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Medizin
25. April 2011 19:00; Akt: 19.12.2011 12:09 Print
Schlüsselfaktor für MS entdeckt
Zürcher Forscher sind dem Geheimnis, weshalb die Autoimmunerkrankung Multiple Sklerose bei Menschen ausbrechen kann, einen Schritt näher gekommen.
Forscher der Universität Zürich haben einen Schlüsselfaktor für die Entstehung der Multiplen Sklerose entdeckt. Ohne den Botenstoff GM-CSF bricht die Krankheit gar nicht aus, zumindest bei Mäusen. Noch in diesem Jahr beginnt eine Studie bei Menschen.
Stichwort Multiple Sklerose (MS)Die Gründe für das Auftreten der Autoimmunerkrankung sind bisher unklar. In der Schweiz sind rund 10 000 Menschen von MS betroffen. Obwohl weltweit an wirksamen Medikamenten zur Heilung der MS geforscht wird, kann bisher nur der Verlauf der Krankheit begünstigt werden.
Zu Beginn der Erkrankung verläuft die MS meist in Schüben, bei denen das Immunsystem die Nervenstränge angreift. Das Myelin - die Isolationsschicht der Nerven - wird durch Entzündungsherde im Gehirn oder dem Rückenmark punktuell abgetragen. Die Leitfähigkeit der darunterliegenden Nerven wird angegriffen oder sogar zerstört. Diese Herde - auch Läsionen genannt - können sich beim Betroffenen mittels unterschiedlichster Symptome äussern: Besonders häufig kommt es zu Sehstörungen oder Erblindung, Sensibilitätsstörungen oder Lähmungen der Extremitäten. Oft erfahren die Patienten wenige Wochen nach Auftreten des Symptoms eine deutliche Besserung oder sogar eine vollständige Ausheilung des Schubes.
Bisher kann nur in den Verlauf einer Multiplen Sklerose eingegriffen werden. Hierfür stehen dem Patienten Medikamente (Immunsuppressiva) zur Verfügung, die das fehlgeleitete Immunsystem, das den eigenen Körper angreift, regulieren. Kortison (meist in Form einer hochdosierten Infusion) soll dazu beitragen, dass ein akuter Schub verkürzt wird. (rre)
Multiple Sklerose (MS) ist wie rheumatische Arthritis oder Diabetes Typ 1 eine so genannte Autoimmunerkrankung. Das Immunsystem greift dabei versehentlich den eigenen Körper an. Zellen, die eigentlich schädliche Mikroorganismen aufspüren und abtöten sollen, attackieren das zentrale Nervensystem.
Forscher und Ärzte versuchen schon lange herauszufinden, welche Immunzellen es genau sind, die bei Autoimmunkrankheiten aus dem Ruder laufen, wie die Universität Zürich mitteilte. Auch der von den Immunzellen ausgeschiedene Botenstoff, der die Entzündung in Hirn und Rückenmark von MS-Patienten auslöst, war bislang unbekannt.
Sechs Jahre probiert
Nun hat ein Team um den Zürcher Immunologen Burkhard Becher einen Botenstoff gefunden, ohne den MS gar nicht ausbrechen kann. Die Wissenschaftler hatten bei genetisch veränderten Mäusen sechs Jahre lang per Eliminierungsverfahren nach dem Faktor gesucht - viele mögliche Botenstoffe mussten sie dabei von ihrer Liste streichen.
Fündig wurden die Forscher beim Botenstoff GM-CSF, wie sie im Fachmagazin «Nature Immunology» berichten. «Bei Mäusen ohne GM-CSF konnte die MS-ähnliche Krankheit gar nicht entstehen», wird Becher in der Mitteilung zitiert. Und wenn die Forscher den Botenstoff in kranken Mäusen neutralisierten, wurden diese sogar geheilt.
Die Studie zeigte, dass GM-CSF im Verlauf der Entzündung ins Gehirn gebracht wird und dort gewebeschädigende Fresszellen auf den Platz ruft. Ohne derartige Fresszellen könne die Entzündung gar nicht erst richtig in Gang kommen, sagte Becher. Im Gegensatz zu allen anderen bisher untersuchten Botenstoffen ist GM-CSF deshalb für die Krankheitsentstehung unabdingbar.
MS-Studie läuft bald
Das wollen die Forscher nun ausnutzen, um Autoimmunerkrankungen zu stoppen. Momentan behandeln sie in einer klinischen Studie Patienten, die an rheumatoider Arthritis leiden, mit Antikörpern, welche GM-CSF im Körper neutralisieren. Und Ende dieses Jahres soll eine Studie mit MS-Patienten beginnen.
Becher warnt allerdings vor allzu grosser Euphorie. Ob MS-Patienten von dieser Therapieform tatsächlich profitieren werden, sei noch nicht sicher, sagte er. Aber ein zurückhaltender Optimismus sei angebracht. So oder so werde die Studie aber mithelfen, Entzündungen im Gehirn besser zu verstehen.
(sda)

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