Pollenallergie

26. April 2010 15:19; Akt: 18.02.2011 12:44 Print

«Heuschnupfen kann zu Asthma werden»

von Runa Reinecke - Warum der Pollenflug für Allergiker nicht nur lästig, sondern auch gefährlich werden kann, erklärt ein Experte im Interview mit 20 Minuten Online.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Wer unter einer starken Pollenallergie leidet, sollte unbedingt etwas dagegen unternehmen. 20 Minuten Online sprach mit Arthur Helbling, dem leitenden Arzt in der Allergologie des Inselspitals in Bern über Heuschnupfen, die drohende Gefahr von Asthma und wie dem entgegengewirkt werden kann.

20 Minuten Online: Herr Helbling, stimmt es, dass sich die meisten Allergie-Symptome über einen längeren Zeitraum hinweg verschlimmern?
Arthur Helbling: Das ist korrekt. Im Laufe der Zeit kann sich aus einem simplen Heuschnupfen ein Asthma entwickeln. Das passiert bei rund einem Drittel. Zunächst manifestiert sich dieses Leiden saisonal.

Nach der Blütezeit erledigt sich das Problem also vorerst von selbst?
Je nach Verlauf kann es sich ausdehnen und plötzlich macht sich das Asthma auch bei körperlicher Anstrengung ausserhalb der Pollenzeit oder im Winter bei Kälte bemerkbar. Ferner ist die Pollenallergie auch Wegbereiter für eine Nahrungsmittelallergie im Jugend- und Erwachsenenalter.

Wie äusserst sich ein Asthma?
Asthma ist eine Entzündung des Lungengewebes, ausgelöst durch zum Beispiel Allergene wie Pollen. Diese Entzündung führt anfallsweise zu Luftnot, da sich die Atemwege verengen. Zudem wird mehr Schleim produziert. Durch die Verkrampfung der Bronchialmuskulatur bilden sich auch Schwellungen in der Bronchialschleimhaut. Wird der Prozess nicht mit Medikamenten behandelt, entwickelt sich im Verlaufe eine Überempfindlichkeit mit Atemnot auf Reizstoffe wie Parfum, Zigarettenrauch, Autoabgase, Stäube oder Gerüche.

Kann dem allergischen Asthma vorgebeugt werden? Wenn ja, wie sieht die Behandlung aus?
Ja, es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass durch eine spezifische Immuntherapie (De- oder Hyposensibilisierung) dem Etagenwechsel, also der Entwicklung zum Asthma, vorgebeugt werden kann. Aber diese Behandlung wirkt sich auch auf die Pollenallergie ganz allgemein günstig aus, indem die Beschwerden milder und dadurch auch weniger Medikamente eingenommen werden müssen.

Wie wichtig ist die medizinische Abklärung?
Wenn ich wissen will, welche Pollen die Beschwerden auslösen, dann braucht es eine Abklärung beim Arzt. Der Hausarzt macht in der Regel einen Bluttest. Stellt sich die Frage einer Desensibilisierung, dann sollte die Indikation zu dieser Therapie durch einen Allergologen gestellt werden. Dieser wird einen Hauttest durchführen und gezielt die auslösenden Pollenallergene bestimmen. Wenn aber nur leichte Symptome an wenigen Tagen (bis zu 2 Wochen) bestehen ist eine Abklärung nicht nötig.

Während sich bei den einen die Symptome über die Jahre verschlimmern, bessern sich die Beschwerden bei anderen oder verschwinden sogar …
Hier spielt die genetische Veranlagung eine Rolle. Ob jemand ein Asthma bekommt oder nicht, und ob er zusätzlich auch mit der Haut reagiert (z.B. Ekzeme um die Augen), ist schwierig vorauszusagen. Oft hat man in den Vorjahren bereits einige Erfahrungen gemacht. Für die Intensität der Pollenallergiebeschwerden spielt aber zweifellos auch die Umwelt (die Flora) und die Exposition eine wichtige Rolle.

Welcher Einfluss besteht durch die Wetterlage?
Akut treten die Symptome auf, wenn ich mich im Freien, in der Natur aufhalte, vor allem wenn es trocken und windig ist. Bei Regen verschwinden die Beschwerden meist rasch. Daher schätzen die Betroffenen in dieser Zeit den Regen. Wenn ich mich an Orten aufhalte, wo die Pflanzen nicht gerade blühen, dann sind meist auch keine Symptome da. Hier können Informationen zum aktuellen Pollenflug helfen.

Muss man selbst leichte Heuschnupfen-Symptome grundsätzlich ernst nehmen?
Ob jemand eine Behandlung benötigt, hängt vom Leidensdruck ab. Wenn die Symptome als störend wahrgenommen werden, dann soll man etwas dagegen unternehmen. Eine Pollenallergie kann einfach behandelt werden und da können auch die Apotheken bereits Hilfe anbieten. Wichtig ist, dass man sich frühzeitig entscheidet und nicht erst dann, wenn nach Tagen bedingt durch die Entzündungsreaktion die Schleimhäute angeschwollen sind. Falls die Beschwerden zunehmen, ist der Gang zum Hausarzt nötig.