Esskultur

18. August 2014 12:29; Akt: 18.08.2014 17:34 Print

Wie der Fleischfresser zum Allesesser wurde

von Fee Riebeling - Heute können wir essen, worauf wir Lust haben. Das war nicht immer so. Früher lautete die Devise: Gegessen wird, was da ist.

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Als Jäger und Sammler ernährte sich der Mensch vor allem von Wildfleisch. Dann wurde er um 5500 v. Chr. sesshaft und sattelte auf Ackerbau, Viehzucht und Vorratshaltung um. Die Landwirtschaft war geboren und das Getreide wurde Teil der täglichen Ernährung. Zum Grundnahrungsmittel wurde es jedoch erst im Mittelalter (6. bis 15. Jh.), als Mühlen oder Trotten die Verarbeitung leichter machten. Auf den Tisch kam es in Form von Breien und Grützen.

Brot hingegen stellte lange Zeit selbst für Privilegierte eine Ausnahme dar. Erst im 13. Jahrhundert landete es auch bei den Ärmsten regelmässig auf dem Teller. Dafür verwendet wurden vor allem Gerste, Hirse und Hafer. In der Schweiz war Dinkel beliebt.

Entweder Fisch oder Fleisch

Während Wild im Römischen Reich (6. Jh. v. Chr. bis 5. Jh. n. Chr.) noch gang und gäbe war, war es im Mittelalter nur noch den höheren Schichten vorbehalten. Denn ab dem 8. Jahrhundert wurde die Jagd in Europa eingeschränkt. Nur die Adeligen durften Rotwild erlegen. Damit dieses immer verfügbar war, wurde es zum Teil in speziellen Gehegen gehalten. In England entstanden zu dieser Zeit rund 2000 sogenannte Hirschparks.

Den einfachen Bürgern stand – wenn überhaupt – die Jagd auf Niederwild wie Kaninchen offen. Doch im Normalfall begnügten sie sich mit Poulet- und Schweinefleisch, das durch Pökeln, Dörren und Räuchern haltbar gemacht wurde. Damit mussten die Menschen nicht mehr alles sofort verzehren, sondern konnten auch Nahrungsmittel für den Winter aufbewahren. Wer am Meer wohnte, ass zudem Fisch und Schalentiere. Dies jedoch meist als Fleischalternative an Fastentagen, da Meerestiere weniger prestigeträchtig waren.

Ergänzt wurden die Mahlzeiten mit Gemüse wie Kohl, Lauch und Pilze. Forschern zufolge spielte die stärkehaltige Pastinake eine ähnliche Rolle wie später die Kartoffel.

Grösseres Angebot

Die Kartoffel und andere Lebensmittel brachten Entdecker wie Christoph Kolumbus ab dem 15. Jahrhundert von ihren Entdeckungsreisen mit. Weil sich die Kartoffel als überaus nahrhaft entpuppte und sich zudem gut auf kargen Böden anbauen liess, löste sie schon bald das Brot als Hauptnahrungsmittel ab. Immer beliebter wurden auch Tomaten und Genussmittel wie Kakao, Zucker, Kaffee und Zitrusfrüchte.

Mit der Industrialisierung (18. Jh.) stiegen die Bevölkerungszahlen sprunghaft an. Gleichzeitig wurden die Ressourcen knapp und die Lebenshaltungskosten stiegen. Hunger war die Folge. Deshalb wurde der Anbau robuster Getreidesorten vorangetrieben. Ebenfalls wichtiger wurden Mais, Reis und Kartoffeln.

Exotisches hält Einzug

Im 19. Jahrhundert veränderten technologische Entwicklungen die Herstellung von Lebensmitteln. Nun war es möglich, Lebensmittel luftdicht zu verpacken – zum Beispiel in Konservendosen –, sie zu kühlen und zu gefrieren. Durch die Erfindung der Dampflok konnten Lebensmittel zudem erstmals in grösseren Mengen mit der Eisenbahn transportiert werden. Dennoch kam es auch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu Hungersnöten und Lebensmittelknappheit. Grund dafür waren die beiden Weltkriege.

Das änderte sich ab den 1950er-Jahren: Den Menschen in Europa ging es besser, Nahrung gab es erstmals in Hülle und Fülle. Auch reisten die Menschen mehr. Wie früher die Seefahrer, bringen sie seither nicht nur neue Lebensmittel und Gewürze mit, sondern auch Rezepte. So brachte der seefahrende Koch Sepp Kopp im Restaurant Clipper den Zürchern zum ersten Mal fernöstliche Gerichte wie Mah Mee oder Nasi Goreng näher.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bürger Chris am 18.08.2014 13:45 Report Diesen Beitrag melden

    Abartig, was heute abgeht

    Ich finde es krass, dass z.B. Lachs aus dem hohen Norden nur zum Entgräten (kein 1h Arbeitsaufwand, dafür x tausende KM) nach Asien transportiert wird und danach wieder retour geht. Oder Mohrrüben/Kartoffeln quer durch Europa, nur zum Rüsten. Meiner Meinung nach völlig übertrieben und nicht notwendig. Ich kann problemlos Jahr für Jahr von regionalen Produkten leben, ich brauche im Winter keine Erdbeeren und Co., wirklich nicht. Aber das passt der Wirtschaft und vielen Menschen nicht, jeder muss immer überall alles zur Verfügung haben - der liebe Konsum!

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  • hansli am 18.08.2014 14:08 Report Diesen Beitrag melden

    Hauptsache lecker??

    Und gerade trotz oder wegen der Vielfalt an Lebensmittel essen viele heute extrem ungesund. Wenn ich die Leute sehe, die zum Teil mit ihren Kindern, sich zum Z'mittag ein Burger Menü mit Cola reinhauen und dies als vollwertige Mahlzeit ansehen, frag ich mich ob wir nicht den Bezug zum Essen verloren haben, dabei wäre gesundes Essen billiger als dieser Mist.

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  • Reminder am 18.08.2014 13:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wissenschaftlich nicht korrekt

    Der erste Mensch lebte nicht in Europa. Der erste Mensch lebte in Afrika, wo die Nahrungsmittelsituation eine andere war. Dort gab es das ganze Jahr über Obst and den Bäumen und keinen Winter. Die Lebensweise in Europa war eine Anpassung an die hiesigen Gegebenheiten und nicht die voll ursprünglichste, menschliche Ernährungsform. Das müsste der Vollständigkeitshalber einfach auch gesagt werden. Warum sollte der Mensch die Risiken einer Jagt eingehen, wenn Obst im Überfluss herum hängt? Aber Dann änderte sich das Klima und der Mensch zog in neue Gefilde.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mana am 19.08.2014 11:42 Report Diesen Beitrag melden

    Die Umgebung bestimmte was man ass

    Der Mensch hat das gegessen was er in seiner Umgebung vorfand. So entdeckten Archäologen bei 8000 Jahre alten Menschlichen Kieferknochen in China Rückstände von Wildreis. Bei Sumerischen Gebeinen aus Archaischer Zeit die von Linsen. In Ägypten fand man Öfen aus der Zeit der ersten Dynastie die dem Backen von Brot dienten. Als man im prädynastischen Ägypten zu Tisch Brot ass, jagten wir hier in Europa noch mit Steinschleudern Hasen und Eichhörnchen und buddelten Wurzeln aus der Erde. Der Mensch entwickeltee sich auf jedem Kontinent unterschiedlich schnell.

  • Axel am 19.08.2014 11:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Menschheit frisst sich zu tode...

    Zu früheren Zeiten starben die Menschen der Unterschicht weil sie nicht genügend zu essen hatten. Heute sterben sie weil sie sich regelrecht zu tode fressen. Es ist ein absoluter Graus diese Leute auf der Strasse anschauen zu müssen!! Hoffentlich kommt bald mal wieder eine krasse Hungersnot, damit sich die Menschen wieder mal besinnen...

  • Biologe am 19.08.2014 10:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Diskussion zum Ursprung

    Warum diskutiert ihr darüber, ob der Mensch Fleisch oder Allesfresser war? Früher haben wir auch in Höhlen gelebt und UGA UGA gesagt. Tun wir das heute auch? Nein. Also dann esst doch was ihr für richtig haltet und macht diese Entscheidung nicht von den Höhlenmenschen abhängig...

  • R. Ealist am 19.08.2014 10:00 Report Diesen Beitrag melden

    en Guete

    Langzeitstudien haben eine direkte Korrelation zwischen Kohlehydratekonsum und Obesität festgestellt. Ich habe Respekt vor Veganern oder Vegis - esse auch mal fleischlos, wenn ich wirklich Lust dazu habe. Aber wir sind nun mal Allesfresser, die sich im Lauf der Jahrhundertausende der Nahrung angepasst haben: tierische Eiweisse und dazu etwas Wurzeln, Früchte oder so.

  • Alpacino am 19.08.2014 09:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Egalll

    Ob mann Fleisch isst oder nicht das kommt schlussäntlich überhaupt nicht drauf an, ob unsere Eltern Vegi sind oder Fleisch esser die entscheidung bleibt ganz alleine bei uns was unser körper möchte! Und wie jemanden vorhin geschrieben hat,die hauptsache ist man ist glücklich und gesund