Weniger Nebenwirkungen

11. Juni 2012 19:33; Akt: 11.06.2012 19:34 Print

Mit Nano-Linsen gegen verengte Arterien

Mit sogenannten Nanocontainern wollen Schweizer Forscher künftig Medikamente gegen Arteriosklerose dorthin bringen, wo sie gebraucht werden: direkt in die verengten Blutgefässe.

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Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die durch Arteriosklerose verursacht werden, sind heute weltweit die häufigste Todesursache. In der Schweiz sterben jedes Jahr über 20 000 Menschen daran, was 37 Prozent aller Todesfälle entspricht. Die Ablagerungen in den Blutgefässen entwickeln sich bereits im jungen Erwachsenenalter.

Nun haben Forscher der Universität und der Universitätskliniken Genf sowie der Universität Basel Nanogefässe in Linsenform geschaffen, die die Behandlung der Arteriosklerose umkrempeln sollen.

Platzende Linsen setzen Wirkstoff frei

Herkömmliche Medikamente wie Nitroglycerin wirken auf das ganze Blutsystem und haben schwerwiegende Nebenwirkungen, wie ein starkes Absacken des Blutdrucks. Die Nanocontainer hingegen sind so konstruiert, dass sie an verengten Stellen der Blutgefässe bersten und den darin enthaltenen Wirkstoff vor Ort freisetzen.

Um die Transportvehikel zu kreieren, hat das Team aus Medizinern, Physikern und Chemikern natürliche Moleküle namens Phospholipide so umgebaut, dass sie hohle Kugeln bilden. Diese lassen sich durch Erhitzen und Abkühlen zu Linsen formen, die an der «Bauchstelle» etwas schwächer sind. So platzen sie an verengten Stellen, wo die Reibung erhöht ist.

Diese Linsen haben die Forschenden in einem künstlichen Herz- Kreislauf-Modell aus Kunststoffröhren getestet. Tatsächlich war die Konzentration des Wirkstoffs an verengten Stellen signifikant höher als in normalen Gefässen, wie die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift «Nature Nanotechnology» online berichten.

Nebenwirkungen vermeiden

Wenn künftig ein intravenös gespritztes Mittel nicht mehr alle Arterien, sondern nur die verengte Stelle erweitern würde, lasse sich das gefährliche Absinken des Blutdrucks verhindern, schreibt die Universität Basel in einer Mitteilung. So werde während und nach einem Herzinfarkt gezielt die Durchblutung des betroffenen Gefässes erhöht, was erwünscht sei.

Sollte sich das Prinzip auch im lebenden Organismus bewähren, dann könnten sich für viele Herz-Kreislauf-Patienten neue Behandlungsoptionen eröffnen, teilt die Hochschule mit.

(sda)