Neue Studie

12. Juni 2013 15:28; Akt: 12.06.2013 16:11 Print

Weichmacher schwächt Zahnschmelz

Die Chemikalie Bisphenol A, mit der Kunststoffe formbar gemacht werden, steht bereits im Verdacht, diverse Gesundheitsprobleme zu verursachen. Nun soll sie auch für schlechte Zähne verantwortlich sein.

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Mögliche Folge: Zahnschmelz entwickelt sich bei Kindern nicht richtig. (Bild: colourbox)

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Übergewicht, Unfruchtbarkeit und Herz-Kreislauf-Probleme: Leiden wie diese sollen auf das Konto des Weichmachers Bisphenol A (BPA) gehen. Nun kommen französische Forscher zum Schluss, dass die Chemikalie, die in Haushaltsgegenständen, Behältern und Nahrungsmittel-Verpackungen verwendet wird, auch für schlechte Zähne verantwortlich sein könnte.

BPA ist im Körper von über 95 Prozent aller Menschen nachweisbar, wie der Onlinedienst wissenschaft.de schreibt. In den vergangenen Jahren mehrten Tierstudien die Bedenken, dass die hormonähnliche Substanz bereits in geringen Dosen unerwünschte Wirkungen haben könnte.

Eine weitere, bislang unbekannte Folge könnte sein, dass sich bei Kindern der Zahnschmelz nicht richtig entwickle, berichten Forschende um Katia Jedeon von der Université Paris-Descartes im «American Journal of Pathology». Sie vermuten einen Zusammenhang von BPA mit einer Störung namens Molar-Incisor-Hypomineralisation (MIH).

Dabei treten an Schneide- und Backenzähnen Flecken auf und der Zahnschmelz wird brüchig. Die Zähne sind schmerzempfindlich und kariesanfällig. Je nach Geburtsjahr sind drei bis 20 Prozent aller Kinder betroffen. Die Ursachen seien unbekannt, schreiben die Forscher. Doch gerade in den ersten Lebensmonaten, wenn sich der Zahnschmelz bildet, seien Kinder besonders anfällig für die Effekte von BPA und die Konzentration in ihren Körpern hoch.

Schäden schon bei tiefen Dosen

Tatsächlich fanden die Forschenden bei Ratten, die vor und kurz nach der Geburt BPA ausgesetzt waren, weisse Flecken und brüchige Kanten auf den Zähnen. Die Schäden, die bei drei von vier Ratten auftraten, entsprachen denen beim Menschen – zu wenig Mineralien und zu viel organische Substanz. Sie hatten BPA-Konzentrationen eingesetzt, die zehnmal tiefer waren als die Grenzwerte der Europäischen Union.

In weiteren Tests orteten die Forschenden den möglichen Grund: Zur Bildung des Zahnschmelzes wird zuerst eine Art Proteingerüst aufgebaut, auf dem sich die Mineralien ablagern. Dann werden diese Eiweisse wieder abgebaut, damit sich der feste Schmelz durch Kristallisation bilden kann.

Gestörte Kristallisation

Das Bisphenol A sorgt offenbar für einen Proteinüberschuss im ersten Stadium und behindert zudem das Abbau-System. Dadurch werden die Proteine nicht sorgfältig genug entfernt und stören die Kristallisation. Die Folge sei der weiche, brüchige Zahnschmelz, der typisch für MIH ist, schreiben die Forschenden.

Die genaue Wirkungsweise müsse als Nächstes getestet werden, erklärten sie. Zudem stehe der endgültige Nachweis des Zusammenhangs zwischen BPA und MIH beim Menschen noch aus. Die Methode ermögliche es jedoch, auch bei Erwachsenen auf eine mögliche BPA-Exposition in den ersten Lebensmonaten zu schliessen – denn der Zahnschmelz fungiere wie eine Art lebenslanges Archiv.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • effe am 12.06.2013 15:41 Report Diesen Beitrag melden

    wenn pharmariesen...

    in der Nahrungsmittelindustrie mitspielen.. gibts halt solche resultate.

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  • eva.53 am 14.06.2013 16:14 Report Diesen Beitrag melden

    Besorgniserregend!

    Im April 2008 hatte Kanada als erstes Land BPA offiziell als gesundheitsschädlich eingestuft und die Verwendung von BPA für Babyflaschen verboten. BPA-haltige Babyfläschchen wurden darauf von führenden Supermarktketten aus den Regalen genommen. Durch behördliche Untersuchungen wurde 2009 aufgedeckt, dass BPA-haltige Produkte als BPA-frei deklariert wurden. Nicht so in der Schweiz: Einnahme von Bisphenol A durch Lebensmittel kein Risiko für den Konsumenten darstellt. Dies gilt auch für Neugeborene und Säuglinge. lest mehr unter Wikipedia.org

  • Erik am 12.06.2013 17:39 Report Diesen Beitrag melden

    Weichmacher Bisphenol A

    Die Wissenschaft sagt, dass mit Weichmachern erseuchten bei Reptilien die Männchen unfruchtbar werden und die Weibchen zu weiche Eier legen. BPA wirke als künstliches Hormon und verweibliche auch Menschen. (Fast) gut für die Frauen. Viele Wissenschaftler sehen den Begriff "Weichmacher" auch in Bezug auf den Gassen- und Machowortgebrauch (ja, die Kronjuwelen mit Rüssel) durchaus treffend und bildlich zutreffend gewählt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • eva.53 am 14.06.2013 16:30 Report Diesen Beitrag melden

    BPA macht krank!!

    Allen wissenschaftlichen Studien zum Trotz wurde BPA bis heute in der EU nicht verboten. Am gefährlichsten sind die sogenannten Wandergifte, wie Phtalate. Sie machen die Verpackung weich und geschmeidig, wirken nebenbei aber wie Hormone. Als Folge werden immer mehr Männer unfruchtbar. Zu finden sind die Gifte in Nuss-Nougat-Cremes, Milch, Öl, Pesto-Soßen, Fertigprodukten und sogar im folienverpackten Fleisch und Obst. Weichmacher und Plastikverpackungen kommen aus China.die EU-Kontrollorgane schützen den Verbraucher nicht ausreichend gegen das tägliche Gift aus der Verpackung

  • eva.53 am 14.06.2013 16:28 Report Diesen Beitrag melden

    Danke Redaktion gut zu Wissen!

    Von Shanghai über Toulouse bis nach Hamburg-der Verbraucher kann in vielen Supermärkten auf der Welt die gleichen Produkte kaufen, alles luftdicht verpackt und lange haltbar. Doch kaum ein Kunde ahnt, dass sich in den Verpackungen gefährliche Schadstoffe verstecken, die in die Nahrungsmittel wandern. Ob Weichmacher, giftige Druckfarben oder sogenannte Trocknungsbeschleuniger - die größte Verunreinigung von Lebensmitteln entsteht durch Verpackungen. So lässt sich in harten Plastikschalen und Dosen der hormonähnliche Stoff BPA nachweisen, der Herzkrankheiten auslösen und das Immunsystem schädigt

  • eva.53 am 14.06.2013 16:14 Report Diesen Beitrag melden

    Besorgniserregend!

    Im April 2008 hatte Kanada als erstes Land BPA offiziell als gesundheitsschädlich eingestuft und die Verwendung von BPA für Babyflaschen verboten. BPA-haltige Babyfläschchen wurden darauf von führenden Supermarktketten aus den Regalen genommen. Durch behördliche Untersuchungen wurde 2009 aufgedeckt, dass BPA-haltige Produkte als BPA-frei deklariert wurden. Nicht so in der Schweiz: Einnahme von Bisphenol A durch Lebensmittel kein Risiko für den Konsumenten darstellt. Dies gilt auch für Neugeborene und Säuglinge. lest mehr unter Wikipedia.org

  • Erik am 12.06.2013 17:39 Report Diesen Beitrag melden

    Weichmacher Bisphenol A

    Die Wissenschaft sagt, dass mit Weichmachern erseuchten bei Reptilien die Männchen unfruchtbar werden und die Weibchen zu weiche Eier legen. BPA wirke als künstliches Hormon und verweibliche auch Menschen. (Fast) gut für die Frauen. Viele Wissenschaftler sehen den Begriff "Weichmacher" auch in Bezug auf den Gassen- und Machowortgebrauch (ja, die Kronjuwelen mit Rüssel) durchaus treffend und bildlich zutreffend gewählt.

    • eva.53 am 14.06.2013 16:33 Report Diesen Beitrag melden

      Interessiert auf mehr Wissen?

      hier: Hauptsache haltbar, Dokumentarfilm von Inge Altemeier und Reinhard Hornung, 2010, 30 Min. Unser täglich Gift, Dokumentarfilm von Marie Monique Robin, Koproduktion von Arte France und INA, Frankreich 2010, 113 Min.

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  • Markus W. am 12.06.2013 17:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Systemfehler

    Gibt viele Länder wie z.b Australien die Strenge Regeln bezüglich BPA aufgestellt haben. Haltung der Schweiz: besser BPA benutzen dessen Risiken (höchstens Ansatzweise!) Bekannt sind, als auf Stoffe ausweichen welche völlig unbekannt sind ( lies hier: arme Kunststoffindustrie, denen können wir doch nicht noch mehr Forschungskosten aufbürden; brauchen die Kohle für die Managerboni). Der Hammer ist: Die, welche etwas tun könnten, nämlich die Parlamentarier.. Die sitzen in den Verwaltungsräten ebendieser Firmen! Als müssten Drogendealer das Betäubungsmittelgesetz überarbeiten... Ironie?