Mangelnde Konzentration

07. April 2016 20:37; Akt: 07.04.2016 20:37 Print

Wer den Arzt nervt, kriegt eher eine Fehldiagnose

Ärzte behandeln alle Menschen gleich? Nein. Laut einer neuen Studie machen sie bei anstrengenden Patienten mehr Fehler.

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Wenn es um medizinische Diagnosen geht, haben schwierige Patienten schlechte Karten. (Bild: Colourbox.com)

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Kein Patient ist wie der andere: Während die einen in ihrem Doktor einen Halbgott in Weiss sehen und allem, was er sagt, Folge leisten, gebärden sich andere schwierig. Sie stellen seine Kompetenz in Frage und missachten seinen Rat. Manche werden dazu noch aggressiv.

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Das ist weder schön noch sinnvoll, wie Forscher um Henk Schmidt von der Erasmus-Universität in Rotterdam im Fachjournal «BMJ Quality & Safety» schreiben. Laut ihnen liegen genervte oder angesäuerte Ärzte mit ihrer Diagnose häufiger daneben als ihre entspannten Kollegen und ordnen entsprechend öfter falsche Therapien an.

Sechs Krankheitsfälle und eine Erkenntnis

In der experimentellen Studie liessen die Wissenschaftler 63 Ärzte, die sich im letzten Jahr vor ihrer Facharztprüfung zum Allgemeinmediziner befanden, sechs Fallszenarien lösen, von denen drei als komplex gelten. Jede Krankengeschichte gab es zudem in zwei Versionen: Einmal war der Patient pflegeleicht, das andere Mal schwierig (siehe Box). Dann beobachteten sie, was passierte.

Das Ergebnis: Die diagnostische Treffsicherheit der teilnehmenden Ärzte hing stark mit dem Verhalten der angeblichen Patienten zusammen: Bei der Aufklärung einer verhältnismässig leicht erkennbaren Erkrankung wie einer Lungenembolie stellten die Probanden bei 92 Prozent der schwierigen und 96 Prozent der angenehmen Patienten die richtige Diagnose. Deutlich grösser war der Unterschied, wenn die «Betroffenen» an komplexeren Krankheiten wie einer Schilddrüsenüberfunktion litten: War der Patient schwierig, betrug der Anteil an korrekten Diagnosen nur 29 Prozent, war er aber pflegeleicht, urteilten die Ärzte in 49 Prozent der Fälle richtig.

Den Grund für die Diskrepanz ermittelten Schmidt und seine Kollegen in einer zweiten Studie. Die zeigte, dass sich Ärzte bei unkomplizierten Patienten im Nachhinein besser an die Details des Leidens erinnerten, wie die Forscher in einem anderen Artikel des Journals schreiben. Hatte sich der Patient aber schwierig benommen, blieb vor allem seine Art im Gedächtnis.

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bejhon am 07.04.2016 21:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Echt jetzt?!?

    Ärzte sind also tatsächlich auch Menschen?

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  • Der Pfleger am 07.04.2016 21:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlechter Patient

    Es gibt viele Patienten, welche dem Arzt trotz dessen Nachfrage den wahren Lebenswandel verschweigen oder diesen gar Belügen (Rauchen, Alkohol, nicht verordnete Medi's etc.). Eine korrekte Diagnose ist somit nicht möglich. Wenn dann eine Behandlung nicht anschlägt ist wer Schuld? Natürlich drt Arzt.

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  • beatus am 07.04.2016 21:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kunden

    Jede Beruf ist ein Beruf. Nervige Kunden bekommen immer weniger als kooperative. Die alles besser wissen und doch nix wissen sie nerven nur und kosten nur Zeit und Nerven.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mila am 08.04.2016 21:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorsicht

    Ärzte die dir das Leben sogar ruinieren können wenn du ihnen blind vertraust . Bekam vom Allgemeinarzt Antidepressiva über die seien gaaanz schwach. Nächsten Tag eingenommen und mit dem Zug unterwegs gewesen. Bekam mitten auf dem Weg meine erste Panikattacke mit Schweissausbrüchen, Übelkeit und und. Das Schlimme war, ich konnte nicht sofort aus dem Zug raus. Der Horror.Sowas unerwartetes zu erleben dass eim eine Todesangst macht, das war mir eine Lehre!!! Ich vetraue den Ärzten nuuur mit grosser Vorsicht. Er hätte mich zu einer Psychologin schicken können und nicht gleich mit antidepressiva!

    • Chronisch Kranke am 08.04.2016 22:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mila

      Ich bin fast drauf gegangen durch die Kombination von Antidepressiva und Morphiumpflaster. Zwei Wochen zu Hause im Delirium. Am Telefon sagte mir der Hausarzt, ich solle einen Krankenwagen rufen (?????!!!!!!). Als ich wieder auf die Beine kam drückte er mir meine Akten in die Hand mit der Aussage, ich solle einen anderen Arzt suchen. Er habe Angst ich würde sterben. Er könne dann die Praxis schliessen.

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  • Nervige Patientin am 08.04.2016 18:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sicher nicht

    Echt jetzt??? Ein Arzt möchte sein Lohn, dann soll er gefälligst seine Arbeit richtig erledige. Mich nervt es, wenn ich als Patient dem Arzt sagen muss was ich habe. Halloooo!!!! Ich hatte sogar einen Unfall wo es so lange Unfall war, bis der Arzt bemerkt hat dass ich nur bei der Kk Unfallversichert bin, dann sagte er mir: Ach ne, sie sind bei der KK, das gibt weniger Geld also haben Sie eine Krankheit. Hören wir doch auf mit dem Mist.

  • Dieda am 08.04.2016 17:14 Report Diesen Beitrag melden

    Arzt googelt selber

    Mein Arzt hat die Symptome gegoogelt.... Soviel zu:" sie haben ja Ahnung und wissen alles." Mein Vater durfte zwei Wochen mit gebrochenem Arm arbeiten weil der Arzt beim esten Besuch den Bruch nicht gesehen hatte. Bin kein Fan von Ärzten, gehe nur im Notfall oder um einen Attest für den Arbeitgeber zu holen.

  • Käpt'n Püppi am 08.04.2016 16:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vom Fach

    Es ist so das für den heutigen Patienten alles, sofort zu erledigen ist. Und Geduld ein Fremdwort ist, das Knie schmerzt dann will man sofort ins CT oder MRI und zum Facharzt.Patienten gehen wegen Banalitäten am Wochenende in den Notfall ins Spital.Und Patienten die gut untersucht worden sind meistens ja doch noch bei 3-4 Spezialisten landen weil Sie denken Sie bezahlen ja KK Prämien also hat man das Recht.

  • Susanne am 08.04.2016 14:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Glaubwürdigkeit:

    Es gibt auch schwierige Ärzte, die schnell ALLES auf psychosomatisch diagnostizieren und so die Früherkennung und der Beginn einer sinnvollen Therapie verlauert. Dann ist wieder der Patient schuld und die Folgen hat er der Patient zu tragen! Ein chron. Kranker wird abserviert und als "Schmerzpatient" nicht er st genommen! Dann hat der Patient aus heiter hellem Himmel: Diabetes, rheumatoide Arthritis, totale NNRI und einen Schenkelhalsbruch!!! Nur, glaubte der Hausarzt 2 Jahre nicht, dass man nebst den anderen Krankheiten, auch noch die bekommen kann, also war es psychisch, bis ich fast starb!!