WWF und Russland sauer

08. Dezember 2012 23:46; Akt: 08.12.2012 23:55 Print

Harsche Reaktionen auf Doha-Entscheid

Dass der katarische Präsident des Weltklimagipfels den Schlussentscheid eigenmächtig durchsetzte, stösst verschiedenen Parteien sauer auf.

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Powerte den Doha-Schlussentscheid im Alleingang durch: Der stellvertretende katarische Ministerpräsident Abdullah Bin Hamad Al-Attijah. (Bild: Adi Al-Assaad)

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Die Weltklimakonferenz in Doha ist am Samstag mit einem spektakulären Showdown zu Ende gegangen: Nach stundenlangen zähen Verhandlungen und mehreren Unterbrüchen setzte der Präsident der Konferenz, der stellvertretende katarische Ministerpräsident Abdullah Bin Hamad Al-Attijah, die zuvor gefundenen Kompromisse gegen letzte Widerstände durch – im Alleingang und im Rekordtempo.

Dem Entscheid vorangegangen war ein Streit über den Umgang mit überschüssigen Emissionsrechten. Russland und weitere osteuropäische Staaten blockierten eine Verlängerung des Kyoto-Protokolls, weil sie eine Einschränkung beim Handel mit diesen Rechten nicht akzeptieren wollten. Polen lenkte nach einem Treffen der EU-Staaten ein. Russland, die Ukraine und Weissrussland blieben jedoch bei ihrer Ablehnung. Sie forderten eine uneingeschränkte Weiternutzung der Zertifikate.

Russland kündigt «weitere Schritte» an

Der russische Unterhändler Oleg Schamanow erhob daher massive Zweifel am Vorgehen der Präsidentschaft. Er könne nicht verstehen, wie Al-Attijah nicht habe registrieren können, dass Russland bei der Abstimmung Einwände signalisiert habe. «Wir glauben keinesfalls, dass ein solches Vorgehen zu rechtfertigen ist oder den Regeln der Klimarahmenkonvention oder dem Kyoto-Protokoll entsprechen», sagte Schamanow und kündigte weitere Schritte Russlands an.

Der Aussenminister von Nauru, Kieren Keke, der die kleinen Inselstaaten vertritt, kritisierte das Ergebnis ebenfalls. «Das ist nicht, wo wir am Ende des Treffens stehen wollten, das versichere ich», sagte er. «Es ist sicherlich nicht, wo wir sein sollten, um die Inselstaaten vor dem Untergang und anderen unvorstellbaren Auswirkungen zu bewahren.»

Der chinesische Unterhändler Xie Zenhua sagte, sein Land sei zwar teilweise enttäuscht von dem Ergebnis, aber bereit, das Paket zu akzeptieren.

Schweiz nur halb zufrieden

Auch die Schweiz ist mit dem Ergebnis in Doha nur halb zufrieden. In einer Mitteilung bezeichnete die Delegation die Resultate als «zwiespältig». Mit der Verlängerung des Kyoto-Protokolls sei nur das «Minimalziel» erreicht worden. Kritisiert wird vor allem, dass grosse Verursacher wie die USA, China, Japan, Brasilien, Südafrika, Indien oder Kanada Abseits stehen.

Der deutsche Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) verteidigt das Vorgehen Al-Attijahs. «Wir haben jetzt alle die Verantwortung, dass wir aus diesem Abkommen auch das beste machen für den Klimaschutz», sagte er. Das Paket sei besser als lange Zeit erwartet.

EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard wiederum mahnte, dass die Zeit knapp werde, um eine Erderwärmung von mehr als zwei Grad noch zu verhindern. «Wir brauchen ein ehrgeiziges weltweites Vorgehen, das uns entscheidend in Richtung einer emissionsarmen und klimaschonenden Zukunft bringt», betonte sie. Doha sei ein massvoller, aber entscheidender Schritt nach vorn gewesen.

Umweltverbände enttäuscht

Enttäuscht äusserten sich Umweltverbände. Der WWF kritisierte die Beschlüsse als inhaltsleer, der Klimaschutz sei in Doha «in die Wüste geschickt» worden. Patrick Hofstetter, Leiter Klima und Energie des WWF Schweiz, der in Doha Mitglied der Schweizer Delegation war, macht keinen Hehl aus seiner Frustration: «Es ist, als ob der Christbaum Feuer fangen würde und alle streiten, wer die Löschdecke holt.» Die Ambitionen der Beteiligten seien «beängstigend» niedrig, Fortschritte sähen anders aus. Insbesondere die USA, Russland und China hätten «zu viel Sand ins Getriebe gestreut».

Einziger Lichtblick ist aus Sicht des WWF, dass dank der Minimal-Beschlüsse von Doha der Verhandlungsweg im Klimaschutz nicht gänzlich blockiert ist. Die Beschlüsse seien wichtig, «denn damit bleibt Bewegung in den Verhandlungen, und wir haben nichts Besseres als diesen Weg», wurde Hofstetter zitiert.

(sda/dapd)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • fröschlu am 09.12.2012 08:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    die show geht weiter

    es geht dich nur um geld in diesem klimatheater. ständig neue und zusätzliche abgaben und zuschüsse stehen zur diskussion. schlechtes gewissen war schon immer ein gutes geschäft, die staaten und organisationen haben von den religionen gelernt. allerdings bleibt die umwelt tatsächlich auf der strecke. der kleine mann/die kleine frau mag idealist sein, bei den eliten sieht das ganz anders aus. hauptsache, diese industrie bleibt am laufen und der nächste gipfel kommt bestimmt - natürlich nur in den schönsten und teuersten hotels. und natürlich alle schön mit dem flieger.

  • Yves Kläy am 09.12.2012 01:47 Report Diesen Beitrag melden

    Weltklimafarce

    Gescheiter wäre es, man würde den Klimagipfel als Telefonkonferenz abhalten. So könnten wenigstens die CO2 Emissionen eingespart werden, die bei der Anreise dieser "Klimapolitiker" anfallen. Das ganze ist wirklich urkomisch, denn am Ende werden es die Menschen sein, die durch ihr Nichthandeln ihr eigenes Grab geschaufelt haben werden.

  • Mirjam Fröhlicher am 09.12.2012 09:22 Report Diesen Beitrag melden

    Absolut überflüssige Spesenreiter

    Die ganzen Delegationen, bringen nichts und machen sich höchstens zwei schöne Wochen auf Staatskosten. Sowas von überflüssig ...

Die neusten Leser-Kommentare

  • anna am 09.12.2012 11:52 Report Diesen Beitrag melden

    Sinnlos

    Wir haben es längst kapiert, das es denen nicht um den Umweltschutz geht, sondern nur darum wo man noch gutes Geld vom Bürger holen kann. Gebt es doch auf ! Die Umwelt wird eh nicht gerettet !

  • Werni am 09.12.2012 11:18 Report Diesen Beitrag melden

    Sehen und gesehen werden

    Das wichtigste ist doch: Schöne teure Flüge und Aufenthalte in 5-Stern Suiten mit Fress/Saufforgien und viel Bla-Bla.

  • Hedo Aarau am 09.12.2012 10:54 Report Diesen Beitrag melden

    Kreuzfahrten machen

    Das ganze bringt alles nichts, schade um die Zeit und das Geld. Es werden seither weiterhin grosse Kreuzfahrt schiffe gebaut, die riesige Verschmutzung zum reinen Vergüngen machen. 15 solche Schiffe machen soviel vermutzung wie alle Auto's zusammen. Also geniesen wir die Zeit und machen Kreuzfahrten, bis die Welt untergeht, man will es so, dank den Uneinsichtigen.

  • Bernhard Kuenzi am 09.12.2012 09:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rendite vor Einsicht

    So lange man mit Umweltverschmutzung Geld verdienen kann, aendert sich nichts. Die Wirtschaftslobby ist zu stark... leider! Aber auch die merken eines Tages, dass man Geld nicht essen kann.

  • Erik Schiegg am 09.12.2012 09:39 Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt keine Einigung und es gibt nur

    eine Gangbare Lösung: Staaten, welche die Auflagen einhalten, müssen auf Produkte von nichteinhaltenden Ländern selber eine Sonderumweltsteuer erheben und diese selber in Klimaschutz investieren. Die Länder dieser Erde lernen es nur, wenn es unmittelbar im Portemonnaie weh tut!