Trimethylaminurie

30. April 2017 21:39; Akt: 01.05.2017 02:07 Print

Britin stinkt trotz Dusche immer nach Fisch

Kelly Fidoe-White hat ein Problem, das niemand ignorieren kann: Sie riecht nach vergammeltem Fisch. Schuld daran ist eine Stoffwechselkrankheit.

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Dass eine Frau nach Fisch riecht, ist ein gängiger und äusserst schlechter Witz. Doch für Kelly Fidoe-White aus Grossbritannien ist das tatsächlich Alltag: Sie stinkt nach altem Fisch – egal, was sie dagegen unternimmt. Schuld an ihrem ungewöhnlichen Problem ist die seltene Stoffwechselerkrankung Trimethylaminurie, auch Fisch-Odor-Syndrom genannt. Den Betroffenen fehlt ein Enzym, das bei Gesunden den Stoff Trimethylamid abbaut. Dieser entsteht im Körper, wenn man Cholin, Carnitin oder Trimethylaminoxid aufnimmt. Die Substanzen sind in zahlreichen Lebensmitteln wie Eiern, Weizenvollkorn, Leber, Sojabohnen (Bild) und Salzwasserfisch enthalten. Normalerweise wird dieser Stoff in der Leber oxidiert und so geruchlos gemacht. Nicht aber bei Trimethylaminurie-Patienten: Sie sondern ihn über Körperflüssigkeiten wie Schweiss und Urin ab. Auch der Atem kann in Mitleidenschaft gezogen werden. Kelly Fidoe-White leidet seit ihrer Kindheit unter dem penetranten Geruch. Dieser machte ihr schwer zu schaffen. Den Anfeindungen ihrer Mitschüler begegnete sie stets mit Ausreden: «Es kam häufiger vor, dass ich sagte: Ich hatte Fischbrötchen zum Mittagessen», erinnert sie sich. Heilbar ist Trimethylaminurie nicht, sie lässt sich nur lindern – mit einer Diät, bei der die Lebensmittel gemieden werden, die die Trimethylamid-Vorstufen enthalten. Fidoe-White nimmt zudem noch «einen Cocktail an Medikamenten zu sich». Allerdings ist unklar, ob diese auch wirklich helfen. Mehr noch als unter dem Geruch leidet die Britin unter der damit zusammenhängenden Isolation. Um andere Menschen nicht zu belästigen, arbeitet sie ausschliesslich nachts – als Radiologin in einem Spital. Trotzdem hat es schon mehrere Beschwerden wegen ihres Körpergeruchs gegeben, erzählt ihr Kollege Faysal Bashir: «Das ist schwierig, denn Kelly ist eine gute Freundin von mir.» Was Fidoe-White hilft, ist die Liebe von ihrem Mann Michael: «Er hat mich dazu gebracht, das Ganze leichter zu nehmen.» Inzwischen könne sie mit ihrer Krankheit entspannter umgehen. Statt sich zurückzuziehen, begegne sie Beschwerden heute mit Aufklärung. So hat sie die Facebook-Gruppe «Never Be Alone» gegründet, in der sie auch anderen Betroffenen helfen möchte.

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Hygiene ist für Kelly Fidoe-White aus dem britischen Oldham schon von Berufs wegen wichtig. Sie arbeitet im Spital. Doch die Radiologin muss sich häufiger waschen als andere Menschen. Sie stinkt nämlich nach altem Fisch – egal, was sie unternimmt.

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Der penetrante Geruch begleitete sie von Kindesbeinen an und machte ihr schon damals schwer zu schaffen, denn überdecken liess sich dieser nicht.

Ausreden um Ausreden

Den Anfeindungen ihrer Mitschüler begegnete Fidoe-White stets mit Ausreden: «Es kam häufiger vor, dass ich sagte: ‹Ich hatte Fischbrötchen zum Mittagessen›», erzählt sie im Interview mit «Barcroft TV». Trotzdem wurde sie gemobbt.

Deshalb wusch sie sich wie eine Verrückte: «Ich verbrachte wahnsinnig viel Zeit unter der heissen Dusche und schrubbte mich so lange, bis meine Haut ganz rot war», erinnert sich Fidoe-White. Der Geruch ging dennoch nicht weg.

Fehlendes Enzym

Schuld an ihrem ungewöhnlichen Problem ist eine seltene Stoffwechselerkrankung, die sogenannte Trimethylaminurie, auch Fisch-Odor-Syndrom genannt.

Diese geht auf einen Gendefekt zurück: Den Betroffenen fehlt ein Enzym, das bei Gesunden den Stoff Trimethylamid abbaut. Dieser entsteht im menschlichen Körper, wenn dieser Cholin, Carnitin oder Trimethylaminoxid aufnimmt. Die Substanzen sind in zahlreichen Lebensmitteln wie Eiern, Weizenvollkorn, Leber, Sojabohnen und Salzwasserfisch enthalten.

Normalerweise wird dieser in der Leber oxidiert und so geruchlos gemacht. Nicht aber bei Trimethylaminurie-Patienten: Sie sondern ihn über Körperflüssigkeiten wie Schweiss und Urin ab. Auch der Atem kann in Mitleidenschaft gezogen werden.

Keine Heilung möglich

Die Erkrankung ist selten. Weltweit leiden lediglich 300 bis 600 Menschen darunter. Das Fisch-Odor-Syndrom wird häufiger bei Frauen diagnostiziert, da sie sich durch die Symptome stärker eingeschränkt fühlen als Männer.

Heilbar ist Trimethylaminurie nicht. Die einzige Möglichkeit, die Symptome in Schach zu halten, besteht darin, Diät zu halten und jene Lebensmittel zu meiden, welche die Trimethylamid-Vorstufen enthalten. Fidoe-White nimmt zudem noch «einen Cocktail an Medikamenten zu sich». Allerdings wissen weder sie noch ihre Ärzte, ob diese auch wirklich helfen.

Aufklärung statt Rückzug

Mehr noch als unter dem Geruch leidet die Britin unter der damit zusammenhängenden Isolation. Um andere Menschen nicht zu belästigen, arbeitet sie ausschliesslich nachts. Trotzdem hat es schon mehrere Beschwerden wegen ihres Körpergeruchs gegeben, erzählt ihr Kollege Faysal Bashir. «Das ist schwierig, denn Kelly ist eine gute Freundin von mir.»

Was Fidoe-White hilft, ist die Liebe von ihrem Mann Michael: «Er hat mich dazu gebracht, das Ganze leichter zu nehmen.» Inzwischen könne sie mit ihrer Krankheit entspannter umgehen. Statt sich zurückzuziehen, begegne sie Beschwerden heute mit Aufklärung.


Trimethylaminurie ist sehr selten. (Video: Youtube/Barcroft TV)

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • LalaUS am 01.05.2017 04:44 Report Diesen Beitrag melden

    Schlimm

    Die arme Frau. Das nächste Mal wenn jemand stinkt, werde ich nicht all zu voreilig urteilen. Muss schlimm sein für die Betroffenen.

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  • Mani am 01.05.2017 08:05 Report Diesen Beitrag melden

    Mein Beileid

    So etwas zu lesen, macht einen betroffen. Sie tut mir echt leid. Muss ein hartes Leben sein.

  • Mikymela am 30.04.2017 23:20 Report Diesen Beitrag melden

    Ohje :-(

    Ohje die arme.. es gibt schon seltsame Krankheiten. Da behalte ich gerne meine Vitiligoflecken :-/

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Simone A am 01.05.2017 11:50 Report Diesen Beitrag melden

    Kenne ich

    Ich kann mitfühlen. Ich habe das selbe Problem. Leider gibt es keine Lösung dagegen. Bei mir wurde auf jeden Fall noch nichts gefunden. Für mich ist es auch schwierig einen Mann zu finden, daher stürze ich mich ganz in meine Arbeit. Ich arbeite bis 16 Stunden am Tag. Habe mein eigenes Büro so störe ich niemanden mit meinem Gestank. Hoffe aber immer noch auf ein Wunder.

  • Frau B am 01.05.2017 10:51 Report Diesen Beitrag melden

    Intimgeruch

    Wenn eine Frau im Intimbereich nach Fisch riecht gehört sie zum Arzt. Das ist kein schlechter Witz wie bei Bild eins beschrieben sondern eine ernstzunehmene Angelegenheit welche kurz medikamentös behandelt werden kann. Und, liebe Männer: kann auch euch treffen!

  • Anonym am 01.05.2017 10:28 Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Da merkt man einmal mehr wie "glücklich" man Ein sollte das man "nur" Diabetes hat... Damit kann man wenigstens Leben ohne ein Opfer der heutzutage leider viel zu oberflächlichen Gesellschaft zu werden...

    • FernLeser am 01.05.2017 11:08 Report Diesen Beitrag melden

      Zeitlos

      Das hat rein garnichts mit Heutzutage zu tun. Intolerante Menschen die auf allen die anders sind rumhacken, waren immer da. Die werden wohl auch noch eine Weile bleiben.

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  • Gregor R. am 01.05.2017 10:24 Report Diesen Beitrag melden

    In meinem nächstem Leben...

    In meinem nächstem Leben werde ich ein Fisch, denn merke ich nicht, wenns fischelet!

  • Celine B am 01.05.2017 10:20 Report Diesen Beitrag melden

    Empathie?

    Gewisse Kommentare hier sind wirklich Grenzwertig, die Arme Frau! Man muss sehr stark sein so durchs Leben zu gehen. Ich wüsste nicht ob ich in dieser Situation diese Stärke aufweisen könnte. Ich denke all diese Oberflächlichen Kommentatoren hier wären zu schwach mit so einer Krankheit und dem jahrelangen Mobbing zu leben.

    • Tina am 01.05.2017 11:17 Report Diesen Beitrag melden

      @Celine

      Finde ich auch. Diese Frau ist Radiologin/ Ärztin. Wenns Medikamente gäbe oder Abnehmen helfen würde, wüsste sie es schon.

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