Eines gegen alle

23. September 2014 12:57; Akt: 23.09.2014 12:57 Print

Neue Impfmethode könnte vor HIV schützen

Trotz aller Bemühungen sind Impfstoffe gegen Infektionen wie HIV, Malaria und Hepatitis C noch immer Zukunftsmusik. Doch nun haben Forscher einen vielversprechenden Weg gefunden.

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Ein kleiner Pieks und schon ist man – zumindest für eine Weile – gegen bestimmte Bakterien und Viren geschützt. Eine Ansteckung durch sie ist dann unmöglich. Für Krankheiten wie Tetanus und Hepatitis B ist das schon lange möglich. Eine Impfung gegen HIV und Malaria gibt es hingegen noch nicht.

Eine Entwicklung von Forschern des California Institute for Technology in Pasadena könnte das nun ändern. Denn das Team um Nobelpreis-Träger David Baltimore hat mit der sogenannt gerichteten Immunprofilaxe (vectored immunoprphylaxis, kurz VIP) ein Verfahren entwickelt, das dem Körper anders als herkömmliche Impfungen (siehe Box) «Baupläne» liefert, damit er die Antikörper selbst herstellen kann.

Dafür wird mindestens ein Antikörper benötigt, der im Labor Infektionen verhindern konnte. Dessen Gene werden dann in sogenannte Adeno-assoziierte Viren (AAV) eingearbeitet, die dem Empfänger gespritzt werden.

Wirksam gegen HIV und Grippe

An Mäusen wurde die Methode bereits 2011 gegen HIV getestet – mit Erfolg: Keines der Tiere infizierte sich mit dem Virus. Auch dann nicht, als die Forscher ihnen die 100-fache Menge des Virus injizierten, die eigentlich für die Ansteckung von Mäusen genügt, wie die Hochschule mitteilt. Zurzeit sind sie gemeinsam mit einem Hersteller daran, Wirkstoffe für klinische Tests an Menschen zu entwickeln.

Aufgrund der vielversprechenden Ergebnisse haben die Forscher die Methode auch für andere Infektionskrankheiten wie Grippe geprüft. Zwar gibt es bereits Impfmittel gegen Influenza-Viren. Doch weil sich diese kontinuierlich verändern, müssen die Wirkstoffe regelmässig angepasst werden. Das kostet Zeit und mitunter Leben. Jährlich sterben weltweit bis zu 500'000 Menschen daran.

Tests an Menschen geplant

2013 gelang es Baltimore und seinen Kollegen mithilfe der VIP-Methode, Mäuse gegen mehrere Grippe-Viren zu immunisieren. Denn die von ihnen verabreichten AAV banden sich nicht wie herkömmliche Impfstoffe an den Kopf des Virus, sondern an dessen Stiel. Der Clou: Im Gegensatz zum Kopf, der sich durch Mutationen ständig verändert, bleibt der Stiel immer ähnlich.

«Wir haben gezeigt, dass wir so Mäuse komplett gegen Grippe schützen können, ohne die Antikörper jedes Jahr anpassen zu müssen», so der Nobelpreisträger von 1975. Ob der Effekt auch beim Menschen eintritt, müssen jedoch erst noch weitere Studien zeigen.

Möglicherweise ein Allheilmittel

Mittlerweile wenden auch andere Forschergruppen die VIP-Methode an mit ebenfalls vielversprechenden Ergebnissen. So haben Wissenschaftler der Johns Hopkins School of Public Health zeigen können, dass eine so verabreichte Impfung 70 Prozent der Mäuse im Experiment vor einer Infektion mit Plasmodium falciparum, dem tödlichsten Malaria-Erreger, bewahrte.

Auch im Kampf gegen Hepatitis C könnte das neue Verfahren helfen: Forscher der Rockefeller University in New York konnten nachweisen, dass drei verschiedene so injizierte Antikörper Mäuse vor der infektiösen Leberentzündung schützten. Mehr noch: Die Behandlung schlug sogar auch bei bereits erkrankten Tieren an. Bei ihnen verschwand die Krankheit zumindest vorübergehend.

Beide Studien werden nun fortgesetzt, um weitere Erkenntnisse zu gewinnen und das Verfahren im besten Fall für den Einsatz beim Menschen zu optimieren.

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Seppi am 23.09.2014 17:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Impfen

    Ich habe 2 Fragen, die mir noch kein Arzt schlüssig beantworten konnte. Vielleicht kann mir ein Leser helfen: Wenn eine Impfung imunisiert, 1. wieso muss in regelmässigen Abständen nachgeimpft werden? 2. kann ein geimpftes Kind in der Schule von einem ungeimpften Kind angesteckt werden? Danke für Eure Antworten.

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  • Der Tom am 23.09.2014 21:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heuschnupfen

    Die sollen doch lieber mal etwas gegen Heuschnupfen suchen.

  • Svatschina am 23.09.2014 14:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Cool

    Ab wann ist die impfung möglich?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Der Tom am 23.09.2014 21:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heuschnupfen

    Die sollen doch lieber mal etwas gegen Heuschnupfen suchen.

  • Seppi am 23.09.2014 17:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Impfen

    Ich habe 2 Fragen, die mir noch kein Arzt schlüssig beantworten konnte. Vielleicht kann mir ein Leser helfen: Wenn eine Impfung imunisiert, 1. wieso muss in regelmässigen Abständen nachgeimpft werden? 2. kann ein geimpftes Kind in der Schule von einem ungeimpften Kind angesteckt werden? Danke für Eure Antworten.

    • allan am 23.09.2014 22:10 Report Diesen Beitrag melden

      aha...

      1: weil sich, wie im artikel beschrieben, die erreger verändern. aus diesem grund musst du dich jedes jahr gegen grippe impfen. weil das virus mutiert. 2: nein, kann es nicht, da es geimpft ist. wie dir kein arzt dies erklären konnte, sehe ich nicht ein. welche kräutermixer besuchst du denn?

    • h.p. am 23.09.2014 22:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Fachwissen extra light

      1. Welche Impfungen meinen sie genau? Bei der Grippe ist es nötig da das Virus stark mutiert. Bei anderen "vergessen" die Immunzellen mit der Zeit wie der Antikörper genau aufgebaut sein muss. 2. Ja, ein geimpftes Kind kann sich theoretisch bei einem ungeimpften Kind anstecken wenn dieses ein mutiertes Virus in sich trägt.

    • Chrigu Buggle am 23.09.2014 23:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      die Antwort

      1. Viren ändern ihre Form, das Immunsystem erkennt sie nicht mehr 2. Nein, da die Antikörper auf die Antigenr reagieren, da sie diese ka von der Impfung "kennen"

    • Pascal am 24.09.2014 01:16 Report Diesen Beitrag melden

      Antworten?

      1) Weil der Virus ständig mutiert (vereinfacht, sein Aussehen verändert), und darum die Antikörper die der Körper produziert ihn nicht mehr erkennt. 2) Die Impfung zeigt dem Körper teile des Virus. Der Körper erkennt diese und stellt Antikörper her. Dieser Mechanismus funktioniert nicht immer. Das heisst man kann ein Kind impfen, hat aber immer das Risiko das es bei genau diesem Kind nicht funktioniert hat (Das liegt je nach Impfung bei weniger als 1% bis zu 20%, darum muss man zum Teil mehrmals impfen (Hepatitis)). Und dann kann es angesteckt werden.

    • sandra meier am 24.09.2014 01:47 Report Diesen Beitrag melden

      ganz einfach

      1. weil sie nicht die gleiche Immunität hinterlässt wie eine durchgemachte erkrankung (wir können durch Imfungen mittlerweile ja eine Immunität gegen Erreger erzeugen, von denen es 'in der Natur' garkeine Immunität gibt wie zb. Tetanus, Hep.B, Keuchhusten) 2. In der Theorie ja, weil z.B Viren immer mutiere. Also den nicht-geimpften Patienten anstecken, mutieren, und dann den geimpften Patienten anstecken. Aber Viren mutieren die ganze Zeit also...

    • Stefan am 24.09.2014 07:56 Report Diesen Beitrag melden

      Antwort

      1. Beim Impfen wird dein Körper auf die Krankheit vorbereitet. Er stellt Antikörper her und ist dadurch geschützt. Jede Zelle in deinem Körper hat aber eine gewisse Lebensdauer. Irgendwann sind also die Zellen die diesen speziellen Antikörper also weg da sie nicht gebraucht werden und du bist nicht mehr geschützt. 2. Ja. Aber nur weil es keinen 100%igen Impfschutz geben kann. Dies kann an Mutationen des Virus liegen oder an der Geimpften Person. Mit einer Impfung versucht man oftmals Ausbreitungen zu vermeiden. Darum macht es bei gewissen Krankheiten Sinn alle zu Impfen.

    • Fabio am 24.09.2014 07:58 Report Diesen Beitrag melden

      Antworten

      2. Ja, da wie bei jedem Medikament auch eine Impfung nicht bei jedem wirkt und keinen 100% Schutz bietet. Weiterhin trägt auch ein geeimpftes Kind den Virus in sich, er wird einfach sofort vom Immunsystem bekämpft. Zum Punkt 1, das liegt daran dass nicht jeder gleich auf den Wirkstoff reagiert und man nicht immer genau sagen kann, ob mit einer einzelnen Dosis bereits genug Gedächtniszellen gebildet wurden. Wie jeder Prozess im Körper dauert auch der Aufbau einer Immunität seine Zeit.

    • Davaid L. am 24.09.2014 13:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Kein Arzt

      1. Weil der Erreger sich anpassen kann und so die alte Impfung obsolet macht. 2. Nope, kann es nicht. Ich wurde auch gegen Rötteln geimpft und als es dann in der Schule die Runde machte, wurde ich nicht krank. Wenn es sich aber gegenüber der Basisimpfung resistent macht, siehe punkt 1. By the way, heutzutage gibt es Google, da kann man sich viele unnötigen Fragen sparen und sich weiterbilden =P

    • Dr. Gabber am 24.09.2014 19:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Seppi

      gewisse Impfungen wirken ein Leben lang, weil die Erreger nicht mutieren. Folglich müssen, z.B. bei der Grippeimpfung, jedes mal angepasste Impfstoffe verwendet werden, da die alten nicht mehr wirksam sind. Bei Kinderkrankheiten ist es so, man hat sie einmal und nie mehr. Folglich ist es aus meiner Sicht ziemlich unwahrscheinlich, dass sich ein geimpftes Kind bei einem nicht geimpften anstecken kann.

    • Thomas am 25.09.2014 13:01 Report Diesen Beitrag melden

      Impfen

      Alles was ich weiss ist, dass die Viren der Krankheit ja gespritzt werden, so dass das Immunsystem diese Bekämpf und danach weiss wie diese Viren zu bekämpfen sind.

    • Hofmann S. am 25.09.2014 19:28 Report Diesen Beitrag melden

      Bin kein Doctor aber...

      Ich bin kein Fachmann jedoch weiss ich was ich gehört habe. Die meisten Viren gegen die wir uns impfen lassen, mutieren permanent. Was das bedeutet ist dass sie geimpft werden gegen das Virus das bereits bekannt ist jedoch ist es unmöglich sich impfen zu lassen gegen ein Virus den man nicht kennt. Nun zur 2te Frage. Ja es kann angesteckt werden jedoch nicht mit dem Virus den es geimpft worden ist. Nun sollten sie sich fragen ob es sich überhaupt lohnt zu impfen oder ob sie einfach ihr Kind ohne Impfung die Krankheit bekämpfen lassen und somit die Abwehrkräfte stärken wollen.

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  • René Hertli am 23.09.2014 17:10 Report Diesen Beitrag melden

    wie war das mit Antibiotika?

    und wenn wir gegen das Allheilmittel resistent werden...?!

    • Karl am 23.09.2014 20:09 Report Diesen Beitrag melden

      Antibiotika Impfung

      Wir werden gegen Antibiotika nicht resistent, die Bakterien werden es. Ausserdem funktionieren Antibiotika und Impfungen völlig unterschiedlich, also OT.

    • allan am 23.09.2014 22:11 Report Diesen Beitrag melden

      einfach

      antibiotika = mittel gegen bakterien. wenn etwas resistent wird, dann die bakterien, nicht wird. bei resistenzen sucht man nach neuen arzneimitteln, ganz einfach (einfache antwort. neue arzneimittel finden an sich ist eine enorme herausforderung)

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  • marianne broennimann am 23.09.2014 16:58 Report Diesen Beitrag melden

    Impfen ist der Hit, Demenz zeigt es klar

    Schon vor mehr als einem halben Jahrhundert warnte uns ein Chemiker vor den schlimmen Folgen...er wurde als Spinner verschrien....was zeigt uns Alzheimer heute?

    • allan am 23.09.2014 22:08 Report Diesen Beitrag melden

      blabla

      alzheimer zeigt uns heute, dass wir nunmal älter werden und bessere diagnoseverfahren haben als noch vor 50 jahren? schon mal was von überalterung gehört? von fortschritt in der medizin und technik?

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  • Svatschina am 23.09.2014 14:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Cool

    Ab wann ist die impfung möglich?