Antibiotika-Resistenz

18. Oktober 2016 11:38; Akt: 18.10.2016 13:33 Print

Forscher entwickeln neue Waffe gegen Superkeime

Wissenschaftlern der Empa in St. Gallen ist im Kampf gegen multiresistente Bakterien ein Durchbruch gelungen. Sie setzen auf Peptide.

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Töten Killer-Bakterien ab: Im Labor untersuchen Empa-Forscher in einen Schutzmantel gehüllte, kurze Eiweissketten. Lange galten Antibiotika als Wunderwaffe gegen Bakterien. Doch aufgrund ihres massiven Einsatzes bilden immer mehr Erreger Resistenzen. Gegen ein nun in den USA entdecktes E.coli-Bakterium waren 15 Antibiotika machtlos. Damit harmlose Infektionen künftig nicht tödlich enden, braucht es dringend Alternativen zu Antibiotika. An der Suche beteiligt sind Wissenschaftler aus der ganzen Welt. Einige sind bereits fündig geworden. , die gezielt Bakterien angreifen und abtöten. Menschen können sie nichts anhaben. Erfolgreich angewendet wird die Therapie bereits in Ländern wie Russland, Polen und Georgien, unter anderem bei Harnwegs- und Darminfekten. Die Stoffe, die Bakterien unschädlich machen können, gegen die Antibiotika machtlos sind. Es soll sogar gegen die aggressivsten MRSA-Stämme (Spitalkeime) helfen.Ein Patent ist bereits angemeldet. US-Forscher haben in dem Bodenbakterium Eleftheria terrae , der sich als hochwirksam gegen verschiedene Bakterien, darunter Bacillus anthracis (Milzbrand), Mycobacterium tuberculosis (Tuberkulose), Clostridium difficile (Durchfall) und den resistenten MRSA erwies. Ein Team um Forscher der Universität Bern setzt auf , der die von Bakterien ausgestossenen Gifte einfängt. So wird verhindert, dass sie die Körperzellen beschädigen. Da sich die Wirkung der Liposome nicht gegen die Bakterien selber richtet, können keine Resistenzen entstehen. . In einer kanadischen Studie waren schon nach fünf Stunden keine lebenden Zellen des Bakteriums Acinetobacter baumannii mehr nachweisbar. Das Bakterium kann Wundinfektionen, Lungenentzündungen und Meningitis auslösen. Nach 24 Stunden war sogar der multiresistente Spitalkeim MRSA tot. ETH-Forscher aus Zürich haben es geschafft, aus dem struppigen Mist-Tintling einen bisher unbekannten Wirkstoff zu isolieren, der Bakterien abtötet. . Der Pilz wächst auf den Exkrementen von Pferden.

Gegen Antibiotika-Resistenz: Im Labor untersuchen die Forscher Eiweissketten, die multiresistente Bakterien abtöten.

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Bestimmte Peptide wirken antibakteriell und könnten gegen antibiotikaresistente Keime helfen, werden aber im Körper zu schnell abgebaut. Empa-Forschende haben das Problem angepackt: Sie haben diese Peptide in eine Art Schutzmantel gehüllt.

Da Bakterien zunehmend resistent gegen Antibiotika werden, suchen Forschende weltweit nach neuen antimikrobiellen Wirkstoffen. Eine Möglichkeit sind spezielle Peptide – kurze Eiweissketten – die Bakterien abtöten. Allerdings haben sie im klinischen Einsatz bisher versagt: Sie werden aufgrund ihrer Struktur im menschlichen Körper relativ schnell abgebaut und können ihre Wirkung somit nicht entfalten.

Wissenschaftler der Materialforschungsanstalt Empa in St. Gallen haben mit Kollegen der Universität Kopenhagen eine Art Shuttlesystem entwickelt, das die Peptide geschützt an ihren Zielort bringt, wie die Empa am Dienstag mitteilte. Die «Shuttles» – genannt «Nanocarrier» – beruhen dabei auf speziellen strukturbildenden Lipiden, also Fetten.

Geschützt und verstärkt

Die «Nanocarrier» schliessen die Peptide komplett ein, wie die Forschenden kürzlich im Fachblatt «Journal of Physical Chemistry Letters» berichteten. So eingehüllt sind die Peptide geschützt, bis sie ihren Zielort erreichen. Und nicht nur das: Wie die Wissenschaftler in Laborversuchen feststellten, verstärkt die Lipid-Schutzschicht sogar die antibakterielle Wirkung der Peptide.

Damit ebnen die Forschenden den Weg für den Einsatz dieser Peptide gegen Antibiotika-resistente Bakterien. Die Peptide zerstören nämlich die Hülle der Bakterien, wogegen sich auch resistente Superkeime nicht wehren können.

Neue Waffe im Arsenal

«Natürlich können sich die Bakterien irgendwann auch daran anpassen», liess sich Studienleiter Stefan Salentinig von der Empa in der Mitteilung zitieren. Das ginge jedoch nicht von heute auf morgen und man hätte im Kampf gegen multiresistente Bakterien eine neue Waffe im Arsenal.

Als Nächstes wollen die Forschenden um Salentinig die «Nanocarrier» so verändern, dass sie ihren Inhalt zu einer ganz bestimmten Zeit freigeben – quasi auf Knopfdruck und nur bei Bedarf. Für den klinischen Einsatz sei dies enorm wichtig, schrieb die Empa.

(ij/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • poly am 18.10.2016 12:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    vorsichtig!

    und dann bitte auch nur im aller letzten versuch anwenden, sonst haben wir nochmals eine resistenz!!

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  • Dorothée Buchmüller am 18.10.2016 15:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Antibiotika-Resistenz

    Ist es nicht einen Riesen Fortschritt wenn es eine Therapiemöglichkeit gibt die bei Multiresistenten Bakterien eingesetzt werden kann??? Der Einsatz muss gezielt gemacht werden und nur da wo er notwendig ist so kann verhindert werden dass die Bakterien allzu schnell reagieren und eine Resitenz entwickeln. Wenn es so viele tolle Alternativen gibt auch gut aber ist es da notwend gleich so negative Kommentare zu schreiben?

  • Bernd Schweizer am 19.10.2016 11:29 Report Diesen Beitrag melden

    BRAVO

    Das ist ja eine super Nachricht! Bravo an die Forschenden... Jetzt noch Krebs, HIV usw. dann ist die Zukunft gesichert.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bernd Schweizer am 19.10.2016 11:29 Report Diesen Beitrag melden

    BRAVO

    Das ist ja eine super Nachricht! Bravo an die Forschenden... Jetzt noch Krebs, HIV usw. dann ist die Zukunft gesichert.

  • _uhu am 19.10.2016 00:22 Report Diesen Beitrag melden

    money

    ...und ich bin mir sicher, das lässt man sich gut bezahlen anstatt als Non-Profit der menschheit zugute kommen lassen.

    • Peptid am 19.10.2016 07:54 Report Diesen Beitrag melden

      @_uhu

      In was für einer Welt leben Sie? Die Forscher müssen ja auch irgendwie ihre Rechnungen bezahlen.

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  • asdflkj am 18.10.2016 23:57 Report Diesen Beitrag melden

    asldfj

    Und das gibt es bei Kraftfutter für Kühe schon lange.

  • Dorothée Buchmüller am 18.10.2016 15:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Antibiotika-Resistenz

    Ist es nicht einen Riesen Fortschritt wenn es eine Therapiemöglichkeit gibt die bei Multiresistenten Bakterien eingesetzt werden kann??? Der Einsatz muss gezielt gemacht werden und nur da wo er notwendig ist so kann verhindert werden dass die Bakterien allzu schnell reagieren und eine Resitenz entwickeln. Wenn es so viele tolle Alternativen gibt auch gut aber ist es da notwend gleich so negative Kommentare zu schreiben?

  • Alexander Fleming am 18.10.2016 12:48 Report Diesen Beitrag melden

    Gruss aus der Forschung

    Übrigens Seife tötet auch alle erreger verlässlich ab... halt einfach nicht im Körper ;-)

    • Lemuriana am 19.10.2016 02:08 Report Diesen Beitrag melden

      Gruss aus der Natur

      ja doch im Körper erledigt das das süsse Wunder Xylit. Leider kostet das halt nur 3.30.-- /500gr. Nö das interessiert die Forschung natürlich nicht. Die wollen berühmt und reich sein und sicher nicht dienen ;-)

    • Mario M. am 19.10.2016 09:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Alexander Fleming

      Seife zerstört vorallem auch die natürliche Schutzschicht deiner Haut

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