CO2-Schleuder

03. Dezember 2012 02:56; Akt: 03.12.2012 14:33 Print

China ist Klimasünder Nummer 1

Mehr als ein Viertel der globalen CO2-Emissionen gehen auf das Konto von China. Während in Europa der Ausstoss sinkt, legen die Entwicklungsländer generell zu.

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Von den Klimaverhandlungen in Doha sind keinerlei Fortschritte zu vermelden. Nun packen Klimaforscher weitere Schreckenszahlen aus. Sie könnten die Fronten zwischen Entwicklungs- und Industrieländern weiter verhärten.

Während der CO2-Ausstoss in Europa und den USA im vergangenen Jahr zurückgegangen ist, legte er in Schwellenländern wie China und Indien deutlich zu, wie ein internationales Forscherteam in den Fachmagazinen «Nature Climate Change» und «Earth System Science Data» am Sonntag berichtete.

Global stieg der CO2-Ausstoss 2011 demnach um drei Prozent auf 34,7 Milliarden Tonnen. Während China ein Plus von knapp zehn Prozent und Indien einen Zuwachs um 7,5 Prozent verzeichnete, sanken die Emissionen in der EU um 2,8 Prozent und in den USA um 1,8 Prozent. Als Vergleich gelten die Werte aus 2010.

Pro-Kopf-Austoss in China tiefer als in Europa

«Die andauernden wirtschaftlichen Probleme in den Industriestaaten haben die Emissionen reduziert. Der starke Emissionsanstieg in rasch wachsenden Volkswirtschaften wie China gleicht das aber mehr als aus», sagte Leitautor Glen Peters vom Klimaforschungsinstitut Cicero in Norwegen.

Pro Kopf lag der CO2-Ausstoss in China (6,6 Tonnen) etwa auf dem Niveau der EU (7,3). Das sei aber deutlich unter dem US-Level (17,2). In Indien lag der Pro-Kopf-Ausstoss bei 1,8 Tonnen.

Mehr als ein Viertel der globalen Emissionen gingen auf das Konto Chinas (28 Prozent). Damit ist das Land weltweit Klimasünder Nummer 1. Die USA waren für 16 Prozent des klimaschädlichen CO2-Ausstosses verantwortlich, die EU für elf Prozent, Indien für sieben Prozent.

«Gerechtigkeitsargument trifft nicht mehr zu»

«Hohe Emissionen in einigen Entwicklungsländern ändern stetig die globale Verteilung der Emissionen. Das Gerechtigkeitsargument, dass noch 1990 galt, trifft 2012 nicht mehr zu», sagte Peters. Damals hätten Entwicklungsländer noch 35 Prozent der globalen Emissionen verantwortet, 2011 seien es bereits 58 Prozent gewesen.

Die Zahlen kommen zu einem Zeitpunkt, da in Katar 194 Staaten bei der UNO-Klimakonferenz über die Zukunft des Klimaschutzes verhandeln. Entwicklungsländer fordern dabei von den Industriestaaten - die historisch gesehen die höchsten Emissionen seit Beginn der Industrialisierung zu verantworten haben - ihren Ausstoss von Kohlendioxid deutlich stärker zu senken.

Um das von den Staaten vereinbarte Zwei-Grad-Ziel zu erreichen, müssten die Top-Emittenten auf beiden Seiten ihren CO2-Ausstoss deutlich reduzieren, sagt Peters. Eine Erderwärmung um zwei Grad wird von Wissenschaftlern als gerade noch beherrschbar erachtet.

«Als würde niemand den Wissenschaftlern zuhören»

Laut der Studie steuert die Welt aber eher auf rund fünf Grad bis zum Jahr 2100 zu. Die Folgen wären katastrophal und würden den Meeresspiegel stark ansteigen lassen. Co-Autorin Corinne Le Quéré appellierte an die Verhandler in Doha, sich ehrgeizigere Ziele zu setzen. «Es ist, als würde niemand den Wissenschaftlern zuhören», sagte sie.

Für 2012 rechnen die Forscher mit einem weiteren Anstieg der Emissionen um 2,6 Prozent verglichen mit 2011.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rondiamci am 04.12.2012 12:26 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts wird sich ändern...

    China ist heute soweit, wie wir in Europa vor circa 50 Jahre. Hätte uns dazumals jemand gesagt, wir sollten auf die Umwelt Rücksicht nehmen... hätten wir das gemacht? Nein!

  • Paul Panter am 03.12.2012 12:18 Report Diesen Beitrag melden

    Die bösen Klimasünder

    Es sind wohl grosse westliche Unternehmen, welche in China und Indien ihre Niederlassungen haben, um billig produzieren zu können oder zu lassen. Das ökologische Bewusstsein endet offenbar an den Grenzen Europas und des nordamerianischen Kontinents. Als Verursacher der Klimaveränderung sollte man nicht auf China, Indien zeigen, wenn man die eigenen Umweltprobleme durch Kapitalexport in die Entwicklungsländer verlagert. Die Gier nach Profit wird keine konstruktiven Ergebnisse der Klimakonferenz zulassen.

  • René Widmer am 03.12.2012 11:27 Report Diesen Beitrag melden

    Wo kein Wille ist...

    Nur ganz wenige unter uns werden das Jahr 2100 erleben. Darum fehlt vielleicht die Motivation, etwas zu tun. Zudem sollten die Gesellschaftsvorbilder (Politiker, CEO's, Sportler, Filmstars etc etc.) mit gutem Beispiel voran gehen und auf Privatjets, grosse Autos mit hohem Benzinverbrauch, Luxuschalets als Zweitwohnungen etc. etc. verzichten. Das würde als positiven Nebeneffekt auch das "Abzocken" sinnlos machen. Aber wer will das schon?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Rondiamci am 04.12.2012 12:26 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts wird sich ändern...

    China ist heute soweit, wie wir in Europa vor circa 50 Jahre. Hätte uns dazumals jemand gesagt, wir sollten auf die Umwelt Rücksicht nehmen... hätten wir das gemacht? Nein!

  • Stefan am 03.12.2012 20:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlechtes Bild

    Das auf dem Bild sieht für mich wie ein Kühlturm eines Atomkraftwerkes aus. Was bedeutet das dies nur Wasserdampf ist finde ich sehr irreführend.

  • Fridolin Steiner am 03.12.2012 20:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bilder sollte man nicht falsch interpretieren 1

    War ja klar das wieder einmal das schlimmste Bild von China gezeigt wird. Aber wenn man noch nie in China war sollte man nicht jedes Bild so wahr nehemen wie es aussieht. Ausserdem ist China x-mal so gross wie die Schweiz und hat auch X-mal so viele Menschen. Da gibt es Städte die haben so viele Einwohner wie die Schweiz. Wenn ihr immer geglaubt habt das es eine grosse Menschenversammlung ist sobald das Hallenstadion gefüllt ist kennt ihr die restliche Welt nicht. Ich finde es einfach nicht richtig das immer China so schlecht dargestellt wird in der Sache Klima.

  • Saettigungspunkt am 03.12.2012 17:24 Report Diesen Beitrag melden

    Irgendwie logisch

    den die Chinesen koenne sich die Autos leisten welche noch in Europa produziert aber nicht mehr verkauft werden.

  • Jo Müller am 03.12.2012 13:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Corporate responsability

    Wer letzte Woche ARTE geschaut hat, hat ggf den Bericht über eine in der Schweiz ansässige Rohstoffhandelsfirma gesehen, welche in Afrika mehrere Kupferhütten unterhält und sich einen Deut um Umweltschutz kümmert obwohl die Gewinne das zulassen würden.