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Olympia 2008
22. August 2008 14:29; Akt: 22.08.2008 14:41 Print
Insulin-Doping: Der heimliche Renner in Peking?
von Runa Reinecke - Die von Experten erwartete Massenenttarnung gedopter Sportler blieb bei den Olympischen Spielen bislang aus. Grund dafür könnte sein, dass wichtige Testverfahren nicht zum Einsatz kommen. 20 Minuten Online sprach mit Experten.
Noch vor Beginn der Olympischen Spiele glaubte er an eine wahre Flut von positiven Dopingkontrollen: Jacques Rogge, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Doch Rogges Prophezeiung bewahrheitete sich - zumindest bis jetzt - nicht.
Sah nach vollbrachter sportlicher Höchstleistung immer «frisch» aus: Der US-Schwimmer Michael Phelps. (Bild: Reuters)
Prof. Mario Thevis entwickelte einen Insulin-Dopingtest.
Spitzenleistungen mit Hilfe von «Doping-Schlupflöchern»?
Bezeichnend war, was der IOC-Präsident während eines Interviews mit dem deutschen TV-Sender ZDF eingestand: «Ich gebe zu, dass es Schlupflöcher im Kampf gegen Doping gibt». Eines dieser «Schlupflöcher» dürfte das Insulin-Doping sein. Dabei gibt es ein Testverfahren, mit dem Insulin-Doping nachgewiesen werden kann. Es wurde im vergangenen Jahr im Anti-Doping-Labor der Sporthochschule Köln unter der Leitung von Prof. Dr. Marion Thevis entwickelt.
Insulin: Den Kranken hilfts, den Gesunden auch
Insulin ist ein lebenswichtiges Hormon, das bei gesunden Menschen in ausreichender Menge von der Bauchspeicheldrüse zur Regulierung des Blutzuckerspiegels gebildet wird. Bei Diabetikern ist dieser Ablauf gestört: Deshalb müssen sich viele Zuckerkranke das Insulin regelmässig selbst injizieren.
Gesunde Leistungssportler profitieren bei Zugabe von Insulin vor allem von einer kürzeren Regenerationszeit. Das könnte wiederum erklären, warum beispielsweise Schwimmer während der Spiele nach ihren kräftezehrenden Wettkämpfen verhältnismässig frisch wirkten.
Bleibt die Frage, ob die Athleten in Peking auf Insulin getestet werden. «Nein», meint Martial Saugy, Leiter des Schweizerischen Dopinglabors in Lausanne auf Anfrage von 20 Minuten Online und erklärt: «Diese Tests sind gerade erst von einem Labor in Deutschland entwickelt worden und noch nicht allgemein anerkannt. Daher kommen sie in Peking nicht zur Anwendung. Der Missbrauch von Insulin ist ohnehin nicht sehr verbreitet. Wenn überhaupt, wird es nur zusammen mit anderen Substanzen gespritzt, die sich besser nachweisen lassen.»
Professor Mario Thevis, Entwickler des Insulin-Tests und derzeit in Peking als sogenannter «External Expert» mit der Auswertung und Analyse bestimmter Substanzen betraut, zeigt sich über Saugys Äusserung verblüfft: «Diese Aussage kann ich nicht grundsätzlich bestätigen. Es ist bekannt, dass viele geständige Sportler Insulin zu Dopingzwecken missbraucht haben», sagt Thevis. Doch der Experte stimmt der Aussage Saugys zu, dass Insulin gerne mit anderen Stoffen wie Wachstumshormonen kombiniert wird. Aber auch als alleinig verabreichtes Medikament hätte Insulin einen positiven Effekt auf die Leistungsfähigkeit eines Athleten.
Auf die Frage, ob das neue Verfahren in Peking angewendet wird oder nicht, gab sich Thevis im Gegensatz zu seinem Schweizer Kollegen eher bedeckt.


























