Ursprungs-Diät

30. August 2014 11:50; Akt: 01.09.2014 09:45 Print

Schnecken und Innereien im Pyrenäenwald

von Timothy Schorno - Seit fünf Jahren isst Donato D'Augello aus Wil SG nur noch «artgerechte Nahrung für Menschen». Getreide, Brot, Milch und Zucker gehören nach seiner Meinung nicht dazu.

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Die «Study of Origin» des niederländischen Wissenschaftlers Leo Pruimboom hat es in sich. Die Probanden hungern, frieren, haben Durst und marschieren kilometerweit durch die spanischen Pyrenäen. Geschlafen wird im Freien, gewaschen im Fluss. Die Mahlzeiten bestehen schon mal aus Leber oder Schnecken.

An der Studie teilgenommen hat auch Donato D'Augello aus Wil SG. «Wir kamen aus unserer Wohlfühlzone heraus», sagt der 44-Jährige. Donato beschreibt sie als eine der «härtesten Zeiten seines Lebens». Auch, weil das Abendessen manchmal ausfiel. Oder in Form von lebenden Hühnern auf die Gruppe wartete.

Schoggimousse aus Avocado

Zu den Strapazen kam denn auch ein striktes Ernährungsreglement: Die Studienteilnehmer assen nur, was die Menschen der Steinzeit gegessen haben – sogenannte Ursprungsnahrung (siehe Box).

Donato ernährt sich seit fünf Jahren fast ausschliesslich nach diesem Prinzip. Heute bereitet er sich einen Eintopf mit Pilzen, Gemüse und Trutenbrust zu. Das Brot dazu ist aus Buchweizen. «Im Gegensatz zu herkömmlichem Getreide soll sie den Darm nicht belasten», erklärt der 44-Jährige. Zum Dessert gibt es Kakaomousse, das statt Rahm Avocado enthält und mit Honig gesüsst wurde.

Etliche Kilos verloren

Für den Verkaufsleiter ist die Ernährungsumstellung eine Erfolgsgeschichte: Das Tief nach dem Mittag kennt er längst nicht mehr, Sonnenallergie und andere Symptome sind nur noch eine Erinnerung. Und fünf Jahre zuvor wog der 1.75 grosse Donato 108 Kilo. Heute sind es 77. «Natürlich habe ich für dieses Resultat auch viel Sport getrieben.»

Spanische Medien berichten über die «Study of Origin»:

Dumme Sprüche gab es immer

Auf seiner Suche nach «Menschennahrung», wie er sie nennt, geht Donato heute an den meisten Regalen vorbei. Brot, Milch, Kartoffeln und Hülsenfrüchte braucht er nicht mehr. Sogar Pasta und Panna Cotta lehnt der italienischstämmige Wiler dankend ab.

«Natürlich reagiert meine Umgebung ab und an mit dummen Sprüchen. Dumme Sprüche gabs aber auch, als ich noch 108 Kilo wog», sagt er lachend. Für ihn sei seine Ernährung nicht mit Verzicht verbunden: «Essen macht mir immer noch unglaublich viel Spass.» Glace stellt er aus Kokosmilch, Honig und Früchten her.

Eiweiss nimmt er über Fisch, Eier, Meeresfrüchte und Geflügel auf. Das ist nicht unproblematisch. Begännen alle Menschen so zu essen, stünde allein die Schweizer Milchwirtschaft vor gewaltigen Problemen. Donato ist sich dessen bewusst. Nur lehnt er die heutige Landwirtschaft ohnehin ab. «Es ist genau so problematisch, in Massentierhaltungen hormonell belastetes Fleisch zu produzieren.»

Problematisch

Nicht alle Spezialisten sind von der Ursprungsdiät angetan. Der deutsche Ernährungswissenschaftler Udo Pollmer schreibt auf Anfrage von 20 Minuten: «In der Steinzeit haben die Menschen gegessen, was gerade verfügbar war. In den Tropen verwurmte Früchte und in den polaren Regionen Robbenspeck oder gestrandete Wale.» Jeder könne sich eine Ernährung ausdenken und behaupten, das hätten die Feuerländer vor 7000 Jahren gegessen.

Steffi Schlüchter von der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung möchte die Ursprungsdiät ebenfalls nicht der breiten Bevölkerung empfehlen: «Es bleibt das Risiko, dass wichtige Nährstoffe fehlen», so die diplomierte Ernährungsberaterin. Dass Donato seit fünf Jahren gut mit seiner Diät lebt, möchte sie nicht zu hoch gewichten: «Solche Selbsterfahrungen sind mit Vorsicht zu geniessen.»

Leo Pruimboom erklärt die «Study of Origin»: