Verschreibungs-Gefälle

26. August 2011 14:35; Akt: 26.08.2011 15:14 Print

«In Italien kennt man Ritalin nicht»

von Runa Reinecke - Im Tessin verschreiben Ärzte Kindern seltener Ritalin als in der Deutschschweiz. Eine Mentalitätsfrage? Ein Zürcher Psychiater sieht dafür andere Gründe.

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ADS belastet nicht nur die Kinder selbst.
(Bild: Colourbox)

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Die Krankenkasse Helsana verzeichnet einen Anstieg der Ritalin-Verordnungen für Kinder in der Deutschschweiz. Wie erklären Sie sich das?
Claudio Moretti:Die Gesellschaft verträgt weniger, verlangt aber mehr.
Manche Kinder sind überfordert, es wird ihnen zu viel abverlangt.

Eine globale Entwicklung?
Ein ADS-Bub, der in einem afrikanischen Land auf Ziegen aufpasst, leidet nicht oder weniger unter seiner Störung als ein Kind, von dem in der Schweiz ständig vollste Konzentration und Multitaskingfähigkeit verlangt wird.

Gibt es mehr ADS-Fälle als früher?
Die Kinder sind nicht schwieriger, die Toleranzschwelle ist aber niedriger geworden. Zudem wachsen die Kinder heute in einer reizüberfluteten Umgebung auf.

Im Tessin wird weniger Ritalin verschrieben. Eine Frage der Mentalität?
Das ist ein Faktor. Andererseits orientieren sich die Tessiner eher an Italien. Dort ist Ritalin bislang nicht bekannt und die kinderpsychiatrische Versorgung ist auch nicht so entwickelt wie in der nördlichen Schweiz. In Bezug auf die kinderpsychiatrische Versorgung hinkt Italien anderen Ländern Jahre hinterher.

Wann verschreiben Sie Ritalin?
Wenn ein Leidensdruck vorhanden ist, weil das Kind wegen des ADS schwere Lernprobleme hat oder durch massive Aggression oder starke Konzentrationsschwierigkeiten auffällt. Um das genau einschätzen zu können, bedarf es einer genauen Analyse bestehender Probleme und Symptome sowie einer Überprüfung der kognitiven Fähigkeiten. Ausserdem kann eine Blutanalyse wichtig sein, weil auch ein Defizit bestimmter Mineralstoffe und Vitamine zu einer Schwächung des Hirnstoffwechsels und somit zu Auffälligkeiten führen können.

Welche Nebenwirkungen können bei den Kindern auftreten?
Ritalin ist seit über 50 Jahren bekannt. Kein anderes Medikament ist so gut untersucht worden. Doch wie jede andere Arznei hat auch Ritalin Nebenwirkungen. Teils haben die Kinder Appetitminderung, andere werden noch nervöser als zuvor oder leiden unter Schlafstörungen. Treten solche Symptome auf, muss ein anderer Weg gesucht werden.

Gibt es ergänzende, beziehungsweise alternative Therapien?
Es gibt verschiedene apparative Trainings, zum Beispiel das Neurofeedback, der Brainboy und andere Methoden, die zusätzlich eingesetzt werden können.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Markus Müller am 26.08.2011 23:19 Report Diesen Beitrag melden

    Schockierend

    Ich finde es absolut schockierend, mit welcher Selbstgerechtigkeit hier Leute, die weder selbst betroffen sind, noch eine Ausbildung zum Thema haben, mit dem Finger auf die betroffenen Eltern zeigen! Sagen Sie jemandem, der Rheuma oder Krebs hat auch, er müsse sich halt besser ernähren und anständig leben, sonst sei er selbst Schuld? Natürlich könnten ADS-Betroffene ohne Ritalin leben. Dann bräuchten wir eine Schule, in der sich die Lehrpersonen viel Zeit für die Kinder nehmen könnten, um sie individuell zu betreuen.

  • TIFFANY am 29.08.2011 17:02 Report Diesen Beitrag melden

    ADHS

    Mir wird es richtig schlecht wenn ich eure Kommentare lessen. An alle die KEIN ADHS haben sollen einfach ruhig sein. Weil die einfach KEINE AHNUNG haben wie es ist wen man ADHS hat. Ich bin 18 Jahre alt und mit 12 hat man bei mir ADHS. Ich sollte als ich 12 war die Klasse wiederhollen weil mich in der Schule nicht konzentrieren konnte und daher meine Noten auch schlecht waren. Dann entdeckte man bei mir ADHS und ich nahm Ritalin, danach war ich eine der besten Schüler. Achja eure Kommentare von wegen Ritalin ist nicht gut und so hat überhaupt nichts mit diesen Thema zu tun.!

  • A. Giaco am 29.08.2011 07:30 Report Diesen Beitrag melden

    medikamente für kinder?

    ich bin kein experte und auch meine kinder sind sehr, sogar extrem lebendig. sie fordern von uns eltern alles ab, auch weil wir keinen compi und kein tv haben die unsere arbeit abnehmen. was mich erstaunt ist die tatsache dass viele die lösung in einem medi gefunden haben. medis sind ok, aber wenn sie regelmässig genommen werden? einem 6-jährigen kind täglich medis schlucken zu lassen finde ich grauenvoll. gibt es da wierklich keine alternative? ich als vater versuche es mit der guten alten "zeit". Viel zeit für meine kinder!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter am 10.09.2011 10:02 Report Diesen Beitrag melden

    Nervenschädigung

    Parkinson, Polyneuropathie,... sind mögliche Folgen von regelmässigem Amphetaminkonsum (Ritalin, Speed, ...). Ich verstehe, dass unter gewissen Umständen dieses (meines Wissens nicht genau spezifizierte) Risiko eingegangen wird.

    • Forscher am 12.09.2011 10:33 Report Diesen Beitrag melden

      DAS STIMMT NICHT!

      Das wurde bereits revidiert, sorry, aber da sind Sie nicht auf dem aktuellen Stand.

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  • FadeToGrey am 30.08.2011 12:59 Report Diesen Beitrag melden

    immer nur Kinder ?

    Es gibt einen Bericht, in dem ein Erwachsener Ritalin eine Woche testweise nimmt. Plötzlich ist er top konzentriert focusiert etc. kann besser arbeiten. Ich denke da gibts viele die das Zeug zum arbeiten nehmen und den verschreibenden Arzt hinters Licht führen.

  • Die Weise am 30.08.2011 12:16 Report Diesen Beitrag melden

    Indig- und Kristallkinder

    ADS bzw. ADHS oder einfach besondere Kinder mit besonderen Fähigkeiten??

    • Susanne am 30.08.2011 14:00 Report Diesen Beitrag melden

      Schwachsinn:

      Wer glaubt bloss an diese Story??? Nein, die ADHS-Kinder haben eine Entwicklungsstörung, Hirnschädigung oder sogar vererbbare Verzögerung von Aufnahmefähigkeit und Konzentration. Schön doof, wenn betroffene Kinder auch noch falsch informierte Eltern haben, anstatt, dass sie optimal nach neuesten Kenntnissen behandelt und begleitet werden.

    • Die Weise am 31.08.2011 08:30 Report Diesen Beitrag melden

      Wach auf Susanne

      An diese Story glauben sehr viele! Ich bin jahrgang 84ig und viele in meinem alter und vor allem jüngere glauben an das, weil sie selber fühlen, dass sie so sind und sich auch wiederfinden konnten, das es wahr ist. Hirnschädigung...?? ICh hatte auch ADHS und heute?? ist alles weg, mir geht es gut, ich kann mich konzentrieren.. es muss einfach abwechslungsreich sein. Wo ist da nun mein Hirnschaden geblieben? mhh? Ach ja und Ritalin gabs bei mir nicht... und jaaa ich lebe noch und bin auch gross geworden!

    • Susanne am 31.08.2011 18:56 Report Diesen Beitrag melden

      Glauben ist nicht Wissen

      Mit 27 Jahren können Sie unmöglich schon WEISE sein. Heute wird an jeglichen Schwachsinn geglaubt, ob Esotherik oder Alternativmethoden, welche nonstop NEU aus den Büschen kommt. Sogar Sekten nützen die Gutgläubigkeit für solche Zwecke aus, wie z.B. Sienctologie, welche vehement gegen Ritalin wettert, aber dies hat ALLES NICHTS mit Wissen zu tun!!!

    • Die Weise am 01.09.2011 08:10 Report Diesen Beitrag melden

      das ist mein wissen

      Naja ich glaube an Inkarnation seit ich klein bin, von demher hat sich das mit dem Alter für mich erledigt. Die Sekten sind mir egal und gutgläubig bin ich nicht. ich habe auf jeden Fall mit meiner "schwachsinnigen" Methode mein ADHS in den Griff bekommen und ich bin nicht die Einzige. Anstatt von Anfang an alles zu verurteilen, würden sie lieber mal etwas ausprobieren. Ich wettere nicht gegen Ritalin, ich will den Betroffenen einfach sagen, dass es auch andere Wege gibt und man alles ausprobieren soll, bevor man Ritalin schluckt.

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  • TIFFANY am 29.08.2011 17:02 Report Diesen Beitrag melden

    ADHS

    Mir wird es richtig schlecht wenn ich eure Kommentare lessen. An alle die KEIN ADHS haben sollen einfach ruhig sein. Weil die einfach KEINE AHNUNG haben wie es ist wen man ADHS hat. Ich bin 18 Jahre alt und mit 12 hat man bei mir ADHS. Ich sollte als ich 12 war die Klasse wiederhollen weil mich in der Schule nicht konzentrieren konnte und daher meine Noten auch schlecht waren. Dann entdeckte man bei mir ADHS und ich nahm Ritalin, danach war ich eine der besten Schüler. Achja eure Kommentare von wegen Ritalin ist nicht gut und so hat überhaupt nichts mit diesen Thema zu tun.!

  • Lukas Huber am 29.08.2011 11:59 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte keine Schwarz-Weiss-Malerei!

    Als Vater eines betroffenen Kindes stelle ich fest, dass ADS / ADHS heute ziemlich schnell diagnostiziert wird (für mich nicht überzeugend), und dass Ritalin empfohlen wird, ohne andere Möglichkeiten zu prüfen. Wir haben uns bisher dagegen entschieden und klären zusammen mit dem Kinder- und Jugendpsychologischen Dienst andere Möglichkeiten ab. Dabei geht es insb. darum, ob und wie das Kind in der Schule zurecht kommt, und wie es ihm dabei geht - wir Eltern kommen erst in 2. Priorität. Ritalin einfach schlecht zu machen, ist aber auch nicht hilfreich.