Millionen haben Kopfweh

13. Juni 2012 23:01; Akt: 13.06.2012 23:40 Print

Kopfschmerzen kommt Schweiz teuer zu stehen

von Lorenz Hanselmann - Angst, Kopfweh, Depressionen: Millionen Schweizer haben neuropsychologische Krankheiten. Dies kostet 17,4  Milliarden Franken pro Jahr.

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Neuropsychologische Krankheiten kosten 17,4 Mia. Fr. pro Jahr. (Bild: Fotolia)

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Die Europäische Neurologengesellschaft schlägt Alarm: Jeder sechste Europäer leidet unter neuropsychologischen Erkrankungen. «Nach jüngsten Hochrechnungen stehen wir zurzeit bei 81 Millionen Betroffenen», sagte Präsident Heinz Reichmann diese Woche an einem Kongress in Prag. Er bezieht sich auf die Studie Cost of Disorders of the Brain in Europe. Demnach haben allein in der Schweiz fast 2,4 Millionen Menschen Kopfschmerzen oder Migräne, über eine Million Angststörungen und eine Viertelmillion Suchtprobleme (s. Box).

Laut Andreas Maercker, Psychologieprofessor an der Uni Zürich und Mitautor der Studie, sind das zwar nicht mehr als früher. «Aber die Erkrankungen kommen die Gesellschaft immer teurer zu stehen.» Früher seien psychische Störungen nur selten diagnostiziert und behandelt worden. «Erkrankte haben sich dann das Leben genommen oder sind etwa nach einer Angstattacke an einer Herzattacke gestorben.»

Seither sind die direkten und indirekten Kosten der neuropsychologischen Krankheiten explodiert: Europaweit sind es 800 Milliarden Euro pro Jahr und in der Schweiz 17,4 Milliarden Franken – das entspricht den Einnahmen durch die Bundessteuer. Noch fehlt laut Studie in der Politik das Bewusstsein für dieses Ausmass. Das bestätigt die grüne Gesundheitspolitikerin Yvonne Gilli: «Wir stehen vor einen riesigen Herausforderung. Es braucht gezielte präventive Anstrengungen.» Vorstellbar wäre für sie auch, was die deutsche Arbeitsministerin Ursula von der Leyen fordert: Dass die Politik die Arbeitnehmer vor Stress durch die ständige Erreichbarkeit via Handy schützt.