95 Prozent Zuverlässigkeit

01. April 2017 13:42; Akt: 03.04.2017 13:30 Print

Schweizer Forscher haben Pädophilie-Test entwickelt

Wissenschaftler in Basel versuchen mit einem virtuellen Strandspaziergang herauszufinden, ob jemand pädophil ist.

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Beim Test wird unter anderem die Hautleitfähigkeit gemessen: Ein Befrager bringt Elektroden an der Hand eines Mannes an. (Symbol) (Bild: Keystone/Fernando Vergara/AP)

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An der Universitären Psychiatrischen Kliniken wurde im Rahmen eines mehrjährigen Forschungsprojekts ein Test entwickelt, der helfen soll, pädophile Neigungen von Sexualstraftätern künftig zuverlässiger einschätzen und angemessener behandeln zu können. Bei Versuchen mit insgesamt 64 Personen sei es gelungen, verurteilte Kindsmissbraucher und nicht-pädophile Kontrollpersonen mit einer Zuverlässigkeit von 95 Prozent zu unterscheiden. Das geht aus dem Abschlussbericht des Projekts zuhanden des Bundesamts für Justiz (BJ) hervor, über den die Zeitung «Schweiz am Wochenende» berichtet.

Beim Test wird den Teilnehmern ein virtueller 3D-Strandspaziergang gezeigt. Auf verschiedenen Filmchen sind Frauen in Bikinis, Männer in Shorts und Kinder in Badekleidern zu sehen. Eine Elektrodenkappe misst derweil die Gehirnaktivität der Teilnehmer, ihre Atmung und ihr Puls werden überwacht, Kameras scannen ihre Pupillen und ihre Hautleitfähigkeit wird gemessen. Anhand dieser Körpersignale versuchen die Forscher zu eruieren, ob beim Teilnehmer pädophile Neigungen vorhanden sind.

«Man kann Anhaltspunkte für eine pädosexuelle Präferenz erhärten»

Das Forschungsprojekt wurde 2012 gestartet und vom BJ mit 630'000 Franken finanziert. Die Bundesbehörde zeigt sich in einem Schreiben mit den Ergebnissen zufrieden. Gemäss dem Abschlussbericht lassen sich so zuverlässigere Aussagen über eventuelle pädophile Veranlagungen von Straftätern machen und ihr Übergriffsrisiko besser einschätzen.

Marc Graf ist Chefarzt der Forensisch-Psychiatrischen Klinik und leitet das Projekt. Ob ein solcher Test auch vor Gericht zur Anwendung kommen könnte, sei Sache der Richter. «Unsere universitäre Forschung ist ergebnisoffen», erklärt der Forscher im Gespräch mit der Zeitung. «Man kann damit sowohl Anhaltspunkte für eine pädosexuelle Präferenz erhärten als auch im gegenteiligen Fall eine angeschuldigte Person von einem entsprechenden Verdacht entlasten.»

Die Ergebnisse werden an einem Forschungstreffen im Mai besprochen. Die Zahl der Teilnehmer zeigt, wie wenige Wissenschaftler sich überhaupt an dieses heikle Thema wagen: Es nehmen drei Forscher aus Deutschland und einer aus Finnland teil.

(mch)