschuss ins Fotoalbum kleben. Genauso wie Benjamin Miran (hinten) und Benjamin Gea: Sie sind aus Narbonne angereist. Die wenigen Strassen von Bugarach scheinen ausgestorben. Im Vergleich zu früher gebe es aber massiv mehr Besucher, sagen die Anwohner. Mit der Ruhe, die man hier so schätze, sei es vorbei. Neben Journalisten und Esoterikern seien auch viel mehr Polizisten als früher zu sehen. Rund um den 21. Dezember 2012 werden mindestens hundert Gendarmen den Zugang zum «Pech» absperren, damit sich niemand - im Glauben, gerettet zu werden - von den Felsen stürzt. Das Rathaus von Bugarach, das gleichzeitig auch noch die Schule ist, wird zum Krisenzentrum. Nicht alle beklagen sich in Bugarach aber über die internationale Publizität: Benjamin Antech (links) und Jean Prior, Mitbesitzer des einzigen ganzjährig geöffneten Restaurants, freuen sich über den vollen Speisesaal. Die Esoterik-Fans sind im Dorf gar nicht so einfach zu finden. An diesem Abend treffen sich im «Relais de Bugarach» rund ein Dutzend Personen, um sich über ihre übernatürlichen Erlebnisse auszutauschen. Der Treffpunkt ist nicht zufällig gewählt: Im Kleinladen gibt es allerlei Gegenstände zu kaufen, die das Herz von Esoterikern höhern schlagen lässt - inklusive einer elektromagnetisch aufgeladenen Matratze für über 4000 Euro. Diego (im Vordergrund rechts) erzählt, dass er auf dem Berg «von einer Kraft davongetragen» worden sei. Dass nur sie am 21. Dezember 2012 gerettet werden, glauben diese Personen nicht so recht. Niemand weiss jedoch, wieviele Esoteriker nach Bugarach pilgern werden. Der Bürgermeister hat deshalb vorsorglich ein Grossaufgebot von Polizei und Militär beordert.

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Und plötzlich bin ich mitten unter ihnen. Den Esoterikern, nach denen ich im südfranzösischen Bugarach eineinhalb Tage lang gesucht habe. Sie sitzen im einzigen Laden des Dorfs um einen Tisch und schildern sich ihre übernatürlichen Erlebnisse auf dem Berg «Pic de Bugarach», von den Einheimischen «Pech» genannt. «Ich war am Meditieren, als mich eine Kraft davontrug. Plötzlich umgaben mich drei bis vier Meter grosse Wesen, die ich zuvor noch nie gesehen hatte», sagt Diego (siehe Video unten). Seine Augen weiten sich mit jedem Wort. Ein älterer Mann mit weissem, langem Bart nickt. Dennis kann der französischen Konversation nicht folgen, der US-Amerikaner ist erst vor drei Monaten an den Fuss der Pyrenäen gereist. «Diese Energie auf dem Berg, wunderbar! Es ist wie eine Maske, die abfällt», sagt der 47-Jährige und tippt gedankenverloren an seinem E-Mail weiter.

Wegen Leuten wie Diego oder Dennis fürchtet sich Bugarachs Bürgermeister Jean-Pierre Delord vor dem 21. Dezember 2012 – nicht der ominöse Weltuntergang macht ihm Sorgen, sondern die mögliche Invasion von Esoterikern. Denn: Ausgerechnet das 180-Seelen-Dorf soll der weltweit einzige Ort sein, an dem man die Apokalypse überlebt. An jenem Tag öffne sich der Berg und ein gewaltiges Ufo werde freigelegt, das die anwesenden Menschen rette. Der Name Bugarach komme schliesslich ja auch von «Bu-Garage».

Solche und ähnlich wirre Geschichten hat Bürgermeister Delord laut eigener Aussage in einschlägigen Internetforen gelesen. Und im Winter 2010 einem übereifrigen Reporter der Regionalzeitung «L’indépendent» ins Notizheft diktiert. Von der Provinzstadt Perpignan fand die Story den Weg in die grossen Pariser Medienhäuser und von dort in die ganze Welt. Die New York Times berichtete aus dem Dorf, ebenso der Spiegel, die Welt, CNN, The Guardian - alle waren sie dort. Sogar Journalisten einer japanischen TV-Station nahmen die beschwerliche, aber landschaftlich umwerfende Reise in den tiefen Süden Frankreichs auf sich.

«Ich habe die Schnauze voll von euch»

In Bugarach steht seither kein Stein mehr auf dem anderen. «Sie sind Journalist? Ich habe die Schnauze voll von euch», schreit mir der Besitzer der einzigen Pension ins Ohr und hängt auf. Andere Dorfbewohner sind gesprächiger: «Wir können uns nicht beklagen, das Geschäft läuft sehr gut», sagt Nathalie Burgat, Mitbesitzerin der «Ferme de Janou», wo man das formidable Sechs-Gang-Menu noch für 28 Euro kriegt. Mit ihrem Mann und den Kindern werde sie vor dem Restaurant nun ein grosses Zelt aufbauen, um die rund um den 21. Dezember erwartete Menschenschar verköstigen zu können.

Wer im Dorf nicht so direkt vom Hype profitiert, wünscht sich vor allem etwas: Ruhe. «Bis vor Kurzem kannte kein Mensch Bugarach. Nun überrennen sie uns», sagt eine ältere Frau, die seit über zwanzig Jahren in der Region wohnt. Sie, das sind neben Esoterikern und Journalisten vor allem Schaulustige. «Wir haben viel über Bugarach gelesen, also wollten wir uns selbst ein Bild vor Ort machen. Es waren ja nur zwei Autostunden von Toulouse», sagt Thierry Cayla und lässt sich – mit grüner Maske vor dem Gesicht – von seinem Kollegen ablichten. Er sei nur etwas enttäuscht, dass man die «Freaks» im Dorf gar nicht so einfach finde, so Cayla. In den folgenden zehn Minuten halten zwei weitere Reisegruppen am Ortseingang. Alle haben sie das gleiche Ziel: Ein Foto vor dem Ortsschild. Wenn nur der «Pech» im Hintergrund nicht so wolkenverhangen wäre.

Wer steckt hinter dem Hype?

Hinter vorgehaltener Hand bezichtigen einige Bewohner die Besitzer des Dorfladens, die Lawine ins Rollen gebracht zu haben. Schliesslich werden dort neben Trockenfleisch und Käse auch allerlei esoterisch angehauchte Artikel verkauft – einschliesslich einer elektromagnetisch aufgeladenen Matratze für über 4000 Euro. Von Abzockerei oder gar einer geschickten Inszenierung wollen die Geschäftsführer Corine und Patrice aber nichts wissen, vielmehr stecke Bürgermeister Delord dahinter, wolle er doch Windräder und Hotels im Dorf aufstellen lassen und sei auf Publizität angewiesen.

Jean-Pierre Delord weist den Vorwurf zurück, er sei nur «auf der Welle gesurft». Aber eins sei klar: «Hätte ich eine PR-Agentur damit beauftragt, unser Dorf so bekannt zu machen, wie es jetzt ist: Es hätte eine Unsumme gekostet.» Viel mehr Kopfzerbrechen bereiteten ihm die Tage rund um den 21. Dezember 2012. Wie viele Menschen glauben tatsächlich an die «moderne Arche Noah»? Wird die bescheidene Infrastruktur des Dorfes dem Ansturm standhalten? «Und was passiert, wenn die enttäuschten Esoteriker am 22. Dezember realisieren, dass alles noch wie zuvor ist?», fragt Delord.

Grossaufgebot von Militär und Polizei

Um der erwarteten Menschenmassen Herr zu werden, hat Delord schon vor Jahresfrist die Behörden ins Bild gesetzt. Der Hilferuf wurde erhört: Wie mehrere Dorfbewohner übereinstimmend berichten, kreisen regelmässig Armeehelikopter um den Berg, um verdächtige Aktivitäten frühzeitig zu erkennen. Die Hoteliers in den Nachbargemeinden kriegen einmal monatlich einen Anruf von den Behörden, die wissen wollen, ob sich konspirative Gruppierungen angemeldet hätten. Und mindestens 100 Gendarmen werden ab dem 17. Dezember die vier Wanderwege auf den «Pic de Bugarach» blockieren. Schliesslich habe man lesen können, dass man sich vom Berg stürzen müsse, um gerettet zu werden, sagt Delord.

Auch Diego und Dennis wollen den 21. Dezember in Bugarach verbringen. Dass die Welt dann untergehe, glauben sie aber nicht. Vielmehr beginne dann «ein neuer Bewusstseinszustand voller Liebe», wie es Dennis mit ernster Miene ausdrückt. Bürgermeister Delord vermag er damit nicht zu überzeugen. «Am liebsten wäre mir ein Haufen Schnee ab Mitte Dezember. Dann kommen garantiert weniger Leute», sagt er und weist darauf hin, dass die vereinbarten zwanzig Minuten Gesprächszeit nun vorüber seien. Vor der Türe des Gemeindehauses wartet ein russisches TV-Team.


Diego und Dennis erzählen von ihren übernatürlichen Erlebnissen auf dem «Pic de Bugarach»:

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Walter R am 08.12.2012 03:36 Report Diesen Beitrag melden

    Es gab schon viele Weltuntergänge.

    Ich habe in den etwas über 60 Jahren, die ich auf dieser Welt lebe schon so viele Weltuntergänge überlebt, da habe ich einer reelle Chance, auch noch diesen unbeschadet zu überstehen. Laut einer Tabelle, die ich im Internet gesehen habe, ist die Welt seit 30 nach Chr. bis heute schon rund 120 mal untergegangen.

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  • Sissi am 07.12.2012 13:35 Report Diesen Beitrag melden

    Aufklärung an alle!

    die welt geht nicht unter, die wird noch milliarden von jahre um die sonne kreisen, nur ist die frage in welchem zustand. wenn überhaupt, dann geht doch nur unser leben zu ende und das ist doch kein weltuntergang, das würde unserem planeten ganz gut tun. wir nehmen einfach zu verdammt wichtig.

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  • Andreas Schmutzer am 10.12.2012 08:59 Report Diesen Beitrag melden

    "Nichts zu verlieren!"

    Wette mit Jedem ... 1000:1, dass die Welt am 21.12.12 nicht untergeht !

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hans Bauer am 10.12.2012 21:29 Report Diesen Beitrag melden

    Was labert ihr da?

    Der Weltuntergang ist jeweils von Sonntagabend bis Freitagabend.

  • Alan am 10.12.2012 17:03 Report Diesen Beitrag melden

    Richtiger Termin: 31. Dezember

    Es ist doch sonnenklar: ich habe gerade meinen Kalender angeschaut, und der endet am 31.12.2012 - warum schreibt da niemand drüber? Wenn ich zurückdenke ist der 31. Dezember (respektive der darauffolgende) immer mit einer Bewusstseinsänderung verbunden gewesen. Am nächsten Tag wache ich jeweils irgendwann am Nachmittag mit heftigen Kopfschmerzen an den unterschiedlichsten Orten auf und kann mich nicht mehr so richtig erinnern, was passiert ist.

  • Belzebueb am 10.12.2012 14:15 Report Diesen Beitrag melden

    great scott!!!

    ich selbst denke nicht die Welt wird untergehen, schliesslich hab ich ja das Jahr 2015 bereits gesehen. Fliegende Autos, Hoverboards, ja die Zeit wird schön. Und wenn ich nur eine Sache von Doctor Emmet Brown gelernt habe, dann das unsere Zukunft noch nicht geschrieben wurde. Alles ist möglich. Sogar ein Hoverboard von Mattel...

  • daniel am 10.12.2012 13:14 Report Diesen Beitrag melden

    Weltuntergang

    Wohin will die Welt untergehen?soviel ich weis schweben wier im Weltall.

  • biene maya am 10.12.2012 12:09 Report Diesen Beitrag melden

    Weltuntergang

    Gestern habe ich gelesen dass in Osteuropa Menschen durch Kälte gestorben sind, wegen Armut. Das ist doch schon Weltuntergang gewesen für die armen Menschen oder nicht?