Irritierende Studie

01. September 2010 13:00; Akt: 02.09.2010 14:26 Print

Ist zu viel Alkohol besser als gar keiner?Ist zu viel Alkohol besser als gar keiner?

Einer neuen US-Studie zufolge sterben Abstinenzler früher als Menschen, die trinken. Viele Promille für ein langes Leben? Ganz so einfach ists nun auch wieder nicht.

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Gegen ein Gläschen Rotwein ist nichts einzuwenden.
(Bild: Colourbox)

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Leberzirrhose, Hirnschädigungen, erhöhtes Krebsrisiko, Kontrollverlust und vieles mehr: Das sind die negativen Auswirkungen, die von Gesundheitsexperten normalerweise direkt mit Alkoholkonsum assoziiert werden. Einer neuen, von sechs Wissenschaftlern der Universität in Austin, Texas (USA) durchgeführten Studie zufolge müssen diese Assoziationen eventuell überdacht werden - zumindest, was das moderate Trinken angeht.

Die US-Forscher, angeleitet vom Psychologen Charles Holahan, beobachteten 1824 Probanden über einen Zeitraum von 20 Jahren. Zu Beginn der Studie waren alle Teilnehmer zwischen 55 und 65 Jahre alt, 63 Prozent waren Männer. Interessant: nach Ablauf des Überwachungszeitraums von 20 Jahren lebten 69 Prozent der Alkohol-Abstinenzler nicht mehr. Unter den Probanden, die überdurchschnittlich viel Alkohol zu sich nahmen, lag die Mortalität bei 60 Prozent. Diese Zahl steht wiederum den moderaten Trinkern gegenüber, von denen nur 41 Prozent verstorben waren. Demzufolge hatten die Vieltrinker also eine geringfügig längere Lebenserwartung als die Nichttrinker.

«Trinkkur» für ein längeres Leben?

Die Studie, die im Fachjournal «Alcoholism: Clinical and Experimental Research» veröffentlicht wurde, gibt zunächst Rätsel auf. Moderates Konsumieren von Alkohol - also ein bis maximal drei Gläschen eines promillehaltigen Getränks - und die Chancen für eine hohe oder höhere Lebenserwartung stehen gut?

Das US-Magazin «Time» analysierte die Faktoren, die mit der «Wunderwirkung» alkoholischer Getränke in Verbindung stehen könnten. Tatsächlich ist Alkohol nicht gleich Alkohol: Dass ein Gläschen Rotwein durch den Gehalt sekundärer Pflanzenstoffe wie Flavonoide Herzkreislauferkrankungen vorbeugen kann, ist bekannt. Ein weiterer, möglicher Faktor ist, dass moderate Trinker einer gesellschaftlich eher höher einzuordnenden sozioökonomischen Gruppe angehören. Sie müssen körperlich weniger hart arbeiten und können sich den ein oder anderen guten Tropfen (Rotwein) leisten. Zum anderen könnte die vielgepriesene «Geselligkeit», der seltener mit nicht-alkholischen Getränken beigewohnt wird, einen Einfluss auf das seelische Wohlbefinden und somit auf die Lebenserwartung haben. Eine wissenschaftlich fundierte Erklärung ist das natürlich nicht. Viel einleuchtender ist die These, dass Abstinenzler wegen gewisser Grunderkrankungen auf Alkohol verzichten (nicht zuletzt wegen möglicher Nebenwirkungen durch die Kombination von Alkohol und Medikamenten). Aufgrund ihres Leidens verstarben diese Probanden womöglich ohnehin früher, als gesunde Menschen. Zwar sollen alle Studienteilnehmer zu Beginn der Studie gesund gewesen sein - doch dies könnte sich im Laufe der zwei Jahrzehnte, während denen die Probanden beobachtet wurden, geändert haben.

Selbst der Leiter der Studie warnt ausdrücklich vor einer generellen Glorifizierung alkoholischer Getränke. Hierbei erwähnen die Forscher Alkoholsucht oder auch die Auswirkungen auf die Gedächtnisleistung, die durch Alkoholkonsum negativ beeinflusst werden kann.

(rre)