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Klima-Risiko-Index
27. November 2012 12:55; Akt: 27.11.2012 14:26 Print
Klimawandel trifft arme Länder am stärksten
Der Klima-Risiko-Index zeigt, welche Länder am stärksten von Naturkatastrophen getroffen wurden. Thailand führt die Liste an. 2011 war eines der schlimmsten Jahre, seit es den Index gibt.
Extreme Wetterphänomene wie Stürme oder Überschwemmungen haben im vergangenen Jahr laut einer Studie der Organisation Germanwatch vor allem Länder Asiens und Lateinamerikas getroffen. Angeführt wird der Klima-Risiko-Index 2013 von Thailand, Kambodscha und Pakistan.
Infografik Künstlicher RegenWas ist Smog?Grüner Gürtel quer durch Afrika Temperatur und Meeresspiegel steigen unvermindertDie Temperaturen klettern global seit 30 Jahren besonders schnell - und lassen sich von UNO-Konferenzen kaum aufhalten. Ursache ist hauptsächlich der Mensch.
«Die Sonnenaktivität zeigt keine Zunahme in dieser Zeit, sondern schwankt in einem Elf-Jahresrhythmus», sagt Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Er hat jüngste Daten internationaler Forscherteams zusammengefasst:
- In den vergangen zehn Jahren gab es fünfmal so viele Hitzewellen wie gewöhnlich.
- Die globale Temperatur ist seit Beginn der Industrialisierung um 0,8 Grad gestiegen. 2100 könnten es durch selbstverstärkende Effekte 4 Grad sein, in kommenden Jahrhunderten sogar 7 bis 8 Grad.
- Die arktische Meereisfläche war 2012 nur noch halb so gross wie in den 1970er Jahren. Sie schmilzt schneller als vom Weltklimarat vorhergesagt.
- Der Meeresspiegel ist seit 1880 um 20 Zentimeter gestiegen. Vor 100 Jahren stieg er im Schnitt um einen Millimeter pro Jahr, in den vergangen zwei Jahrzehnten waren es jährlich drei Millimeter.
- Das Grönlandeis kann bereits bei einer Erwärmung von 1,3 bis 2,3 Grad komplett schmelzen, was in den kommenden Jahrtausenden allein einen Meeresspiegelanstieg von 7 Metern verursachen würde.
- Die globale Erwärmung sollte möglichst unter 2 Grad gehalten werden, meint Rahmstorf. «Zwei Grad sind keine sichere Grenze.»
In allen drei Staaten hatte es 2011 schwere Überschwemmungen mit hunderten Toten gegeben. Auf der Liste der zehn am stärksten betroffenen Staaten folgten El Salvador, die Philippinen und Brasilien. Germanwatch stellte den Index am Dienstag am Rande des Weltklimagipfels in Doha vor.
Auf Platz sieben kamen die USA, die 2011 unter heftigen Tornados, hohen Temperaturen und einer Reihe schwerer Hurrikans litten. Mit einer Opferzahl von 844 lagen die USA hinter den Philippinen (1659 Tote), Brasilien (1013) und Thailand (892), aber vor Pakistan (585), Kambodscha (247) und El Salvador (35).
Die Schweiz lag mit 19 Todesopfern auf Platz 25. Deutschland rangierte auf Platz 46 (27 Tote), Österreich auf Platz 92 (2 Tote). Der Klima-Risiko-Index basiert massgeblich auf Daten des Rückversicherers Munich Re. Er bezieht unter anderem die Zahl der Toten pro 100'000 Einwohner sowie den wirtschaftlichen Schaden ein.
Ungewöhnliche Häufung 2011
Aufgrund einer ungewöhnlichen Häufung sehr schwerer Naturkatastrophen zählte 2011 laut Germanwatch zu den Jahren mit den höchsten Todeszahlen überhaupt.
Im Langzeitvergleich für die Zeit von 1992 bis 2011 wurde die Liste von Honduras angeführt, gefolgt von Burma, Nicaragua, Bangladesch und Haiti. Schon im Jahr zuvor hatten diese Länder zu den obersten fünf gehört.
Allerdings konnte sich Bangladesch im neusten Langzeitranking aus den Top-Drei verabschieden. Wesentlicher Grund seien die Bemühungen des armen Landes, sich für Extremwetter zu wappnen, schreiben die Studienautoren.
Bangladesch habe Frühwarnsysteme entwickelt, Kindern und Jugendlichen beigebracht, wie sie im Ernstfall reagieren müssen und Notfallpläne für die Evakuierung betroffener Regionen entwickelt, sagte Saleemul Huq, Klimaexperte aus Bangladesch.
Thailand rückte infolge der schweren Überschwemmungen 2011 im Langzeitvergleich vom 55. auf den 9. Platz auf. Die Schweiz belegte Platz 36. Deutschland lag auf Platz 37, Österreich auf Rang 57.
«Risiko durch Klimawandel wächst»
Experten fänden immer klarere Belege dafür, dass bestimmte Wetterphänomene Folgen des Klimawandels seien, heisst es im Klima- Risiko-Index. So sei etwa der Rekordsommer 2003 in Europa mit hoher Wahrscheinlichkeit eine solche Folge. «Das Risiko durch den Klimawandel wächst», sagte Studienautor Sven Harmeling.
Die Organisation betonte daher die Dringlichkeit, den Kampf gegen den Klimawandel zu verstärken, um den globalen Temperaturanstieg unter zwei Grad Celsius zu halten. Entwicklungsländer müssten zudem stärker finanziell dabei unterstützt werden, sich auf künftige Katastrophen vorzubereiten.
Insgesamt starben in den vergangenen 20 Jahren mehr als 530'000 Menschen als direkte Folge von nahezu 15'000 Wetterextremen. Nicht eingerechnet sind dabei Erdbeben oder Tsunamis, also Ereignisse, die nicht wetterbedingt und damit nicht im Zusammenhang mit dem Klimawandel stehen.
(sda)

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