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Schweinegrippe
12. April 2010 18:58; Akt: 12.04.2010 19:08 Print
WHO hinterfragt Pandemie- Management
Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurde vorgeworfen, die Schweinegrippe übertrieben zu haben. Nun verspricht sie eine umfassende Untersuchung.
Die WHO will den Umgang mit der Schweinegrippe analysieren und daraus Lehren für künftige Pandemien ziehen, versprach Generaldirektorin Margaret Chan am Montag in Genf bei der Eröffnung einer dreitägigen Expertentagung. «Wir wollen wissen, was gut lief. Wir wollen wissen, was schief lief und - idealerweise - warum. Wir wollen wissen, was man hätte besser machen können und wie», sagte Chan. Sie wolle eine «ehrliche, kritische und transparente» Untersuchung.
WHO-Direktorin Margaret Chan verspricht eine «ehrliche, kritische und transparente» Untersuchung zur Schweinegrippe.
(Bild: Keystone/AP)
Stichwort Schweinegrippe-Virus
Wissenschaftler klassifizieren Grippe-Viren nach ihren Oberflächenproteinen. H steht dabei für Hämaggluttinin, N für Neuraminidase. Es gibt 16 verschiedene H-Typen und neun verschiedene N-Typen, wobei die Nummern nichts über die Schwere der Krankheit aussagen. Die Schweinegrippe hat den Virenstamm H1N1, die Vogelgrippe den Typ H5N1.
Der grösste Teil einer Virusoberfläche ist mit dem Eiweiss Hämagglutinin bedeckt. Das Protein ermöglicht Viren das Ankoppeln an die Zelle, in der schliesslich neue Grippeviren entstehen. Neuraminidasen sind Enzyme, die sich auf der Oberfläche von Influenzaviren befinden. Sie ermöglichen das Eindringen von Krankheitserregern in körpereigene Zellen. Diese viralen Enzyme schleusen dann auch von infizierten Zellen neu produzierte Viren aus der Zelle. (ap)
Auf der WHO-Konferenz wollen Fachleute herausfinden, wie die Organisation mit der im Frühjahr 2009 ausgebrochenen Pandemie umgegangen ist. Die Experten sollen zudem Vorgaben für den Umgang mit kommenden Pandemien erarbeiten.
Ein erster Bericht soll bereits der Generalversammlung der WHO Mitte Mai vorgelegt werden. Der Schlussbericht ist für Januar 2011 geplant.
Kritiker: WHO wurde manipuliert
Kritiker werfen der WHO vor, überzogen auf das Virus reagiert zu haben. Der WHO sei von der Pharmaindustrie manipuliert worden, erklärten diese.
Chan betonte, die WHO halte stets wachsam ein Auge darauf, dass Interessenkonflikte vermieden würden. Das Expertengremium sei unabhängig und setze sich gleichermassen aus Fachleuten aus Industriestaaten und Entwicklungsländern zusammen.
Zugleich verteidigte Chan die Ausrufung des Pandemie-Alarms im Juni vergangenen Jahres. Da das H1N1-Virus in 213 Ländern aufgetreten sei, sei auch die Ausbreitung wirklich global gewesen, sagte die WHO-Chefin.
Bisher wurden nach Laboranalysen weltweit etwa
Der WHO-Sonderberater für Grippe-Pandemien, Keiji Fukuda, gestand am Montag Fehler in der Kommunikation der UNO-Organisation und bei der Definition der Stufen des Pandemie-Alarms ein.
Schweiz macht eigene Überprüfung
Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) wollte die Selbstanalyse der WHO nicht kommentieren. BAG-Sprecher Jean-Louis Zürcher verwies am Montag nur auf den Überprüfungsprozess in der Schweiz, der am Laufen ist. Einen solchen hatte Gesundheitsminister Didier Burkhalter im Januar angeordnet. Die Resultate sollen Ende April oder Anfang Mai vorliegen.
In der Schweiz war der Pandemie-Alarm am 5. Februar aufgehoben worden. Nach Schätzungen des BAG kamen hierzulande zwischen einer und eineinhalb Millionen Menschen mit dem H1N1-Virus in Kontakt. Mindestens 561 Menschen mussten hospitalisiert werden, 18 Menschen starben.
(sda)






























