Geistiges Handgepäck

06. Oktober 2011 13:55; Akt: 06.10.2011 15:11 Print

Der Kaiser von AmerikaDer Kaiser von Amerika

Haben Sie gewusst, dass es in den USA ab 1859 für 21 Jahre einen Kaiser gab? Dieser ordnete unter anderem an, den US-Kongress aufzulösen. Wissen Sie, wer der ebenso beliebte wie erfolglose Monarch war?

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Der selbsternannte Kaiser Norton I.

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Der vermutlich 1811 in England geborene Joshua Abraham Norton wanderte 1849 nach San Francisco aus. Nachdem er wegen einer Fehlinvestition in Reis aus Peru (siehe Info-Box) sein ganzes Vermögen verloren hatte, ernannte er sich am 17. September 1859 kurzerhand selber zum «Kaiser der Vereinigten Staaten». Dies verkündete er in Briefen an die örtlichen Zeitungen.

In den nächsten 21 Jahren erliess er über den gleichen Weg diverse Weisungen. So forderte Norton, der sich oft auch den Titel «Schutzherr von Mexiko» gab, zum Beispiel die sofortige gewaltsame Abschaffung des US-Kongresses. Denn schliesslich braucht es neben einem Kaiser keine weitere Instanz. Ausserdem verbot der «Kaiser», dass man seinen gewählten kaiserlichen Regierungssitz San Francisco despektierlich «Frisco» nannte. Jeder, der es trotzdem tat, hatte 25 Dollar ans kaiserliche Schatzamt zu entrichten. Ob seine Kasse so gefüllt wurde, kann bezweifelt werden. Denn obwohl seine Erlasse rege gelesen und diskutiert wurden, nahm ihn als Kaiser niemand ernst.

Exzentrisch oder verrückt?

Kaiser Norton I. galt im Minimum als exzentrisch, vielleicht war er auch ganz verrückt. Doch den meisten Einwohnern von San Francisco war dies einerlei, sie liebten ihren «Kaiser» für seine teilweise visionären Ideen und seinen Humor.

Die Regentschaft endete am 8. Januar 1880 abrupt, als der «Kaiser» auf der Strasse tot zusammenbrach. Da Norton I. seit seinem Reis-Fiasko (siehe Info-Box) völlig verarmt war, hätte seine Barschaft knapp für eine Bestattung in einem Armengrab gereicht. Seine Beliebtheit ersparte ihm dies, denn der Pacific Club, eine Vereinigung von Geschäftsleuten, sprang mit einer Geldsammlung ein und organisierte dem «Kaiser» eine «richtige» Beerdigung. Es kam zu einer grossen, ernsten und würdigen Trauerfeierlichkeit, 30 000 Menschen sollen die Strassen gesäumt und eine drei Kilometer lange Menschenschlange soll den Sarg beleitet haben.

Übrigens: Joshua Norton lieferte die Vorlage für das Lucky-Luke-Heft «Der Kaiser von Amerika.»

Quelle: Wikipedia

(lue)

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  • Henri Wyler am 07.10.2011 14:24 Report Diesen Beitrag melden

    Thron für Deutschen war real

    Der einzige reale Anwärter auf den Thron in den amerikanischen Gebieten Englands war Prinz Heinrich von Preussen, 1727 bis 1802, der Bruder Friedrich II., manchen bekannt durch den siebenjährigen Krieg. Da die englischen Kolonien sich 1776 für unabhängig erklärten, stand der Posten als König von Amerika nicht mehr zur Disposition.

  • Brigitte Aegler am 07.10.2011 12:53 Report Diesen Beitrag melden

    Lucky Luck

    Der Kaiser von Amerika wird auch in Lucky Luck erwähnt :-)

  • Bruno am 06.10.2011 20:15 Report Diesen Beitrag melden

    Normalerweise

    Normalerweise kennt man nur die Geschichten derjeniger, die richtig investiert haben und reich wurden. Von denen, die den Mut hatten etwas zu riskieren und verloren haben hört man wenig.

    • Azrael am 07.10.2011 10:01 Report Diesen Beitrag melden

      Gewinner

      Tja, die Gewinner schreiben die Geschichte...

    • Realist am 07.10.2011 12:50 Report Diesen Beitrag melden

      Richtig

      Hehe das Stimmt. Gewinner = Gut, Verlierer = Böse So ist das immer

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