«Gehirnwäsche»

24. Februar 2017 13:09; Akt: 24.02.2017 14:35 Print

Wer schläft, vergisst

Schlaf ist wichtig – zur Erholung und um Energie zu tanken. Doch es gibt noch einen weiteren wichtigen Grund für die nächtliche Ruhezeit.

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Der menschliche Körper braucht Ruhephasen, um gesund zu bleiben. Denn chronischer Schlafmangel beschert den Betroffenen Momente geistiger Abwesenheit, verminderter Aufmerksamkeit sowie Stimmungsschwankungen und macht dick. Kurz: Er macht auf Dauer krank. Doch Schlaf sorgt nicht nur – anders als bislang gedacht – für Erholung, sondern hilft auch, um zu vergessen. Das berichten Forscher der Universität Wisconsin-Madison. Das Team beobachtete in seiner Studie, dass während des Schlafes die Synapsen im Gehirn teilweise zerschnitten werden. Auf diese Weise gehen unwichtige Erinnerungen, die nicht mehr benötigt werden, verloren. Schuld daran ist vor allem ein Oberflächenprotein an den Synapsen des Gehirns: das sogenannte Homer1A, wie Graham Diering von der Johns Hopkins Universität mithilfe von Labormäusen festgestellt hat. Schlaf fördert den Aufbau des Proteins, das seinerseits durch Kappen der Synapsen das Vergessen fördert. Allerdings werden während des Schlummerns nur etwa ein Fünftel der Synapsen gekappt. Das sorgt dafür, dass wirklich wichtige Informationen nicht verloren gehen. Doch das ist nicht das einzig Wissenswerte zum Thema Schlaf. Weitere spannende Fakten erfahren Sie in den folgenden Slides. Wer zu wenig schläft, schadet seiner Gesundheit. Doch auch zu lange Ruhephasen sind laut Forschern der Cambridge University schädlich. Wer länger als acht Stunden pro Nacht schläft, hat ein um 46 Prozent höheres Risiko für Schlaganfälle als die, die es auf sechs bis acht Stunden Nachtruhe bringen. Vor einem langen Festivalwochenende oder einer wilden Partynacht besonders viel zu schlafen, bringt nichts. Denn der Körper kann Erholung nicht speichern. Das heisst: Er wird genauso müde sein wie ohne den Extraschlaf. Wer nachts nicht genügend Schlaf bekommt, sollte sich täglich Zeit für ein kleines Nickerchen nehmen. Dieses sollte laut dem deutschen Schlafforscher Jürgen Zulley nicht länger als 30 Minuten dauern. Denn danach setzt die Tiefschlafphase ein und das Erwachen daraus fällt entsprechend schwer. Nicht nur Erwachsene, auch Babys sollten viel schlafen. Denn wie US-Forscher 2006 in einer Studie zeigten, fördern kurze Nickerchen deren Sprachentwicklung. So konnten die Kleinen sich besser neue Dinge merken, wenn sie vorher eine halbe Stunde geschlafen hatten. «Ich bin so müde, ich könnte glatt im Stehen schlafen», behaupten viele. Aber Recht haben sie damit nicht: Zwar kann man sehr wohl aufrecht einschlafen. Doch spätestens wenn die Tiefschlafphase erreicht ist, sackt man in sich zusammen, weil die Muskelspannung nachlässt. Weil in der Traumphase der Körper wie gelähmt ist, wird auch die Temperaturregulation abgeschaltet. Daher droht die Unterkühlung. Deshalb raten Schlafmediziner immer, leichte Kleider zu tragen, die Arme und Schultern vor dem Auskühlen schützen. Ideal ist eine Raumtemperatur zwischen 16 und 18 Grad Celsius. Dass ältere Menschen weniger Schlaf benötigen, ist Quatsch. Richtig ist, dass sie ihre Schlafdauer über den Tag hinweg verteilen. Das kann vom täglichen Sekunden- oder Minutenschlaf bis hin zum ausgedehnten Mittagsschläfchen führen. Eine glückliche Beziehung sorgt für einen ruhigeren Schlaf. Forscher der University of Pittsburg haben herausgefunden, dass Frauen in stabilen Beziehungen besser schlafen als unverheiratete, frisch getrennte oder mit der Partnerschaft unzufriedene. Guter Schlaf hängt laut Forschern der University of Pennsylvania auch von Bildung, Geld und Status ab. In ihrer Studie hatten Festangestellte den besten Schlaf, gefolgt von Rentnern, Hausfrauen und Studenten. Von denen, die weniger als ein Jahr arbeitslos waren, schliefen 32 Prozent schlecht - unter den Arbeitsunfähigen waren es sogar 52 Prozent. Wer abends nur schwer ins Bett kommt wie Keith Richards, ist tendenziell kreativer und extrovertierter als jemand, der zeitig in die Federn hüpft und früh aufsteht. So lautete das Ergebnis einer Studie von Forschern der britischen Loughborough University. Eine Studie der Universität von Madrid kam zu dem Ergebnis, dass die Nachteulen die besseren induktiven Denker waren. Induktives Denken gilt allgemein als einer der wichtigsten Indikatoren für Intelligenz und befähigt fächerübergreifend zu guten akademischen Leistungen. Die Konzentrationsfähigkeit von Frühaufstehern lässt zehneinhalb Stunden nach dem Aufwachen deutlich nach, während Langschläfer dann immer noch ungefähr die gleiche Gehirnaktivität aufweisen wie eine Stunde nach dem Aufwachen. Mark Zuckerberg dürfte eine ziemliche Nachteule sein. Denn laut einer Studie der University of Southhampton haben diese im Durchschnitt ein hohes Einkommen. Ausserdem verfügen sie im Vergleich zu den anderen Schlaftypen häufig über ein grosszügigeres Zuhause. Nachtaktivität scheint auch im Liebesleben ein Vorteil zu sein. Forscher der Durham University haben herausgefunden, dass männliche Nachteulen im Durchschnitt doppelt so viele Sexualpartner haben wie Frühaufsteher. Weibliche Langschläfer haben hingegen ein durchschnittliches Liebesleben. Ziemlich ausgeschlafen dürfte die «Schönste Frau der Welt 2015», Sandra Bullock, sein. Denn den Schönheitsschlaf gibt es tatsächlich. Ein Grund dafür, dass gute Schläfer als attraktiver wahrgenommen werden, dürfte sein, dass unsere Haut im Schlaf mit wichtigen Hormonen versorgt wird, was die natürliche Regeneration anregt.

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Wer am Tag fit sein will, muss ausreichend schlafen. Denn nur dann hat der Körper genügend Zeit, sich zu regenerieren. So lautet die gängige Meinung.

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US-Forscher haben jedoch eine weitere Erklärung für den Schlafbedarf von Mensch und Tier gefunden, wie die «New York Times» berichtet: Ihnen zufolge ruhen diese nämlich auch, um zu vergessen.

Schlaf zerstört Synapsen

Die Biologen Giulio Tononis und Chiara Cirelli von der Universität Wisconsin-Madison beobachteten in ihrer Studie, dass während des Schlafes die Synapsen im Gehirn (siehe Box) teilweise zerschnitten werden. Auf diese Weise gehen unwichtige Erinnerungen verloren.

Um ganz sicher zu gehen, überprüften die Forscher ihre Theorie in einem Labor-Experiment. Dafür behandelten sie Neuronen so, dass sie mehr Synapsen als sonst bildeten.

Diese beobachteten die Forscher während des Schlafes und wurden in ihrer Annahme bestätigt. Ebenso wie durch Untersuchungen, die sie mit Mäusen durchführten. Jedes Mal zeigte sich: Während der Ruhephase werden Synapsen teilweise zerstört.

Protein verantwortlich

Doch das ist noch nicht alles, wie Graham D. Diering von der Johns-Hopkins-Universität in seiner Arbeit herausgefunden hat. Auch er forschte an Mäusen. Allerdings fokussierte er auf die Oberflächenproteine an den Synapsen des Gehirns.

Dabei stellte er fest, dass deren Anzahl und somit auch die Anzahl der Synapsen im Schlaf sinkt. Besonders auffällig verhielt sich ein Protein namens Homer1A, dessen Aufbau der Schlaf fördert.

Grund zur Sorge besteht nicht

Dieses führt dazu, Unwichtiges zu vergessen. Mäuse, bei denen der Aufbau des Proteins gehemmt war, blieben während der Experimente, in denen sie mit neuen Situationen konfrontiert waren, schreckhaft und ängstlich, da sie Erlebtes nicht vergessen konnten. Die unbehandelten Mäuse dagegen zeigten sich mutig und neugierig.

Alles geht jedoch nicht vergessen: Laut Diering werden während des Schlummerns nur etwa ein Fünftel der Synapsen gekappt. Das sorgt dafür, dass wirklich wichtige Informationen nicht verloren gehen.

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Louis am 24.02.2017 13:38 Report Diesen Beitrag melden

    Schön wärs...

    Na toll. Depressionen scheinen nicht zu verschwinden...

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  • Ibrakadabra am 24.02.2017 13:53 Report Diesen Beitrag melden

    Alles Vergessen

    Nach dem schlaff, vergessen die Rechnungen zu bezahlen. gibt es trotzdem eine mahnung :)

  • C.E. am 24.02.2017 14:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tiefschlaf

    Fühle mich super. Habe letzte Nacht vergessen, dass ich verheiratet bin.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Spejbl am 25.02.2017 08:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Plop! wieder eine weg..

    Bei manchen Kommentaren könnte man denken, sie schlafen mehr als gut ist, synapsentechnisch gesehen ;)

  • Sania am 24.02.2017 19:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was hilft

    Ich würde so gerne mal drei - vier Stunden am Stück schlafen. Unmöglich , selbst mit Schlaftabletten funktioniert das nicht . Habe Chemotherapie obs daran liegt?

    • Werner Walter am 24.02.2017 20:38 Report Diesen Beitrag melden

      Alternativen gibt's !

      Grüner Hafertee nützt bei mir gut.....Kalt abwaschen des ganzen Körpers innerhalb einer Minute und ab ins Bett, sobald wieder erwachst nochmals dasselbe hilft auch. Alles Gute für Dich!

    • Tyra am 24.02.2017 23:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sania

      Liebe Sania,hatte auch eine starke Chemo,plus Kortison!! Und das Kortison lässt einem wach sein und nicht schlafen!! Ich kriegte von meinem Onkologen gute,spezielle Tropfen plus Temesta,das half super!!Dir von Herzen alles Gute!!!

    • Beri am 25.02.2017 18:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sania

      Liebe Sania Vielleicht hilft da mal ein netter Joint.. Half mir oft dabei einzuschlafen. ;)

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  • G.V. am 24.02.2017 17:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich sehe schon die Facebook-Posts...

    «Du kennst meinen Namen, nicht meine Geschichte. Du kennst mein Lachen, aber nicht mein Weinen. ICH SCHLAFE UM ZU VERGESSEN!»

  • Didi am 24.02.2017 17:28 Report Diesen Beitrag melden

    Vergessen ist gesund...

    Das Hirn macht in der Schlafphase das, was jeder in den Speichern seines Computers ebenfalls einmal am Tag tun sollte, nämlich all jene Dateien und Dateifragmente, die zu nichts mehr nütze sind, systematisch löschen... und natürlich auch im praktischen Leben: Ballast wegwerfen...

  • Florian. am 24.02.2017 16:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bild 9

    Der Text von Bild 9 stimmt ja mal gar nicht. Wenn ich in einer Nacht mal länger schlafe, kann ich am nächsten Tag mehr Stunden wach bleiben. Ist zumindest bei mir so.

    • Nik am 24.02.2017 16:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Florian.

      Bei mir nicht. Wenn ich mehr schlafe als üblich bin ich am nächsten Tag nicht so ausgeruht.

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