Komplementärmedizin

12. Januar 2011 15:03; Akt: 12.01.2011 18:26 Print

Die Kassen bezahlen wieder Chügeli

Der Bundesrat krebst bei der alternativen Medizin zurück. Die Krankenkassen müssen die Kosten von fünf Behandlungsmethoden wieder übernehmen, die zuvor gestrichen wurden.

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Die anthroposophische Medizin, die Homöopathie, die Neuraltherapie, die Phytotherapie und die traditionelle chinesische Medizin werden ab 2012 wieder von den Krankenkassen vergütet - zumindest bis 2017. Bis dahin sollen die umstrittenen Alternativmethoden neu evaluiert werden.

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Gesundheitsminister Didier Burkhalter trägt mit seinem Entscheid dem starken Rückhalt der Komplementärmedizin in der Bevölkerung Rechnung. Das Stimmvolk hatte 2009 mit deutlichem Mehr einen Verfassungsartikel gutgeheissen, der eine bessere Berücksichtigung der Komplementärmedizin verlangt.

Ungleichbehandlung vermeiden

Die blosse Wiederaufnahme der fünf Methoden in den Leistungskatalog war aber für Burkhalter keine Option. Dies hätte zu einer «unvertretbaren Ungleichbehandlung» gegenüber anderen Methoden geführt, sagte er am Mittwoch vor den Medien in Bern.

Zudem fehle bis heute der Nachweis, dass die 2005 von seinem Vorgänger Pascal Couchepin aus der Grundversicherung gekippten fünf Methoden die gesetzlichen Kriterien der Wirksamkeit, der Zweckmässigkeit und der Wirtschaftlichkeit erfüllten.

Das Gesetz gebe aber die Möglichkeit, Behandlungen mit umstrittenen Methoden über die Grundversicherung zu vergüten, solange deren Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit (WZW-Kriterien) noch abgeklärt würden.

50 Millionen Kosten erwartet

Konkret wird das Eidg. Departement des Innern (EDI) nun die Leistungsverordnung zur obligatorischen Krankenversicherung anpassen und so den Weg frei machen, damit die Krankenkassen ab dem 1. Januar 2012 von Ärzten verschriebene komplementärmedizinische Behandlungen vergüten.

Burkhalter schätzt, dass über die Grundversicherung jährlich 50 Millionen Franken für alternative Behandlungsmethoden bezahlt werden müssen. Nicht klar sei, ob diese Kosten gleichzeitig zu Einsparungen bei anderen Behandlungsmethoden führen.

Komplementärmedizin auf dem Prüfstand

Burkhalter verlangt von den Vertretern der alternativen Behandlungsmethoden im Gegenzug das konkrete Engagement, die offenen Fragen zu klären. Sie sollen bis Ende 2015 eine von ihnen getragene Evaluation durchführen, inwiefern die WZW-Kriterien erfüllt werden. Parallel dazu wird das EDI eine international anerkannte - höchstwahrscheinlich ausländische - Institution beauftragen, ein unabhängiges Gutachten zu erstellen.

Bis 2016 soll dann die Eidg. Kommission für allgemeine Leistungen und Grundsatzfragen (ELGK) auf der Grundlage dieser beiden Evaluationen zuhanden des EDI eine neue Empfehlung abgeben, wie mit den alternativen Behandlungsmethoden nach 2017 umgegangen werden soll.

Die ELGK, die wegen ihrer kritischen Haltung gegenüber den alternativen Methoden von den interessierten Kreisen immer wieder kritisiert wurde, wird bis dahin umgebaut. Ändern will Burkhalter etwa, dass das Präsidium von einem Vertreter des Bundesamts für Gesundheit gestellt wird.

Verfassungsartikel umsetzen

Das EDI will zudem in Zusammenarbeit mit den betroffenen Kreisen den offen formulierten Verfassungsartikel in weiteren Bereichen konkretisieren. So soll die Komplementärmedizin ins Studium der Ärzte, Apotheker, Zahnärzte, Chiropraktiker und Veterinärmediziner eingebaut werden.

Burkhalter räumte ein, es bestehe das Risiko, dass dieser Schritt wieder rückgängig gemacht werden müsse, falls das EDI zum Schluss gelange, die fünf alternativen Behandlungsmethoden erneut aus der Grundversicherung zu kippen.

Er widersprach Vorwürfen, wieder am selben Punkt zu stehen wie 1999, als die fünf Methoden ein erstes Mal provisorisch in den Leistungskatalog aufgenommen worden waren. Noch bestünden Wissenslücken, die nun mit dem geplanten Vorgehen gefüllt würden.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Weisser Wolf am 12.01.2011 18:08 Report Diesen Beitrag melden

    Zahnarzt leider immer noch nicht!

    Also mein Zahnarzt hat mir schon mehrfach sehr geholfen, und nachher ging es mir deutlich besser. Ich hätte das eigentlich lieber vergütet, es kostet auch deutlich mehr als Zuckerkugeln. Aber Politik wirkt heutzutage ja oft nur homöopatisch!

  • Katrin am 12.01.2011 19:15 Report Diesen Beitrag melden

    Den Menschenverstand gebrauchen

    Ich glaube,dass gewisse alternatve Methoden in gewissen Situationen eine Verbesserung/Heilung zustande bringen. Die Kosten sollten jedoch nicht über die Grundversicherung abgewickelt werden!Die wird schon so jedes Mal teurer!Das Problem, das ich bei der Komplementärmedizin sehe:Viele Leute gehen dann nicht einmal,sondern immer wieder wegen jedem Wehwechen.Das ist zwar bei der Schulmedizin auch so... Darum,bitte wieder vermehrt den Menschenverstand gebrauchen und auch mal einen Arzt hinterfragen (es gibt viele die "verkaufen" gerne teure Pillen od. Behandlungen!!)

  • Pflaumenaugust am 12.01.2011 16:23 Report Diesen Beitrag melden

    Tolles Beispiel für rasche Umsetzung

    Das Stimmvolk hat im Mai 2009 entschieden und umgesetzt wird es 2012. Das ist eine wahre Meisterleistung!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Delta Lee am 20.02.2011 14:32 Report Diesen Beitrag melden

    Lasst mich raus...

    ... aus der Grundversicherung. Mein vertrauen in die Schulmedizin ist leider nachhaltig zerstört. Trotzdem muss ich sie mitfinanzieren. So bezahle ich horrende Prämien, für Leistungen, welche ich nicht beanspruche. Die alternativen Therapien bezahl ich noch so gerne selbst, wenn dafür die ruinierenden Prämien wegfallen.

  • georg am 13.01.2011 18:45 Report Diesen Beitrag melden

    hohe preise

    meinetwegen soll doch jeder ein kügelchen essen, der will. was ich aber nicht verstehe, ist der preis. wieso soll ein solches kügelchen zu hohen preisen verkauft werden, da es ja angeblich fast kein wirkstoffe enthält.

  • Gaby am 13.01.2011 14:01 Report Diesen Beitrag melden

    Nutzlos? Blödsinn!!!

    Finde ich super! Wer findet, dass die Chügeli nicht helfen, hat wohl noch keine Kinder gehabt...bei meinen drei Kleinen wirkt es sofort und die kennen den Placebo-Effekt nicht.

    • madd am 13.01.2011 17:21 Report Diesen Beitrag melden

      ui nei!

      sie sollte ihren kindern lieber nicht so zucker-kügeli geben, gibt schläuere süssigkeiten.

    • Andreas Pecora am 14.01.2011 09:16 Report Diesen Beitrag melden

      Ähm,

      damit der Placebo-Effekt wirkt, muss man Ihn auch nicht kennen...

    • Delta Lee am 20.02.2011 14:42 Report Diesen Beitrag melden

      Placebo und so

      Schon mal gehört, dass auch Pharmazeutika zu einem guten Teil nur aufgrund des Placebo-Effekts wirkt? Wenn nicht, ist das kein Wunder. Diese Studien werden gerne verschwiegen. Dafür plagören unsere Pharmariesen um so lieber mit ihren exorbitanten Gewinnen.

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  • Biologe am 13.01.2011 07:00 Report Diesen Beitrag melden

    unnütze Kügeli?

    Es müsste eigentlich 2 Krankenkassen Triefe geben, eine mit der unnützen Kügeli-Medizin und der normale. Für die nutzlosen Kügeli müsste es eine Zusatz-Versicherung sein, so dass die andern nicht auch noch für so was zur Kasse gebeten werden. Es ist noch nie was nachgwiesen worden, ausser der Glauben, dass dies hilft. Naturprodukte i.O, vom Schütten wird mir frostig, man kann es auch Schüttelfrost nennen.

  • Rolf am 12.01.2011 19:49 Report Diesen Beitrag melden

    Unglaubwürdige Bundesräte

    Didier Burkhalter hat sich mit diesem Entscheid gleich selber disqualifiziert. Vor einem Monat vertrat er noch eine ganz andere Meinung. Das schon arg gebeutelte Gesundheitswesen jetzt noch mit nochmals mit jährlich 50 Millionen Mehrkosten zu belasten ist inakzeptabel. Für mich wird der ganze Bundesrat mit solchen Entscheidungen immer unglaubwürdiger.