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Parkinson
20. August 2010 14:30; Akt: 20.08.2010 19:51 Print
Es beginnt mit einer zittrigen Hand
Parkinson-Patienten verlieren nach und nach die Kontrolle über ihren eigenen Körper: selbst Alltägliches wie das Ankleiden oder das Schuhe zubinden werden zur Herausforderung.

Box-Legende Muhammad Ali (links) und Schauspieler Michael J. Fox: beide leiden an Parkinson.
(Bild: Keystone)
Ein Zittern der Hand, damit fängt es oft an. Schleichend kommen weitere Bewegungsstörungen hinzu. Bei völlig klarem Verstand müssen Parkinson-Patienten hinnehmen, dass der Körper einfach nicht mehr mitspielt. Medikamente können die Symptome anfangs in Schach halten. Doch die benötigte Dosis wird schnell grösser, leicht nehmen Nebenwirkungen überhand. Die Lebensdauer wird durch die neurologische Erkrankung zwar kaum beeinträchtigt. Wohl aber die Lebensqualität. Viele Betroffene ziehen sich zurück in die Isolation.
Bildstrecken Aspirin: Ein Alleskönner? Hirnschrittmacher gegen ParkinsonEine Methode, die bei der Behandlung von Parkinson zunehmend eine Rolle spielt, ist die Tiefe Hirnstimulation, umgangssprachlich auch als Hirnschrittmacher bezeichnet. «Die Implantation der entsprechenden Sonden kann heute mit einer sehr hohen Sicherheit und einer geringen Nebenwirkungsrate gemacht werden», sagt der Herforder Neurologe Matthias Sitzer. Bisher werden in Deutschland jährlich einige Hundert Patienten mit einem solchen Schrittmacher versorgt - Tendenz steigend.
Sinnvoll ist der Einsatz vor allem bei Patienten, die schon einen längeren Krankheitsverlauf haben und die nicht mehr gleichmässig auf ihre Medikamente reagieren. Mit Kosten von rund 60.000 Euro ist die Tiefe Hirnstimulation zwar ein sehr teures Verfahren. Bei erfolgreicher Implantation und nach erfolgreicher Stimulation kann allerdings auf einen Grossteil der Medikamente verzichtet werden. Je nach Therapie-Form können sich die Kosten hierfür bei Parkinson-Patienten auf 30 bis 40 Euro pro Tag belaufen. FDA warnt vor Nebenwirkungen bei Novartis-Medikament Stalevo
Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat vor möglichen gefährlichen Nebenwirkungen des Parkinson-Medikaments Stalevo des Pharmakonzerns Novartis gewarnt.
Nach FDA-Angaben vom Freitag ergab die Analyse verschiedener klinischer Studien Hinweise darauf, dass durch die Einnahme des Mittels das Risiko für einen Herzinfarkt, einen Schlaganfall oder ein Herz-Kreislauf-Versagen steigt.
Die Behörde riet allerdings davon ab, Stalevo ohne Rücksprache mit einem Arzt abzusetzen. Das Medikament habe sich als wirksame Parkinson-Behandlung erwiesen und Ärzte sollten Patienten, die es einnehmen, regelmässig auf Herz-Kreislauf-Probleme untersuchen.
Stalevo ist seit 2003 auf dem Markt und wurde seit damals schätzungsweise 154'000 Patienten verschrieben. Novartis erzielte damit im Vorjahr einen Umsatz von 554 Mio. Dollar, womit das Mittel die Nummer 13 unter den erlösstärksten Produkten des Basler Arzneimittelherstellers ist. (sda)
«Schuhe zubinden, Kleidung anziehen oder Zähne putzen - die einfachsten Dinge machen plötzlich Schwierigkeiten», sagt Hermann Terweiden, der seit vielen Jahren an Parkinson leidet. Ein weiteres Problem sei, dass man mit den Symptomen der Krankheit «auffällig» wird. Um trotz Zittern und unsicherem Gang in der Öffentlichkeit einen möglichst «normalen» Eindruck zu machen, habe er wie viele andere Patienten auch lange Zeit versucht, zu tarnen und zu tricksen. «Das ist eine Sache, die natürlich viel Kraft kostet.»
Bei der im Deutschen auch Schüttellähmung genannten Krankheit kommt es durch langsam fortschreitende Zerstörung von Zellen im Gehirn zu einem Mangel des Botenstoffs Dopamin. Dies beeinträchtigt vor allem die Kontrolle der Bewegung. «Parkinson ist eine Krankheit, die zu einer gewissen Stigmatisierung der Betroffenen führt, weil man ihnen trotz optimaler Einstellung der Medikation die Symptome häufig ansehen kann», sagt der Herforder Neurologe Matthias Sitzer. Sowohl bei den Patienten selbst als auch in ihrem Umfeld könne das leicht Akzeptanzprobleme mit sich bringen.
«Ein entscheidender Punkt ist, dass die Krankheit nicht einfach von einem Tag auf den anderen beginnt, sondern einen langen Vorlauf hat», erklärt Sitzer. Patienten hätten oft über viele Jahre bereits Symptome, die allerdings häufig so unspezifisch seien, dass sie der Erkrankung nicht zugeordnet werden können. «Typische Frühsymptome sind etwa schmerzhafte Schultern, Rückenverspannungen, zum Teil aber auch bestimmte affektive Störungen, dass die Patienten zu Depressionen neigen, ganz oft auch Schlafstörungen.»
Kein Grund zur Panik
Hermann Terweiden hatte schon in seiner Jugend mit Bewegungsstörungen zu kämpfen. Eine eindeutige Diagnose bekam er jedoch erst mit 42. Ein bisschen sei es damals auch wie eine Erlösung gewesen, endlich Gewissheit zu haben. «Es ist wichtig, dass man nicht in Panik verfällt, sondern dass man erst mal versucht, Ruhe einkehren zu lassen, sich einen Überblick zu verschaffen», sagt der heute 60-Jährige. Im hessischen Florstadt-Staden gründete Terweiden ein Wohnprojekt, dass ganz auf die Bedürfnisse von Parkinson-Kranken eingerichtet ist, ausserdem einen Selbsthilfe-Verein und eine Stiftung zur Forschungsförderung. Seine eigenen Erfahrungen gibt er heute in Beratungsgesprächen an andere Betroffene weiter.
Deutschlandweit sind rund 200.000 Menschen von Parkinson betroffen. Die überwiegende Mehrzahl erkrankt erst in höherem Alter, meist erst nach dem 50. Lebensjahr. Etwa zehn Prozent sind bei Diagnosestellung allerdings noch jünger als 40. «Für junge Menschen, die noch berufstätig sind, ist das natürlich eine Katastrophe - unter dem zunehmenden Leistungsdruck haben die kaum eine Chance, irgendwo am Ruder zu bleiben», sagt Terweiden. Nur wenige hätten das Glück, einen Vorgesetzten zu haben, der sie unterstützt und in Bereichen einsetzt, wo sie krankheitsgerecht arbeiten können. Die meisten sähen daher keine andere Möglichkeit als den verstärkten Einsatz von Medikamenten.
Tanzen wirkt Wunder
Eine intensive medikamentöse Therapie ist fast immer zentraler Bestandteil bei der Behandlung von Parkinson. «Medikamente gibt es sehr viele, unterschiedlichster Art», sagt der Herforder Neurologe Sitzer. Zum Teil seien die Medikamente sehr effektiv, viele hätten allerdings auch nicht ganz unerhebliche Nebenwirkungen. «Am Anfang war ich von den Medikamenten auch begeistert», sagt der Parkinson-Patient Terweiden. «Wieder richtig laufen können, nicht mehr zittern - das ist wie in einem Rausch. Aber mit der Zeit holen immer mehr Nebenwirkungen die guten Wirkungen ein.» Bei Langzeitbehandlung oder Überdosierung könne es sowohl zu extremen Überbewegungen kommen als auch zu Halluzinationen. Inzwischen sucht Terweiden daher verstärkt nach alternativen Lösungen.
«Was in jedem Fall zur Therapie dazugehört, ist eine intensive Krankengymnastik», erklärt Sitzer. Seine Klinik in Herford biete neben klassischer Physiotherapie auch besondere Tanzstunden extra für Parkinson-Kranke an. Vielfach seien solche Massnahmen mindestens genauso wirksam wie die medikamentöse Therapie, sagt der Neurologe. Aufhalten könne man die Krankheit allerdings weder durch das eine noch durch das andere. «Bei allem geht es im Grunde nur darum, den Patienten immer wieder so zu behandeln, dass er gemäss seines Stadiums eine optimale Lebensqualität hat.»
(dapd)


























