Hightech im OP-Saal

13. November 2013 20:53; Akt: 13.11.2013 21:10 Print

Operieren Chirurgen bald mit Google Glass?

von Hannes von Wyl - Die Genfer Universitätsspitäler wollen verschiedene Datenbrillen im Operationssaal testen. Damit sollen Chirurgen in der Lage sein, in den Körper der Patienten zu sehen.

So könnte die Zukunft der Chirurgie aussehen: In einem Modellversuch testet ein Anästhesist des Beth Israel Deaconness Medical Center in Boston die Datenbrille Google Glass während einer Operation. (Video: Philips Healthcare)

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«Die Möglichkeiten, die beispielsweise Google Glass in der Chirurgie bietet, sind schlicht genial», sagt Christian Lovis, Leiter der Abteilung Medical Information Sciences der Genfer Universitätsspitäler. Mit seinem Team erforscht er die medizinische Nutzbarkeit von sogenannten Datenbrillen, die verschiedenste Informationen im Gesichtsfeld des Trägers anzeigen können.

Blick unter die Schädeldecke

«Zum Einsatz könnte Google Glass überall da kommen, wo Vitalfunktionen von Patienten überwacht werden müssen, also in der Pflege oder während Operationen.» Informationen wie Puls, Blutdruck oder Sauerstoffsättigung könnten direkt vor den Augen eines Pflegers oder Chirurgen angezeigt werden. «So kann sich das Personal freier bewegen und die Werte schneller den einzelnen Patienten zuordnen», erklärt Lovis. Auch in der Rettungssanität sei der Einsatz von Google Glass denkbar. Über die Brille könnten den Rettungssanitätern Informationen über die Patienten und Vitalfunktionen angezeigt sowie Einsätze besser koordiniert werden. «Das würde es ermöglichen, den Patienten nicht aus den Augen zu lassen und gleichzeitig Platz zu sparen.»

Andere Datenbrillen sollen aber noch viel tieferen Einblick in den Gesundheitszustand des Patienten geben. Gewisse Modelle könnten dazu in der Lage sein, aus Gewebe-Scans generierte 3D-Bilder so anzuzeigen, dass sie die entsprechenden Körperteile des Patienten im Gesichtsfeld des Chirurgen überlappten. «So sähe der Chirurg beispielsweise nicht nur den Kopf eines Krebspatienten, sondern gleichzeitig auch ein 3D-Modell seines Gehirns mit der exakten Position des Tumors.»

Gefahr der Ablenkung

«Die Bedeutung von solchen Systemen, die mehr als die Realität zeigen, wird in der Medizin weiterhin zunehmen», ist auch Ralph Schmid, Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Chirurgie, überzeugt. Gerade leichte und tragbare Geräte wie Google Glass könnten die Ergonomie verbessern und Kosten sparen, denn bisherige Anzeigesysteme seien gross, teuer und unbeweglich. Dem Einsatz während einer Operation steht Schmid aber skeptisch gegenüber: «Dabei ist höchste Konzentration gefragt. Werden Informationen im Gesichtsfeld von Chirurgen eingeblendet, dürfte dies eher ablenken.» Schmid sieht den Nutzen vor allem in der medizinischen Ausbildung. Ein angehender Chirurg könnte während der Operation angeleitet und in Echtzeit mit visuellen Informationen versehen werden.

«Google Glass ohne Google»

«Die Anforderungen an solche Systeme im medizinischen Kontext sind punkto Auflösung, Zuverlässigkeit und Datensicherheit sehr hoch», sagt Schmid. Besonders beim Datenschutz sei bei der Verwendung von Google Glass Vorsicht geboten, pflichtet Lovis bei. Im Originalzustand übertrage die Brille Ton und Bild an Google-Server in den USA, wo die Daten verarbeitet und schliesslich wieder an das Gerät gesendet würden. «Voraussetzung für den Einsatz solcher Datenbrillen im medizinischen Kontext ist die Datenhoheit der Spitälern. Das bedingt geschlossene Systeme ohne Kommunikation mit Servern ausserhalb der Kliniken», sagt Lovis. «In Zusammenarbeit mit der Universität Pennsilvania ersuchen wir nun Google um die Bereitstellung der Hardware ohne Softwareanbindung, also gewissermassen Google Glass ohne Google.» Sobald Google eine Brille ohne Softwarebindung zur Verfügung stelle, werde seine Abteilung verschiedene Einsatzmöglichkeiten testen.

Dies hat David Feinstein, Anästhesist des Betzh Israel Deavonness Medical Center in Boston in einem anderen Projekt bereits getan, wie die «Aargauer Zeitung» berichtet (siehe Video). Über eine von Accenture und Royal Philips entwickelten Schnittstelle lässt sich Feinstein über Google Glass Informationen zum Aufenthaltsort eines Patienten oder seinen Vitalfunktionen anzeigen – komplett sprachgesteuert.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Franz von der Leine am 14.11.2013 06:05 Report Diesen Beitrag melden

    Nur weiter so.

    Ich finde es richtig amüsant wie sich hier noch so viele quer und auf den Kopf stellen wenn es um den Einsatz neuer Technologien in gewissen Bereichen geht. Fakt ist sowas kommt früher oder später ob jemand das will oder nicht und ich finde das gut! Immer muss mann über alles was neu ist reklamieren und wenn es denn mal da ist heisst es immer:"Oi.. das ist ja doch ganz praktisch..." immer dasselbe mit den Leuten... Ich persönlich bin sehr für den Einsatz solcher Technologien in welchen Bereichen auch immer denn nur so bewegt man sich vorwärts.

  • John am 13.11.2013 22:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spital-IT ist noch im letzten Jahrtausend verblieb

    Das tönt ja schön und gut, aber soweit ich die IT-Fähigkeiten aller mir bisher bekannten Spitäler kenne, wird das nur in 1/4 der Zeit tatsächlich funktionieren, 1/4 den falschen Patienten anzeigen, und 1/2 wegen technischer Probleme nicht verfügbar sein.

  • IT am 13.11.2013 22:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kauf nicht empfohlen

    Finger weg von elektronischen Brillen!! Viren garantiert... Augenscan!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Franz von der Leine am 14.11.2013 06:05 Report Diesen Beitrag melden

    Nur weiter so.

    Ich finde es richtig amüsant wie sich hier noch so viele quer und auf den Kopf stellen wenn es um den Einsatz neuer Technologien in gewissen Bereichen geht. Fakt ist sowas kommt früher oder später ob jemand das will oder nicht und ich finde das gut! Immer muss mann über alles was neu ist reklamieren und wenn es denn mal da ist heisst es immer:"Oi.. das ist ja doch ganz praktisch..." immer dasselbe mit den Leuten... Ich persönlich bin sehr für den Einsatz solcher Technologien in welchen Bereichen auch immer denn nur so bewegt man sich vorwärts.

  • Baum am 14.11.2013 05:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    lieber nicht

    naja ich hoffes irgendwie nicht.

  • tweezy am 13.11.2013 23:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Scifi

    Also irgendwie ist das doch unheimlich, wenn ein Artzt ins Zimmer läuft und man seine Auge nicht richtig sieht, dafür hat er all ihre Messwerte grad vor der Nase. Unpersönlich ist es schon ein bisschen. Aber für Operation kanns sicher praktisch sein. Mal sehen wie's kommt.

  • IT am 13.11.2013 22:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kauf nicht empfohlen

    Finger weg von elektronischen Brillen!! Viren garantiert... Augenscan!!

  • John am 13.11.2013 22:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spital-IT ist noch im letzten Jahrtausend verblieb

    Das tönt ja schön und gut, aber soweit ich die IT-Fähigkeiten aller mir bisher bekannten Spitäler kenne, wird das nur in 1/4 der Zeit tatsächlich funktionieren, 1/4 den falschen Patienten anzeigen, und 1/2 wegen technischer Probleme nicht verfügbar sein.