Wider den Kahlschlag

22. August 2011 16:58; Akt: 22.08.2011 17:36 Print

Nur ein Mittel hilft gegen Haarausfall

Eine Untersuchung aus Deutschland bringt haarsträubende Resultate: Einzig ein Wirkstoff kann helfen, dem Schwinden der Kopfbehaarung Einhalt zu gebieten.

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Auch wenn schütteres Haupthaar bei der derzeit vorherrschenden Hitze für luftige Abkühlung sorgt: Punktueller Kahlschlag ist nicht jedermanns Sache. Und so versuchen einige aktiv gegen den galoppierenden Haarschwund anzukämpfen – jedes Haar, das nicht im Abfluss landet, zählt. Findige Unternehmer haben die Angst um die lichten Momente des Mannes erkannt. Längst ist ein grosser, nahezu unüberschaubarer Markt gewachsen, auf dem allerlei Tinkturen und Pillen gegen Haarausfall feilgeboten werden.

Ob die vollmundigen Werbebotschaften dieser Anbieter halten was sie versprechen, versuchte jetzt das deutsche Magazin Stern herauszufinden. Man beauftragte den Verbraucherservice Stiftung Warentest damit, Mittelchen gegen Haarverlust auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen. Das Ergebnis? Ernüchternd bis haarsträubend! Unter den getesteten freiverkäuflichen Präparaten konnte sich nur der Wirkstoff Minoxidil bewähren, wobei auch dieser nach Expertenmeinung nicht uneingeschränkt zu empfehlen ist.

Zehn bis 20 Behandelte profitieren

Wie Minoxidil wirkt, konnte bislang nicht aussagekräftig erforscht werden. Spekuliert wird, dass es der Durchblutung der Haarwurzeln zuträglich ist. Eine weitere These beruft sich darauf, dass durch Minoxidil die Bildung neuer Blutgefässe angeregt wird und dadurch die Versorgung bestimmter Wachstumsfaktoren besser funktioniert. Besonders Frauen, die unter hormonell bedingtem Haarausfall leiden, kommt der Wirkstoff zugute: Bei ihnen wirkt er deutlich besser als bei ihren männlichen Leidensgenossen.

Zwar kann Minoxidil die Glatzenbildung verzögern, beziehungsweise längst verloren geglaubtes Haar wieder zum Wachstum anregen – gute Ergebnisse erzielen von 100 Behandelten aber nur etwa zehn bis 20. Hinzu kommt ein weiterer Wermutstropfen, denn nach dem Absetzen des Mittels setzen die «Ausfallerscheinungen» wieder ein. Von einer Langzeitbehandlung, die ein Jahr oder länger beträgt, muss abgeraten werden. Hierfür ist die Datenlage bezüglich gefürchteter Risiken und Nebenwirkungen zu dünn.

Therapie bei Schwindel und Entzündungen abbrechen

Apropos Nebenwirkungen: Bei einem von hundert Behandelten führt Minoxidil zu juckenden Rötungen oder Entzündungen. Obwohl das Mittel äusserlich aufgetragen wird, kann es – insbesondere bei der Langzeittherapie - zu systemischen Beeinträchtigungen führen. In einzelnen Fällen sind Schwindel, Brustschmerzen, beziehungsweise ein beschleunigter Herzschlag angezeigt. Tritt eines oder mehrere Symptome auf, sollte man sofort auf die Anwendung verzichten.

Weniger vielversprechend ist 17-alpha-Estradiol. Zwar zählt es zu den Östrogenen, dennoch wirkt es eher schwach hormonell. Entsprechend lässt sich das Mittel vor allem bei hormonell bedingtem Haarausfall einsetzen. Bislang konnte die Wirksamkeit von 17-aplha-Estradiol nicht ausreichend belegt werden.

Billard-Kugel versus Berlusconi

Zeigen die Wässerchen keine Wirkung, bleibt nur noch die Haartransplantation. Mit dieser Methode eroberte sich der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi einen Teil seines Haupthaars zurück. Während der Haartransplantation werden behaarte Hautstreifen unter örtlicher Betäubung entnommen und in die kahlen Stellen eingesetzt. Sogar Augenbrauen können auf diese neu modelliert werden.

Eine schmerzfreie aber kosmetisch ebenso attraktive Alternative bei Geheimratsecken oder kreisrunden, unbehaarten Stellen: Der Kahlschlag. Rapper Stress hats vorgemacht und Schauspielern wie dem Kojak-Darsteller Telly Savallas oder Yul Brynner hat die erweiterte Nassrasur (inklusive Kopfhaut) gar zu Weltruhm verholfen.



(rre)