Whoonga

22. November 2010 12:26; Akt: 22.11.2010 12:47 Print

Kiffer mixen AIDS-Arzneien mit Marihuana

Südafrikanische AIDS-Patienten müssen um ihre Medikamente fürchten: Die lebenswichtigen Arzneien werden von Dieben geraubt, mit Marihuana vermengt und geraucht.

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1981: In den USA, vor allem in Kalifornien und New York, sterben immer mehr junge Männer an einer mysteriösen Krankheit, die das Immunsystem der Kranken ausschaltet. Am 5. Juni äusserst sich erstmals die US-Gesundheitsbehörde CDC über die auffällige Zunahme einer seltenen Krebsform und einer ungewöhnlichen Form von Lungenentzündung bei jungen Homosexuellen. 1982: Die erworbene Immunschwächekrankheit wird AIDS - Acquired Immunodeficiency Syndrome - genannt. 1983 identifizieren der Amerikaner Robert Gallo und der Franzose Luc Montagnier das Virus, das die Krankheit auslöst. 1985: In Atlanta findet die erste Welt-Aids-Konferenz statt. Im Oktober stirbt als erster Prominenter der US-Schauspieler Rock Hudson an den Folgen der Immunschwäche. Durch seinen Tod wird die breite Öffentlichkeit auf Aids aufmerksam. 1986: Aus Afrika werden die ersten Aids-Fälle gemeldet. 1988: Die WHO führt den 1. Dezember als Welt-Aids-Tag ein. 1991: Die «Rote Schleife» wird internationales Symbol für den Kampf gegen Aids. Im November stirbt der Leadsänger der Popgruppe Queen, Freddie Mercury, an Aids. 1993: Das Modehaus Benetton thematisiert AIDS in einer Werbekampagne. 1993: Philadelphia ist der erste grosse Hollywoodfilm, welcher sich kritisch mit dem gesellschaftlichen Umgang mit AIDS-Erkrankten und Homosexuellen in den USA auseinandersetzt. Im Jahre 1995 kommen so genannte Protease-Hemmer als neues Aids-Medikament auf den Markt. Nach Angaben der UNAIDS im Dezember 2005 sind über 40 Millionen Menschen auf der Welt mit dem HI-Virus infiziert - ein neuer Höchststand. 2000: Die israelische Sängerin Ofra Haza verstirbt an der Krankheit.

AIDS: Chronologie einer Seuche.

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Eine neue Droge namens Whoonga erobert eine südafrikanische Provinz. Die Zutaten: Marihuana und AIDS-Medikamente. Beides wird vermischt und dann geraucht. Momentan macht die Droge im östlichen Südafrika gelegenen KwaZulu-Natal die Runde. In der Provinz sind besonders viele Menschen von der Immunschwäche AIDS betroffen. Nun befürchten Experten, dass das bizarre Gemisch auch in anderen Teilen Südafrikas populär wird.

Das Absurde an Whoonga: Bisher gibt es keine Beweise dafür, dass die Beimischung des Medikaments zum Marihuana eine Verstärkung des Rauschs mit sich bringt. Auch das Hervorrufen einer Abhängigkeit von der abstrusen Mixtur wird nach bisherigem Kenntnisstand ausgeschlossen. Der AIDS-Experte Njabulo Mabaso glaubt, dass sich die meisten Whoonga-Konsumenten eine Intensivierung des berauschenden Effekts schlicht einbilden. Trotzdem räumt der in einer Klinik in Durban praktizierende Arzt ein, dass eine Komponente des Cocktails bei manchen Patienten Halluzinationen auslösen könnte.

Nicht selten wird Whoonga «gestreckt»: Um einen grösseren Profit zu erzielen, mischen Dealer der Droge Waschpulver oder Rattengift bei.

«Ich kam nicht mehr von der Droge los»

Thamsangqua Langa gehörte zu den Usern der relativ neuen Droge. Der 30-Jährige aus Durban berichtete, dass er nach einigen Tagen des Konsums schwere Kopfschmerzen verspürte. Ausserdem litt er unter Magenkrämpfen und nächtlichen Schweissausbrüchen. Als er zu seinem Dealer zurückkehrte, empfahl ihm dieser, mehr zu konsumieren. «Ich kam von der Droge nicht mehr los», erzählte der Südafrikaner in einem Interview mit der Nachrichtenagentur «AP».

Um an die AIDS-Medikamente heranzukommen, stahl er die Arzneien seiner mit HIV infizierten Freunde und brach in Häuser ein. Damit er seiner Drogensucht nachkommen konnte, vernachlässigte er seinen Job in einer Fabrik. Er versank im Drogensumpf, verlor seine Arbeitsstelle. Whoonga zog ihn über vier Jahre in den Bann – seit März ist Langa clean.

Carol du Toit, Sprecherin einer privaten südafrikanischen Drogen- und Alkoholpräventionsstelle zufolge, wurden bereits AIDS-Kliniken ausgeraubt, damit Abhängige und Dealer Whoonga herstellen konnten.

Bisher gehen Experten nicht davon aus, dass die Droge ausserhalb von Südafrika konsumiert wird. Im südlichsten Land des Kontinents sind schätzungsweise 5,7 der 50 Millionen Einwohner mit HIV infiziert.

(rre)