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Schweiz
02. September 2009 22:20; Akt: 02.09.2009 23:49 Print
Sterilisation bei Männern nimmt zu
von Désirée Pomper - Genug von Pille und Kondom: Die Zahl der Männer, die sich für eine Sterilisation entscheiden, steigt – jene derer, die den Eingriff rückgängig machen, allerdings auch.
Rund 15 Prozent der Schweizer im zeugungsfähigen Alter sind sterilisiert. «Mit steigender Tendenz», so Vasektomie-Experte Peter Tschudi. Noch vor zehn Jahren führte er 30 Eingriffe durch. Heute sind es doppelt so viele. «Die Frauen wollen ihren Körper nicht mehr der Pille aussetzen, und Männer übernehmen häufiger Verantwortung», sagt Thomas Gasser, Vizepräsident der Gesellschaft für Urologie. Dies im Gegensatz zu den Männern «südlich von Neapel, die sich ihrer Manneskraft beraubt fühlen» oder «den Deutschen, bei denen der Mann sagt, wo es langgeht», ergänzt Urologe Thomas Hodel.
Immer mehr Schweizer Männer entscheiden sich für eine Sterilisation. (Bild: Bilderbox.com)
«Der Sex ist immer noch gut»
Vor knapp einem Jahr liess sich der 42-jährige M. E.* sterilisieren.
Wieso haben Sie es getan?
Mit drei Kindern habe ich die Familienplanung abgeschlossen. Zuerst wollte ich, dass meine Frau sich unterbinden lässt. Na ja, ich hatte halt etwas Angst vor so einem Eingriff. Doch dann stellte ich fest, dass eine Sterilisation des Mannes mit 1000 Franken höchstens halb so teuer ist wie die der Frau.
Wie verlief der Eingriff?
Die Hoden wurden nacheinander betäubt und die Samenleiter durchtrennt. Nach 20 Minuten Schnippelei war alles vorbei. Wegen der Schmerzen nahm ich zwei Tage frei.
Bereuen Sie den Eingriff?
Auf keinen Fall. Drei Kinder sind genug. Und der Sex ist immer noch gut, wenn nicht gar besser. Der Druck aufzupassen ist jetzt weg. (dp)
(*Name der Redaktion bekannt)
Schweizer dagegen sähen die Sterilisation des Mannes, die günstiger und ungefährlicher sei als die der Frau, rational. Weit unter einem Prozent der Männer litten lebenslänglich an Schmerzen. Einige davon haben sich in der Selbsthilfegruppe Vasektomie-geschädigter Männer zusammengetan. Sie berichten von «schmerzhaften Orgasmen» und von «unerträglichen Hodenschmerzen».
Viele Männer aber bereuen den Eingriff nicht wegen den Schmerzen, sondern aufgrund eines erneuten Kinderwunsches. Rund fünf Prozent machen die OP rückgängig – und aufgrund der steigenden Scheidungsrate werden es laut Gasser immer mehr: «Wegen einer neuen Frau wollen viele Männer doch ein Kind.» Aber eine Reoperation garantiere keine Fruchtbarkeit, da die Spermienqualität mit den Jahren stark abnehme. Wer sich ein Hintertürchen offenhalten will, dem bleibt laut Tschudi nur eins: die Spermien vor dem Eingriff einzufrieren.

























