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Teilchenphysik
12. Dezember 2011 11:30; Akt: 12.12.2011 11:42 Print
Higgs oder nix?
von Thomas Burmeister, dpa - CERN-Physiker haben Fortschritte auf der Suche nach dem sogenannten «Gottesteilchen» angekündigt. Jetzt brodelt die Gerüchteküche: Wurde das Higgs-Boson gefunden?
Infografik: Teilchenjagd am CERN
Sie jagen fast so schnell um die Erde wie die Partikel im grössten Teilchenbeschleuniger der Welt: Gerüchte um das Higgs-Boson, das letzte fehlende Puzzleteil im Standardmodell der Materie. Nun gibt es Neuigkeiten.
Simulation eines Higgs-Teilchens (Bild: CERN)
Die Pressemitteilung war nüchtern und sachlich, wie es sich für eine wissenschaftliche Einrichtung gehört. Doch sie enthielt auch Reizworte wie «beträchtlich» und «Fortschritt». Und sie betraf immerhin eines der grössten noch ungelösten Rätsel unseres Daseins. Kein Wunder, dass die Welt der Teilchenphysik in Aufregung geriet.
Am 13. Dezember schaut sie mit Argusaugen nach Genf, wo Wissenschaftler am Europäischen Teilchenforschungszentrum CERN über neue Erkenntnisse bei der Suche nach dem Higgs-Boson berichten. Benannt nach dem britischen Physiker Peter Higgs, der es 1964 vorhersagte, wird das Boson (Teilchen) seit Jahrzehnten mit Hilfe immer grösserer Teilchenbeschleuniger gesucht.
«Gottesteilchen»
Forscher stimmen weitgehend darin überein, dass das Higgs-Teilchen das letzte noch fehlende Puzzleteil im Standardmodell vom Aufbau der Materie wäre, der bislang umfassendsten und schlüssigsten Beschreibung des Aufbaus der Welt. Manche nennen das Higgs-Boson deshalb gar das «Gottesteilchen».
Klar, dass es auf der Fahndungsliste der Teilchenphysik ganz oben steht. Wobei die Suche nicht oben stattfindet, wo man einen herrlichen Blick auf den schneebedeckten Mont Blanc hat, sondern in 100 Metern Tiefe. Im Genfer Grenzgebiet zwischen der Schweiz und Frankreich beschleunigen die Cern-Physiker Protonen (Wasserstoffkerne) beinahe auf Lichtgeschwindigkeit.
Mit enormer Wucht prallen die Partikel im 27 Kilometer langen Ringtunnel des Beschleunigers LHC (Large Hadron Collider) aufeinander. Beim Zusammenkrachen entstehen ganze Regen von Folgeteilchen. Ganz selten ist darunter auch ein Higgs-Boson, hoffen die Forscher.
Hausgrosse Detektoren
Mit den beiden hausgrossen Detektoren ATLAS und CMS suchen die Physiker nach dessen Zerfallsprodukten, was einen zumindest indirekten Beweis für die Existenz des prophezeiten Higgs-Boson liefern würde.
Die Aufregung in der Higgs-Fangemeinde vor dem für kommenden Dienstag angekündigten Medienkonferenz könnte kaum grösser sein. So mancher will erfahren haben, dass tatsächlich Higgs-Spuren entdeckt wurden. Blogs berichten, die Wissenschaftler seien bei 125 Gigaelektronenvolt (GeV) fündig geworden. GeV ist eine Einheit, in der Physiker die Masse von Elementarteilchen angeben. Tatsächlich vermuten Forscher die Teilchen im Bereich zwischen 115 und 140 GeV, in dem Messungen besonders langwierig sind.
Alles durchsucht
So gut wie alle anderen Verstecke wurden bereits durchsucht, berichtete Michael Hauschild vom Team des ATLAS-Detektors. «Wenn die Natur ein Higgs-Teilchen bei 160 oder 170 GeV geschaffen hätte, dann hätten wir es schon gefunden.» Wodurch auch immer Spekulationen genährt werden, die CERN-Forscher bleiben offenbar der Tradition des Schweigens bis zum Zeitpunkt der Bekanntgabe treu.
Mancher, der mit am Gerüchte-Karussell dreht, hätte vielleicht jene Passage in der Seminar-Ankündigung stärker beachten sollen, wonach es zwar «signifikante» Fortschritte bei der Suche gebe, aber «nicht genug, um irgendwelche abschliessenden Erklärungen über die Existenz oder Nichtexistenz des Higgs abzugeben».
Die Shakespeare-Frage «Sein oder Nichtsein» dürfte in Bezug auf das Higgs-Boson also weiter offen bleiben, wenngleich vielleicht nicht mehr ganz so offen wie bisher. Selbst wenn sich nur Hinweise verdichtet hätten, dass das Teilchen tatsächlich existiert, wäre dies wenigstens eine Art Vorstufe zur Sensation.
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Alle 25 Kommentare

































Nicht ganz klar
Was ich nicht richtig verstehe ist: Als das Universum / Raum & Zeit in einem Bruchteil einer Sekunde durch den Urknall entstand, waren da die kleinsten Materieteilchen vorher da? Was heissen würde, dass diese unendlich sein könnten, oder entstanden sie aus nichts, was ebenso unglaublich erscheint. Oder gibts noch andere Möglichkeiten, die wir nicht realisieren können?
Grenzenlose möglichkeiten
Die momentan wohl grösste Herausforderungen in der modernen Physik bleiben einerseits, den Zusammenhang zwischen Energie und Masse zu finden, sowie den Grund zu erörtern, woraus die Realität überhaupt besteht (strings? folglich Energie=Masse?). Falls wir jemals eine die "unifying theroy" finden und komplett verstehen, werden sich wohl viele der aktuellen Probleme in Luftauflösen. (Energieversorgung, überlicht-raumfahrt, "Quantenmedizin", Kommunikation ohne Zeitverlust (Entaglement) etc. Weitaus fantasievollere Szenarien wären möglich.
UND DANN??
Und was bringt uns Steuerzahler das ganz??? Was für Monster-Projekte folgend ann?? Wo sind die Vorteile?? Nicht dass ich sage es gibt keine, aber irgendwie seh ich da grad keinen nurzten ....
Für dich nutzlos
Das Higgs-Teilchen würde die derzeitige Quantenfeldtheorie bestätigen. Innovation entsteht nur durch eine fundierte Wissensbasis, denn erst wenn man weiss wie etwas funktioniert kann man es zu den eigenen Gunsten verwendet. So ein Supraleiter bei Raumtemperatur wäre zum Beispiel toll, aber erst muss man heraus finden was Materie supraleitend macht. Und da würde das Higgs-Teilchen vielleicht helfen.
das wäre der nächste evolutionsschub
es gibt zigtausende möglichkeiten wenn wir materie bauen können..... sehr weit und gross vorraus gedacht sogar einen neuen planeten.... das wäre doch was oder? usw usw usw usw usw
Zukunft...
Es geht hier um Grundlagenforschung. Man sieht den Nutzen normalerweise nicht unmittelbar nach den Experimenten. Haette man am CERN vor etwa 20 Jahren genau gleich wie Sie gedacht, haetten wir jetzt kein Internet, oder zumind. nicht in dieser Form. Warum ist es so, dass es Leute gibt, die immer bessere Technologien, Geraete etc. wollen/erwarten, aber nicht gewillt sind dafuer langfristig zu investieren? Von irgendwo muss das know-how ja kommen...