Psychiatrie

01. Oktober 2012 01:34; Akt: 01.10.2012 06:49 Print

Jeder Zehnte fehlte schon wegen Depression

Einer von 10 Arbeitnehmern in Europa ist mindestens schon einmal wegen psychischer Niedergeschlagenheit zuhause geblieben. Keinesfalls nur kurz, sondern im Schnitt 36 Arbeitstage lang.

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Depression ist die häufigste psychische Erkrankung unter Arbeitnehmern: Bei jedem Fünften ist eine solche schon einmal diagnostiziert. Und jeder zehnte Arbeitnehmer in Europa hat laut einer aktuellen Studie der European Depression Association schon einmal längere Zeit wegen einer depressiven Phase am Arbeitsplatz gefehlt. Grosses Ausmass: Mehr als 30 Millionen Bürger in Europa werden zu irgendeinem Zeitpunkt in ihrem Leben an Depression leiden. Durchschnittliche Fehlzeit: Wer unter Depression leidet, bleibt im Schnitt 36 Tage der Arbeit fern. Stillschweigen aus Angst vor Jobverlust: Jeder vierte Arbeitnehmer gibt an, seinen Arbeitgeber nicht über seine Depression unterrichtet zu haben. Jeder Dritte hat dies verschwiegen, weil er um seinen Arbeitsplatz fürchtet. Niedergeschlagenheit kommt teuer: Die Kosten für Depression wurden im Jahr 2010 in der EU auf umgerechnet rund 104 Milliarden Franken geschätzt, Italiener sind am schnellsten wieder gut drauf, Arbeitnehmer in Deutschland und Grossbritannien bleiben wegen Depression am längsten zuhause. Dort liegt der Schnitt bei 41 Tagen pro depressiver Phase, in Italien bei 23 Tagen. Wahrnehmung nicht objektiv: Die Symptome sind laut Experten Konzentrationsschwierigkeiten, Unentschlossenheit und/oder Vergesslichkeit. In der Studie geben allerdings 33 % Vergesslichkeit, 44 % Unentschlossenheit und 57 % Konzentrationsschwierigkeiten an. Dafür nennen 88 % der Betroffenen gedrückte Stimmung und Traurigkeit als Anzeichen für Depression. Unter den befragten Führungskräften berichtete beinahe jeder Dritte, keine offizielle Unterstützung für den Umgang mit depressiven Mitarbeitern zu erhalten.

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Laut einer neuen Studie ist jeder zehnte befragte Arbeitnehmer in Europa aufgrund von Depressionen seinem Arbeitsplatz schon einmal ferngeblieben. Pro Vorfall erschienen Betroffene durchschnittlich während 36 Tagen nicht bei der Arbeit. Das hat der europäische Fachverband European Depression Association (EDA) in einer repräsentativen Online-Umfrage unter mehr als 7000 Europäerinnen und Europäern herausgefunden.

Umfrage
Haben Sie schon einmal wegen einer Depression längere Zeit bei der Arbeit gefehlt?
21 %
19 %
60 %
Insgesamt 1149 Teilnehmer

Der Gesamtausfall beläuft sich in der betroffenen Personengruppe den Berechnungen nach auf 21 000 Arbeitstage. Dabei gibt jeder vierte Arbeitnehmer an, seinen Arbeitgeber nicht über seine Depression unterrichtet zu haben, sondern ist dennoch zur Arbeit erschienen. Jeder dritte unter ihnen erklärte, in der gegenwärtigen Wirtschaftslage um seinen Arbeitsplatz zu fürchten.

Engländer sind am niedergeschlagensten

Die höchste Depressions-Rate verzeichnete laut Untersuchungsergebnis Grossbritannien (26 Prozent), die niedrigste Italien (12 Prozent). Arbeitnehmer in Deutschland (61 Prozent), Dänemark (60 Prozent) und Grossbritannien (58 Prozent) blieben am ehesten aufgrund ihrer Depression dem Arbeitsplatz fern, während nur 25 Prozent der Arbeitnehmer in der Türkei berichteten, sich von der Arbeit freigenommen zu haben.

Die Symptome der Depression sind Konzentrationsschwierigkeiten, Unentschlossenheit und Vergesslichkeit. Dies verursacht erhebliche Beeinträchtigungen der Arbeitsausübung und Produktivität. Ausblenden können Betroffene dies kaum, da die Symptome zu 94 Prozent der Zeit während einer Depression auftreten.

Die Umfrage zeigt allerdings auch, dass das Bewusstsein für diese Symptome relativ unterentwickelt ist: Nach den Anzeichen einer Depression befragt, gaben nur 33 Prozent Vergesslichkeit, 44 Prozent Unentschlossenheit und 57 Prozent Konzentrationsschwierigkeiten an. Im Gegensatz dazu identifizierten 88 Prozent gedrückte Stimmung und Traurigkeit als Anzeichen für Depression.

Führungskräfte wollen mehr Unterstützung

Depression ist die am häufigsten auftretende psychiatrische Störung bei Menschen im erwerbsfähigen Alter. Mehr als 30 Millionen europäische Bürger werden zu irgendeinem Zeitpunkt in ihrem Leben an Depression leiden. Trotz des Ausmasses dieses Problems berichtet aber beinahe jede dritte Führungskraft, keine offizielle Unterstützung oder Hilfsmittel für den Umgang mit depressionskranken Mitarbeitern zu erhalten. 43 Prozent der Kaderleute forderten laut Umfrage verbesserte Richtlinien und Gesetze zum Schutz der Mitarbeiter.

Dr. Vincenzo Costigliola, President der European Depression Association, erklärt: «Die Ergebnisse der IDEA-Umfrage zeigen, dass viel zur Bewusstseinsschärfung sowie zur Unterstützung von Arbeitnehmern und Arbeitgebern getan werden muss, um Depression am Arbeitsplatz zu erkennen und in den Griff zu bekommen. Wir fordern Entscheidungsträger auf, die Auswirkungen von Depression am Arbeitsplatz zu prüfen, und beauftragen sie damit, den Entwurf einer verbindlichen Gesetzgebung einzuleiten, die sich mit Depression sowie der Sicherheit des Arbeitsplatzes und der Mitarbeiter beschäftigt.»

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Die neusten Leser-Kommentare

  • momus am 02.10.2012 10:24 Report Diesen Beitrag melden

    Moderne Strukturen in Grossfirmen

    zerstören das Zwischenmenschliche! Alles muss über Konstenstellen laufen - man darf jemanden keinen gefallen mehr tun (was ja einfach nur menschlich wäre) weil: wer soll das denn bezahlen?

  • SRK Person am 01.10.2012 16:45 Report Diesen Beitrag melden

    Stress Pur

    das ist eine Tatsache bei der der Arbeitgeber über die Bücher muss.Ich arbeite in einem Altersheim das ist nicht nun körperliche sondern auch Psychisches arbeiten .Wenn man krank ist müssen die Kollegen auch deren Arbeit machen weil es zuwenig Personal gibt.Somit kann Arbeit krank machen.

  • Helene Pauli am 01.10.2012 15:46 Report Diesen Beitrag melden

    Leben unter Stress = Depression/Bornout

    Sorry, aber alle, die glauben, es sei völlig normal, permanent unter Stress zu stehen und keinen Schaden dabei davon zutragen, der soll das erst mal erleben! Und das Schlimmste: Wenn man im Geschäft darüber spricht, gilt nur Eines: Du kannst nicht mehr -> dann nichts wie weg mit Dir! Was alles dahintersteht, interessiert keinen Menschen! Und gleichzeitig wird das Mobbing dadurch noch grösser und die Depression noch mehr verstärkt. Habe ich leider am eigenen Leib erfahren. 15 kg Gewichtszunahme innert 1,5 Jahren ist nur eine der Nebenerscheinungen. Weitere gesundheitliche Schäden folgen...

    • D. M. am 02.10.2012 11:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Stigma

      Da gebe ich Ihnen absolut recht, ausser dass es bei mir mit Gewichtsverlust einherging ;-) Es ist leider so, dass psychische Erkrankungen nach wie vor mit einem Stigma behaftet sind. Ich habe offen mit dem Arbeitgeber kommuniziert, mit der Folge, dass ich die Stelle rel. schnell verlor, als sie feststellten dass dies nicht wie eine Grippe in 1 - 2 Wochen überstanden ist. Möglich, dass die Vorgesetzten mit der Situation überfordert waren, aber eigentlich hat nur gezählt, zu funktionieren, sie waren noch so froh, mich schnell loszuwerden. Und an dem "beisst" man dann auch noch lange!

    • anonym am 03.10.2012 09:35 Report Diesen Beitrag melden

      Hilferufe - Depression

      Es liegt am System dieser Zeiten, nicht an den Menschen eigentlich. Tendenz steigend und Realität weit, weit höher als "jeder 10.". 1. Sollte Beruf, tatsächlich Berufung sein; sich nach den individuellen Talenten richten. Das System wählte "Geld" und "Ansehen" als Richtschnur, wonach das Volk dann beruflich sortiert, aussucht und sich gesellschaftlich verhält. 2. Folglich wird Stress, Mobbing, falsche Wetteiferei, Gier und weitere menschenunwürdige Verhaltensweisen gefördert, statt entgegengewirkt; d.h. Untugend statt Tugend. Frage der Zeit: Mit den eigenen Waffen werden jene geschlagen!!

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  • manub am 01.10.2012 14:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    traurig

    habe schon länger physiche probleme , aber mich löst keiner ab oder kriege frei.werde ohne grund agressiv oder streite.bin niedergeschlagen ect. interessiert niemand muss funktionieren.

  • HR Fachfrau am 01.10.2012 13:49 Report Diesen Beitrag melden

    Burnouts sind voll "in"

    Ich möchte Depressionen und co nicht unter den Teppich kehren.Vorallem, da ich sebst seit 17 Jahren unter Depressionen und Essstörungen leide. Jedoch ist mir aufgefallen, dass Burn outs voll in sind. Fast jeder hat ein Burn Out. Als ich einmal wegen Müdigkeit und Lustlosigkeit beim Arzt war, hat der sofort von Burn Out gesprochen.Dabei hatte ich nur einen Eisenmangel.Ich kenne einen Mann, der wirklich ein Burn Out hatte und das war ganz schlimm. Er hat 8 Monate sein Bett nicht mehr verlassen! Aber bei jeder Erschöpfung wird gleich Burn Out geschrien. Das ist falsch.

    • rita am 01.10.2012 15:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      kein wunder

      guck dir mal diese welt an..mich wundert das nicht..

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