Aus für Space Shuttle

17. Juli 2011 10:52; Akt: 04.08.2011 12:56 Print

Ein teures MissverständnisEin teures Missverständnis

von Peter Blunschi - Das Space Shuttle sollte die Raumfahrt revolutionieren: Billig, wieder verwendbar, wöchentliche Starts. Die Realität sah ganz anders aus, das Ende ist logisch.

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So stellte sich ein Nasa-Zeichner 1977 die Zukunft vor: Eine Raumstation, versorgt von einem Space Shuttle. (Bild: NASA Images)

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Der Traum von einem Raumschiff, das wie ein Flugzeug starten und landen und beliebig oft eingesetzt werden kann, ist mindestens so alt wie die Raumfahrt selbst. Nachdem die USA 1969 den Wettlauf mit der Sowjetunion zum Mond gewonnen hatten, setzte die Raumfahrtbehörde NASA voll auf das Projekt Space Shuttle. Mit ihm sollten Flüge ins All deutlich billiger und dadurch kommerzialisierbar werden.

Präsident Richard Nixon zögerte anfangs, denn die USA waren mit dem Vietnamkrieg und innenpolitischen Problemen genug beschäftigt. Doch im Vorfeld der Präsidentschaftswahl 1972 kam ihm die Schaffung von Arbeitsplätzen in den grossen Bundesstaaten Kalifornien und Texas gelegen. Deshalb gab Nixon grünes Licht für das Programm – auch weil das Militär Interesse daran bekundete, mit dem Shuttle Spionagesatelliten in die Erdumlaufbahn zu transportieren.

Kosten laufen aus dem Ruder

Im September 1975 wurde die erste flugfähige Raumfähre fertig gestellt. Aus Anlass der 200-Jahrfeier der Vereinigten Staaten im folgenden Jahr sollte sie «Constitution» (Verfassung) heissen, doch nach einer Kampagne von Star-Trek-Fans wurde sie auf den Namen «Enterprise» getauft. Sie war ein reiner Gleiter ohne Triebwerke – diese erwiesen sich als grosses Problem. Bei den Tests kam es immer wieder zu Rückschlägen.

Ohnehin liefen die viel zu knapp veranschlagten Kosten für das Shuttle-Programm bald aus dem Ruder. Die ursprünglich geplanten 10,5 Millionen Dollar pro Start erwiesen sich als unrealistisch. Damit wurde das Space Shuttle für kommerzielle Flüge immer unattraktiver. Also wurde gespart, und zwar auch bei der Sicherheit. Eine Crewkabine, die im Notfall abgetrennt werden kann, wurde aus Kostengründen ebenso verworfen wie Schleudersitze.

Militär steigt nach «Challenger» aus

Nach einer holprigen Entwicklungsphase kam es 1981 zum erfolgreichen Jungfernflug des Space Shuttles «Columbia». Doch da war der Traum von billigen Raumflügen bereits ebenso verflogen wie jener von wöchentlichen Shuttle-Starts. Im Rekordjahr 1985 gab es neun Missionen. Statt zehn dauerte es 67 Tage, bis die Raumfähre wieder flott gemacht werden konnte. Vor allem die Hitzeschutzkacheln waren ein beständiges Problem.

Die «Challenger»-Katastrophe vom 28. Januar 1986 zerstörte endgültig alle Illusionen. Das Militär stieg aus, obwohl es bereits eine eigene Startrampe auf der Luftwaffenbasis Vandenberg in Kalifornien gebaut hatte. Von nun an wurden Spionagesatelliten wieder mit Einwegraketen ins All spediert. Das Shuttle-Programm konnte danach durchaus Erfolge verzeichnen, etwa mit dem Weltraumteleskop Hubble und dem Bau der Raumstation ISS. Doch als 2003 mit der «Columbia» erneut eine Fähre explodierte, war sein Schicksal besiegelt.

Fünfmal teurer als Einwegrakete

Rückblickend kann das Space Shuttle als teures Missverständnis bezeichnet werden, eine faszinierende Idee, die an der Grenzen der Machbarkeit gescheitert ist. Eine Shuttle-Mission kostete am Ende rund 500 Millionen Dollar, fünfmal mehr als der Flug einer Einwegrakete mit gleicher Nutzlast. Für den Massentransport von Satelliten war die Fähre zu unzuverlässig, zu teuer und wohl auch zu gross. Denn die auf Drängen des Militärs beschlossene Nutzlast-Kapazität von 24,5 Tonnen wurde kaum ausgeschöpft.

Vielleicht aber ist das Space Shuttle einfach zu früh gekommen. Denn das Konzept bleibt zukunftsträchtig und dürfte künftige Generationen von Raumfahrzeugen beeinflussen. Der Italiener Roberto Vittori, der im Mai an Bord der «Endeavour» als letzter europäischer Astronaut einen Shuttle-Flug absolviert hat, sprach aus, was viele denken: «Das Shuttle ist nichts weniger als der Vater von allem, was in Zukunft fliegen wird.»

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  • Feynman am 21.07.2011 11:46 Report Diesen Beitrag melden

    Schwerelose Preise

    Ich finde, die Nasa war einfach eine zu grosse, wuchernde staatliche Organisation bei der der linke Arm kaum wusste, was der rechte machte. Einfach weil zwischen beiden mehrere hunder Kilometer gegraphische Distanz liegen. Von den Füssen ganz zu schweigen. Jetzt liegt die Hoffnung der Futuristen bei privaten, kompakten Unternehmen. Schliesslich kann kein Politiker behaupten, er könne im Weltraum die Bodenhaftung behalten.

    • Bananasplit am 23.07.2011 17:27 Report Diesen Beitrag melden

      Korrektur

      sorry du hast da was falsch verstanden. Nur die Shuttles werden abgeschafft und nicht die NASA insgesamt...

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  • Jamc am 18.07.2011 11:39 Report Diesen Beitrag melden

    Lieber

    mehr zahlen anstatt unsere nahe Umgebung in ein Schrottplatz umzuwandeln.

    • Manuel Beeler am 04.08.2011 23:02 Report Diesen Beitrag melden

      Warum überhaupt?!?

      Wäre es nicht besser, die sache ganz bleiben zu lassen? Eigentlich haben wir ja garnix davon, wenn irgendwelche Typis aufm Mond spazieren gehen, das Geld könnte man Tausendmal besser einsetzen, für Katastrophenhilfe, Entwiklungshilfe und alle anderen sehr zahlreichen Probleme der Menschheit!

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  • Martin Tschanz am 18.07.2011 10:39 Report Diesen Beitrag melden

    Zielloses Umherirren

    Ich finde dass es total am realistischen Ziele mangelt und die irrsinnigen Kosten dürfen wieder einmal mehr diejenigen tragen, die gar Nichts davon haben. Nämlich alle die nicht bei der Nasa arbeiten.;-) Faszinierend finde ich die Raumfahrt allemal, aber die "kurzfristigen" Ziele waren ja schon von Beginn an zu hoch gesetzt.

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