Längeres Leben

11. Juli 2017 00:27; Akt: 11.07.2017 05:28 Print

Kaffeetrinker haben ein stärkeres Immunsystem

Die Frage, ob Kaffeetrinken das Leben verkürzt, treibt Forscher schon lange um. Neue Studienergebnisse dürften Geniesser des schwarzen Getränks freuen.

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Kaffeetrinker profitieren womöglich gesundheitlich von ihrer Leidenschaft. Zu diesem Schluss kommt ein internationales Forscherteam, nachdem es sich Sterbedaten von mehr als einer halben Million Menschen aus zehn europäischen Ländern angeschaut hat. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in den «Annals of Internal Medicine».

Demnach war beispielsweise die Wahrscheinlichkeit der untersuchten Männer mit sehr hohem Kaffeekonsum (mehr als 580 Milliliter am Tag), innerhalb des Beobachtungszeitraums von etwa 16,4 Jahren zu sterben, 12 Prozent geringer als bei Nicht-Kaffeetrinkern. Bei Frauen waren es sieben Prozent. Um die gesundheitlichen Effekte von Kaffee isolierter betrachten zu können, rechneten die Forscher viele andere Einflüsse heraus, beispielsweise Ernährung und Rauchen.

Noch keine Empfehlung

Hauptautor Marc Gunter dämpft trotzdem zu grosse Euphorie bei Kaffeetrinkern: «Aufgrund der Grenzen beobachtender Forschung sind wir nicht an einem Punkt, eine Empfehlung für mehr oder weniger Kaffeekonsum auszusprechen.» Dennoch legten die Ergebnisse nahe, dass moderater Kaffeegenuss von etwa drei Tassen am Tag nicht schädlich für die Gesundheit sei, sondern dass Kaffee sogar gesundheitliche Vorteile haben könnte.

Gunter Kuhnle von der britischen Universität Reading, der nicht an der Studie mitwirkte, bewertet die beobachteten Effekte als eher klein. Die Ergebnisse solcher Studien würden zudem gerne sensationalisiert, obwohl sie meist keine Aussagen zur Kausalität zuliessen – also in diesem Fall zu der Frage, ob Kaffee wirklich die Ursache des Effekts war.

Zwei Milliarden Tassen pro Tag

Kaffee ist den Studienautoren zufolge eines der beliebtesten Getränke der Welt: Schätzungen zufolge werden jeden Tag 2,25 Milliarden Tassen rund um den Globus getrunken – und das, obwohl Kaffee lange Zeit als gesundheitsschädlich galt. Kaffee besteht – je nach Sorte und Zubereitung – aus mehr als 1000 verschiedenen Stoffen, darunter Koffein.

Erst im vergangenen Jahr gab die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) bekannt, dass sich ein erhöhtes Krebsrisiko durch Kaffee nicht belegen lasse. Die IARC ist eine Einrichtung der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Geringeres Risiko bei allen Todesursachen

Die neue Studie reiht sich nun in eine wachsende Zahl von Untersuchungen ein, die das negative Image von Kaffee widerlegen oder gar positive Effekte feststellen. Zu ähnlichen Ergebnissen kamen etwa Untersuchungen in den USA und Japan. Die aktuelle Studie, an der Forscher der IARC und des Imperial College in London beteiligt waren, ist nun die erste dieser Art aus Europa.

Die Forscher beobachteten, dass Menschen, die mehr Kaffee konsumieren, ein geringeres Risiko bei allen Todesursachen haben, insbesondere bei Kreislauferkrankungen und Krankheiten, die mit dem Verdauungstrakt zusammenhängen.

Bessere Immunantwort

Als Grundlage für ihre Untersuchung diente den Forschern die grosse europäische Langzeitstudie EPIC («European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition»). 16 Jahre nach der ersten Befragung der Studienteilnehmer waren fast 42'000 von ihnen gestorben.

«Unsere Studie bietet (...) wichtige Einblicke in die möglichen Mechanismen, die für die positiven Auswirkungen von Kaffee verantwortlich sind», so Marc Gunter laut einer Mitteilung. «Wir fanden heraus, dass das Trinken von mehr Kaffee mit einem günstigeren Leberfunktionsprofil und einer besseren Immunantwort verbunden war.» Laut dem nicht an der Studie beteiligten Experten Kuhnle wurde dies bereits in anderen Studien gezeigt, allerdings nicht in der gleichen Genauigkeit.

Auch Sozialstatus spielt mit

Für den Ernährungsepidemiologen schliesst die aktuelle Untersuchung eine Lücke. So sei der Zusammenhang zwischen Gesamtsterblichkeit und Kaffeekonsum zwar bereits in den USA untersucht worden, nicht aber in Europa. Das sei insbesondere deswegen interessant, da sich Stellenwert und Zubereitung von Kaffee diesseits und jenseits des Atlantiks erheblich unterscheiden würden.

«In den USA ist Kaffee ein Standardgetränk und wird insbesondere auch von Menschen niedrigerer Einkommensklassen konsumiert, während etwa in Grossbritannien Tee verbreiteter und Kaffee die Ausnahme ist.» Der Sozialstatus habe jedoch grosse Auswirkung auf die Gesundheit. Leider betrachte die neue Studie einzelne EU-Länder nicht separat.

Ist Kaffee nicht der eigentliche Grund?

Kuhnle interessiert vor allem die Frage, warum die Sterblichkeit bei höherem Kaffeekonsum geringer ist: «Ist das der Effekt von bioaktiven Verbindungen im Kaffee, die man dann etwa isolieren oder den Kaffee besser zubereiten könnte, oder gibt es einen anderen Grund?»

Es sei auch möglich, dass die gesundheitlichen Effekte gar nicht vom Kaffee stammen. Sondern dass das Getränk mit dem eigentlichen Grund für diese Effekte lediglich in einer Beziehung steht. So sei es beispielsweise denkbar, dass Menschen mit erhöhtem Krankheitsrisiko generell weniger Kaffee trinken. Die aktuelle Untersuchung deute aber zumindest darauf hin, dass Kaffeekonsum nicht ungesund sei. «Ob er aber wirklich gesund ist, ist eine andere Frage.»

(oli/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Elly am 11.07.2017 06:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Hoch auf Kaffee

    Soso........ und das trotz der böööösen Bakterien im Inneren der Kaffeemaschine :D

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  • Kaffeegeniesser am 11.07.2017 06:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rauchen

    Eine andere Untersuchung hat gezeigt, wer 80 Jahre raucht, habe gute Chancen 95-jährig zu werden ;-)

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  • So Sososo am 11.07.2017 06:15 Report Diesen Beitrag melden

    Hahaha...

    möglich, 16 Jahre nach der Befragung, rausgerechnet, könnte ... Wieso nur wird das Wissenschaftliche Studie genannt. Kaffeesatzlesen geht wesentlich schneller und hat mindesten die gleiche Aussagekraft, wenn nicht besser, da es unmittelbar und Personenbezogen stattfindet.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Frau51 am 14.07.2017 06:29 Report Diesen Beitrag melden

    Studie hin oder her

    Studie hin oder her; "die Menge macht das Gift". Niemand, auch eine noch so abgefahrene Studie soll das Gegenteil behaupten. Bei mir sind es höchstens drei Kaffee am Tag, nach auch nur einer Tasse mehr, würde ich die Belastung im Körper negativ zu spüren bekommen. So unschädlich kann Kaffee nicht sein, sollte es Tage geben an denen ich nämlich keinen Kaffee trinke, folgt sofort Kopfschmerz und im extrem Fall Schwindel der bestimmt vom Kaffeeentzug kommt. Ausserdem reagiert jeder Mensch anders auf die Inhaltsstoffe, man kann also eine Studie nicht verallgemeinern.

  • Erwin Sulzer am 12.07.2017 13:39 Report Diesen Beitrag melden

    Nach TCM Lebensverkürzung !

    Was für ein Quatsch nach TCM Medizin bedeutet Kaffee ein Stress für die Nebennieren und dies senkt dann die Lebenserwartung rapide. Zudem werden wir ja mit Kaffee Kapseln zur Demenz mutieren danke Alu.

    • Schmalzer am 12.07.2017 14:12 Report Diesen Beitrag melden

      Sulzer

      Man kauft auch keine Kaffe-Kapseln, weil viel zu teuer und extreme Umweltbelastung!

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  • Mic am 12.07.2017 09:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aha

    Wer zuviel wissenschaftliche Studien liest, könnte im Kopf verrückt werden! Gibts dazu eine Studie die das belegt?

  • Kaffeejunkie am 11.07.2017 19:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kaffee - gesund und munter

    Weiss ich, 2 Liter Kaffee pro Tag, seit 3 Jahren nicht mal einen Schnupfen gehabt. Einen Arzt auch vor 3 Jahren zuletzt gesehen. Laufe locker 20km am Stück ohne Pause. Frage mich nur warum ich noch KK Prämie zahle(n soll)....das ist das Einzige was mich mehr und mehr ansch...t!

    • Travelin am 12.07.2017 09:21 Report Diesen Beitrag melden

      @Kaffeejunkie

      Dann sollte die KK den Kaffee auch als Medizin anerkennen. Allerdings würden dann die Preise dafür vermutlich um Faktor Hundert steigen und Kaffee ist nur noch in der Apotheke erhältlich ;-)

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  • Kaffee@Kenner am 11.07.2017 16:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    1 zu 999

    Interessant wären die 999 anderen Stoffe die den 1 nen positiven aushebeln, wie Blei und Pestizide usw. usw.