Schwere Erkältungen

18. Juli 2017 20:32; Akt: 18.07.2017 20:58 Print

Warum manche Kinder anfälliger sind

Manche Kinder trifft eine Erkältung härter als andere. Forschende der EPFL haben entdeckt, dass Veränderungen an einem Gen ihre Virusabwehr beeinträchtigt.

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IFIH1 spielt bei der körpereigenen Abwehr gegen die wichtigsten Erkältungsviren eine massgebliche Rolle: Zwei Spritzen auf einmal sind für diesen Jungen zuviel, um hinzusehen. (Archiv) (Bild: Keystone/Robin Utrecht)

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Normalerweise sind grippebedingte Erkältungen bei Kindern harmlos. Bei zwei Prozent verlaufen solche Viruserkrankungen jedoch so schwer, dass die Kinder ins Spital müssen. Jacques Fellay, SNF-Förderungsprofessor an der ETH Lausanne (EPFL) hat mit internationalen Kollegen ein Gen entdeckt, das für die Virusabwehr eine entscheidende Rolle spielt und bei diesen Kindern verändert ist. Davon berichten sie im Fachblatt «PNAS».

«Wir konnten bestätigen, dass ein Gen mit dem Namen IFIH1 bei der körpereigenen Abwehr gegen die wichtigsten Erkältungsviren eine massgebliche Rolle spielt», sagte Fellay gemäss einer Mitteilung des Schweizerischen Nationalfonds (SNF). «Diese Viren verursachen Atemwegsinfektionen bei Kindern.»

Grosse Gensuche und gezielte Analyse

Bereits 2015 hatten Fellay und Kollegen das Genom von 2000 Patientinnen und Patienten untersucht, um Gene zu identifizieren, die mit der Immunabwehr gegen Viruserkrankungen zusammenhängen. Nun suchten die Forschenden gezielt im Erbgut von 120 Kindern nach Veränderungen in diesen Kandidatengenen. Die Kinder waren alle wegen schwerer viraler Infektionen der Atemwege in Spitälern der Schweiz oder in Australien behandelt worden. Bei acht der Kinder fanden sie Mutationen im Gen IFIH1.

Im weiteren konnten die Wissenschaftler bestimmen, warum die Genveränderungen die Kinder anfälliger macht: Normalerweise erkennt das von diesem Gen codierte Protein das Erbmaterial bestimmter Erkältungsviren und alarmiert das Immunsystem über eine Signalkaskade, wie EPFL-Forscherin Samila Asgari erklärte. Ihr gelang der Nachweis, dass drei Mutationen im IFIH1-Gen die Erkennung der Viren verhindert und damit die körpereigene Abwehr blockiert.

Anfällige Kinder besser schützen

Die Resultate könnten Anhaltspunkte liefern für künftige Therapien, aber auch der Prävention dienen, schrieb der SNF. «Auf Wunsch der Eltern haben wir auch die Geschwister von Kindern getestet, die eine Genmutation aufwiesen», sagte Fellay. So lasse sich zeigen, ob diese Kinder ebenfalls anfälliger für Infektionen sind. Im Falle einer Epidemie hätten die Eltern nun stichhaltige Gründe, ihre Kinder zu Hause zu behalten. Und bei einer Erkältung wüssten sie, dass sie rasch das Spital aufsuchen sollten.

Einen solchen Gentest der Infektionsanfälligkeit könnte man theoretisch auch im Zuge der üblichen Blutuntersuchungen nach der Geburt durchführen, so Fellay weiter. «Zugleich muss aber in einem gesellschaftlichen Diskurs festgelegt werden, welche Arten von Gentests erwünscht sind und welche nicht.»

Hinzu kommt: Die Abwehrkräfte des Immunsystems unterscheiden sich von Person zu Person und Mutationen im IFIH1-Gen dürften nur ein Puzzlestein unter vielen sein, um individuelle Unterschiede zu erklären.

(nag/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ramona am 19.07.2017 07:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Impfung teilweise

    Ich bin der Meinung das Basisimpfungen wichtig sind. Auch für die Allgemeinheit. Eine Schwangere möchte ich nicht mit Röteln anstecken. Ein Immungeschwächtes Kind z.B. Leukämie will ich nicht schädigen. Damit kann ich meinen kleinen Beitrag leisten. Was ich sicher nicht impfe, ist die Grippeimpfung, Varizellen oder HPV. Auch die Hepatitis B Impfung im Säuglingsalter lehne ich ab. Wichtig ist doch zu unterscheiden was und wo es sinn macht und wann nicht.

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  • Mama am 18.07.2017 23:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    heikles Thema

    impfen ist immer und überall ein heikles Thema es gibt immer befürworter und gegner. Ich habe meine Kinder Impfen lassen. vor 2 Jahren sogar gegen Grippe ( da es extrem Frühchen sind). Ansonsten einfach gegen die Kinderkrankheiten wie Masern,Mumpf ect. (ausser Wildeblatern). meiner Meinung nach MÜSSTE man die Eltern zwingen, Kinder gegen Masern und solche Krankheiten zu Impfen. Jedoch Grippe ect. sollte jeder für sich entscheiden können.

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  • Dr. Faust am 19.07.2017 15:39 Report Diesen Beitrag melden

    zuerst angst machen, dann action

    Genau.. und in Zukunft gibts für die lieben kleinen, denn Nano-RFID Chip gleich mit in der Impfung.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Minu am 23.07.2017 12:03 Report Diesen Beitrag melden

    Wie wenn

    Kinder und Jugendliche sich täglich als erstes Süssgetränke reinschütten, dann aufgedreht sind und zappelig und ihnen dann ADHS diagnostiziert wird und sie dann mit Ritalin ruhig gestellt werden. So ein Irrsinn findet durch Impfungen seit x Jahren statt. Statt aber selbst kritisch zu hinterfragen, können Dinge per se nicht sein, die nicht sein dürfen. Koch und Jenner, auf dessen Studien die ganze Impftheorie basiert, haben auf ihrem Sterbebett zugegeben, dass das "alles" nicht so ganz richtig war. Aber die Wahrheit ist eben unangenehm und würde zig Milliardengewinn sofort auflösen.

  • Dr. Faust am 19.07.2017 15:39 Report Diesen Beitrag melden

    zuerst angst machen, dann action

    Genau.. und in Zukunft gibts für die lieben kleinen, denn Nano-RFID Chip gleich mit in der Impfung.

    • Bill am 19.07.2017 18:59 Report Diesen Beitrag melden

      @Dr. Faust

      Nicht schlecht. Der "Gegenseite" im Titel eine Taktik unterstellen, und diese dann gleich im nächsten Satz selbst anwenden. Ich nehme mir den Hinweis zu herzen und lasse mir keine Angst vor Impfungen machen. Oder ist Angst machen nur etwas schlechtes, wenn es die Anderen tun?

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  • San Dan am 19.07.2017 14:26 Report Diesen Beitrag melden

    durch die Eltern gestresst

    Vermutlich schlafen die Kinder auf Wasseradern, und die körper können sich nicht mehr erhohlen. Andere Kinder werden voll durch die Eltern gestresst... Leistung/Aussehen/Aufgaben/tausend Hobbies/überall dabei sein/keine Aufmerksamkeit der Eltern.u.s.w.. das Kind rennt mit aber der Körper bekommt schaden welche ""unerklärlich"" schein.......aber ja der Doktor soll medikamente geben und dem Kind die gefühle nehmen ...damit es wieder allem nach rennen kann...

    • Mino am 19.07.2017 16:58 Report Diesen Beitrag melden

      @San Dan

      Satzzeichen sind keine Herdentiere. ;) Das mit den Wasseradern kann man wieder in den Kübel schmeissen, aber das Kinder bereits Stress ausgesetzt sind, stimmt leider meistens. Alles muss möglich schnell und normal gehen, wenn ein Kind einen Sprachfehler hat oder hibbelig ist, ist es sofort "speziell" und muss möglichst schnell "normalisiert" werden. Das kann sich wahrscheinlich schon auf die Gesundheit auswirken.

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  • baba am 19.07.2017 10:03 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht die Muttermilch?

    Ach was? Mir wurde immer gesagt man soll unbedingt Muttermilch geben. Konnte ich leider nicht aber siehe da, mein 3 jähriger ist praktisch nie krank ganz im Gegensatz zu Kindern die ich kenne welche monatelang gestillt wurden...

  • Ramona am 19.07.2017 07:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Impfung teilweise

    Ich bin der Meinung das Basisimpfungen wichtig sind. Auch für die Allgemeinheit. Eine Schwangere möchte ich nicht mit Röteln anstecken. Ein Immungeschwächtes Kind z.B. Leukämie will ich nicht schädigen. Damit kann ich meinen kleinen Beitrag leisten. Was ich sicher nicht impfe, ist die Grippeimpfung, Varizellen oder HPV. Auch die Hepatitis B Impfung im Säuglingsalter lehne ich ab. Wichtig ist doch zu unterscheiden was und wo es sinn macht und wann nicht.

    • Rolf Gysling am 19.07.2017 10:35 Report Diesen Beitrag melden

      @Ramona

      Wir sind genau auch dieser Meinung. Unsere Kinder wurden gegen Polio, Masern, Pneumokoken und DiTe geimpft. Den Rest lassen wir (vorerst) aus. Wie soll denn ein Kind eine Hepatitis B (direkte Übertragung durch Körperflüssigkeiten) bekommen? Röteln oder Mumps kann man vor dem Teenie Alter noch Impfen, wenn nötig.

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