Ruhig gestellt

25. Juni 2012 12:46; Akt: 25.06.2012 15:29 Print

Immer mehr Kindern wird Ritalin gegeben

Zwischen 2005 und 2008 haben 40 Prozent mehr Kinder, die an ADHS leiden, das Medikament Ritalin eingenommen. Davon sind viel mehr Knaben betroffen. Das zeigt eine Studie.

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Immer mehr Kindern wird Ritalin gegeben. (Bild: Keystone)

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Die Bezüge von Medikamenten gegen die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) haben zwischen 2005 und 2008 deutlich zugenommen. 40 Prozent mehr Kinder erhielten ein solches Medikament, wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) in seinem Bulletin vom Montag berichtet.

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Im Jahr 2008 bezogen zwischen 8 und 9 von 1000 Kindern bis zum Alter von 18 Jahren den Ritalin-Wirkstoff Methylphenidat, während es im Jahr 2005 noch 6 von 1000 Kindern waren. Fast viermal so viele Knaben wie Mädchen wurden gegen ADHS behandelt, eine Störung, die im Kindesalter entsteht.

Die Erhebung erfasste, welche Mengen dieser Medikamente über drei grosse Schweizer Krankenkassen - Groupe Mutuel, KPT und Visana - bezogen worden waren. Die Daten hat das Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften im Auftrag des BAG anonymisiert ausgewertet.

Der Anteil der Kinder, die ADHS-Medikamente bezogen, nahm im Alter von sechs und zwölf Jahren zu und danach wieder ab, schreibt das BAG. Demnach erhielten im Jahr 2007 drei von 100 zwölfjährigen Knaben und knapp eins von 100 gleichaltrigen Mädchen Methylphenidat.

Bezogene Menge steigt

Die Studie bestätigte zudem den schon früher beobachteten Trend, dass die eingenommene Wirkstoffmenge zunimmt: Sie stieg in diesen vier Jahren um 9 Prozent von durchschnittlich fünf auf fünfeinhalb Gramm pro Jahr. Die Kinder nahmen das Medikament im Schnitt während 275 Tagen ein. Damit sei nur eine Minderheit Langzeitbezüger, schreibt das BAG.

In der Schweizer Bevölkerung leiden zwischen 2,6 und 10 Prozent der Kinder an ADHS, worunter ihre Sozialkontakte und Schulleistungen leiden. Somit werde nur ein Teil der Betroffenen mit Medikamenten behandelt, was mit den Behandlungsempfehlungen übereinstimme, schreibt das Amt.

Die Erfassungsmethode erlaubte es zudem festzustellen, wer die Medikamente verschrieben hatte. Zu drei Vierteln waren dies Kinderärzte, Allgemeinärzte und Kinderpsychiater. Auch Kliniken verschrieben die Mittel gelegentlich. 80 Prozent der Medikamente wurden in Apotheken abgeholt.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Betroffener am 25.06.2012 21:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    AD(H)S entsteht durch einen Gendefekt!

    Bei AD(H)S-Patienten ist der Stoffwechsel von Botenstoffen im zentralen Nervensystem gestört. Mangelt es an diesen chemischen Substanzen, ist eine betroffene Person nicht in der Lage, wirklich Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Es entsteht eine Reizüberflutung im Kopf und weitere daraus folgende Symptome. Das Medikament Ritalin enthält den Wirkstoff Methylphenidat. Methylphenidat ist kein Beruhigungsmittel, machen weder "high" noch süchtig, sondern stimulieren nur die mangelnden Botenstoffen im Gehirn betroffener. Und somit können AD(H)S-Patienten ein fast normales Leben führen!

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  • Nilatir wirkt am 26.06.2012 08:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ehrfahrung

    Als Gebraucher dieses Medikaments muss ich sagen, dass es mir in der s Schule und bei der Arbeit sehr geholfen hat! Ich war zuerst auch dagegen aber nach erfolglosen Versuchen und einem Kanti-Abbruch und noch einem Lehr-Abbruch hab ichs doch geschafft! dank Ritalin kann ich wichtige Sachen von Unwichtigem trennen. Natürlich hat es Nebenwirkungen wenn man es auf lange Zeit nimmt. Z.b: Müdigkeit nach abklingen der Wirkstoffzeit, Hungerlosigkeit, Gefühlslosigkeit, Kopfweh. Darum nehme ich es nur unter der Woche und setze es am Wochenende ab. Im Endeffekt hilft es mir sehr! Aber wie lange?

  • Erika Nydegger am 25.06.2012 18:53 Report Diesen Beitrag melden

    Erschreckend ...

    Zitat aus Wikipedia zur Pharmakologie: "Methylphenidat wirkt anregend und aufregend (psychoanaleptisch). Es unterdrückt Müdigkeit und Hemmungen und steigert kurzfristig die körperliche Leistungsfähigkeit. Normalerweise bei körperlicher Überlastung auftretende Warnsignale wie Schmerz und Erschöpfungsgefühl werden vermindert. Methylphenidat hemmt den Appetit." Die amerikanische Drogenbehörde DEA stuft Ritalin als ebenso gefährliche Droge ein wie Heroin und Kokain.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Denker am 28.06.2012 13:54 Report Diesen Beitrag melden

    Ritalin ein sehr kontroverses Thema!

    Offensichtlich erhitzt diese Thema die Gemüter sehr! Ich gehe mal davon aus, dass es vor allem mit Unsicherheit und Ängsten zu tun hat. Wer sich tiefer mit dem Thema befasst stellt fest, dass sich auch Fachleute keineswegs einig sind. Die Diagnose AD(H)S ist umstritten und man versucht das Ganze an biochemischen oder neurologischen Veränderungen festzumachen. Das Gehirn wird aber nicht zuletzt durch das Leben geformt (real, organisch) und es kann sich verändern. Der Ansatz, moderne Entwicklungen in der Gesellschaft zu hinterfragen finde ich hier zumindest vernünftig!

  • Atheist am 28.06.2012 13:32 Report Diesen Beitrag melden

    Ist doch cool!!!

    Die Pille zum Ruhig-Werden und Konzentrieren! Vielleicht gibts ja bald auch die Prüfungspille oder wie wärs mit der Liebespille, der Treuepille, der Anstandspille oder generell der Erziehungspille?... kommt ja sicher noch!! Also ich find total praktisch, schliesslich ist unser ganzes Leben doch reine Biochemie! Aus chillen wird pillen...  Es lebe der Fortschritt!!

  • sama am 27.06.2012 10:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nehmt die kinder wie sie sind!

    mein sohn hatte 2 jahre lang ritalin. habe mich von der gesellschaft und lehrer dazu verleiten laßen! es ging richtig bergauf in der schule und in die familie kehrte ruhe ein. doch schon nach churzer zeit mußte wir die dosis erhöhen und erhöhen. am schluß nahm er schon mehr als 3 tabletten im tag! die wirkung läßt also nach und der körper gewöhnt sich dran! er nahm auch nicht mehr zu und dann bekamen wir noch fast eine anzeige des arztes, weil er unterernährt war! ernährungsberatung folgte! was ist nun gut an ritalin? daß die lehrer und die gesellschaft nicht gestört werden? die gesundheit ist ja wohl wichtiger! nehmt die kinder wie sie sind- mit ihrer behinderung! bei down-syndrom, wo die behinderung ersichtlich ist, die nimmt man auch wie sie sind!

  • Tami am 27.06.2012 09:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfache Erziehung?

    Eine neue Studie aus Deutschland zeigt ganz klar,dass die meisten ADHS Kinder gar kein ADHS haben. Es ist natürlich einfachere Erziehung. Die Eltern machen es sich manchmal schon einfach! Also lasst die Kinder, Kinder sein!

  • r.gut am 27.06.2012 09:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ritalin

    ich selber nehme ritalin seit ich 13 bin. in der schule konnte ich mich seit der einnahme um einiges besser konzentrieren und meine leistung hat sich verbessert. jeddoch bin kch extrem ruhig geworden. freunde fragen mich auch ab und zu weshalb das so ist. hinzu kommt. dass ich auch weniger gut schlafe und viele dinge extrem ernst sehe und mir tausende gedanken durch deb kopf schiessen bei der arbeit, auch wen es nur kleinigkeiten sind die eigentlich nicht schlimm sind. ob ritalin gut ist kan ich nicht sagen. ich bin jeddoch der meinung, dass es andere wege zur unterstützing gibt