Gefährliches Souvenir

19. Juli 2016 17:52; Akt: 19.07.2016 17:52 Print

Schweizer Touristen mit Super-Keim infiziert

Eine Indien-Reise ist schön, aber nicht ungefährlich: Dort lauern multiresistente Bakterien, die die Touristen hinterher in die Schweiz mitbringen.

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Bevor man in die Ferien geht, hat man Besseres zu tun, als seinen Stuhl untersuchen zu lassen. Doch genau das taten 38 Schweizerinnen und Schweizer vor ihrer Indien-Reise – im Dienste der Forschung. Die Ausscheidungen wurden von Mikrobiologen des Instituts für Infektionskrankheiten an der Universität Bern jeweils vor Antritt der Reise und nach der Rückkehr der Probanden untersucht.

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Ergebnis: 76 Prozent von ihnen kamen mit Bakterien im Darm zurück, die gegen die gängigen Anitibotika resistent sind. 39 Prozent dieser Indien-Reisenden litten nach ihrer Rückkehr an Reise-Durchfall und zusätzlichen Symptomen.

Resistenzförderndes Gen entdeckt

Noch schwerwiegender ist allerdings, dass im Stuhlgang von elf Prozent dieser 38 Indien-Reisenden Bakterienstämme festgestellt wurden, die auch gegen das Antibiotikum Colistin resistent sind. Es ist das einzige Antibiotikum, das derzeit gegen multiresistente Bakterien eingesetzt werden kann.

Doch damit nicht genug: Einer dieser Colistin-resistenten Bakterienstämme trug das sogenannte mcr-1-Gen in sich, das die Colistin-Resistenz in anderen Darmbakterien in Mensch und Tier fördern und ausbreiten kann. Molekulare Analysen ergaben, dass die Schweizer Indien-Reisenden diese lebensgefährlichen Bakterien durch die Umwelt oder durch die Nahrungskette in Indien aufgenommen hatten.

Sorge vor Ausbreitung in der Schweiz

Für die Forscher um Andrea Endimiani ist deshalb klar, dass die Ansteckung mit Colistin-resistenten Bakterien sorgfältig beobachtet werden muss. Es gehe darum, die Ausbreitung von solch unbehandelbaren Super-Keimen in der Schweiz zu verhindern.

Die Forscher empfehlen deshalb, rasch spezifische und engmaschige Monitoringprogramme einzuführen, um unerwartete Krankheitsausbrüche wegen Darmbakterien mit dem mcr-1-Gen zu verhindern. Weltweite Programme wären das Beste, sagt Endimiani auf Anfrage, doch auch Länderprogramme wären gut. Er verbringe seine Ferien lieber in Italien als in Indien.

Weltweit 700'000 Todesfälle

Dem Institut für Infektionskrankheiten angegliedert ist das Schweizerische Zentrum für Antibiotikaresistenzen (Anresis). Es ist nach Angaben der Uni Bern führend bei der Untersuchung und Bekämpfung von Super-Keimen oder «Superbugs», wie diese auf Englisch genannt werden.

Die Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation WHO, Margaret Chan, bezeichnete die zunehmende Antibiotika-Resistenz im vergangenen November als «globale Gesundheitskrise». Weltweit sterben nach WHO-Angaben pro Jahr rund 700'000 Menschen, weil Antibiotika gegen bestimmte Bakterien nicht mehr wirken.

(fee/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Raffi P am 19.07.2016 18:52 Report Diesen Beitrag melden

    Das erschreckende ist

    wie wenig Ahnung viele der Kommentatoren hier haben. Also mal zur Information: 1. Antibiotika helfen nur gegen Bakterien, nicht gegen Viren. 2. Eine Erkältung ist eine Vireninfektion, ergo Antibiotika sind Wirkungslos und fördern höchstens Resistente Keime. 3. Früher gab es keine solchen resistenten keime weil es noch keine Antibiotika gab. Dafür waren Infektionen meistens tödlich wenn man nicht amputieren konnte. 4. Antibiotika in der Tierzucht sind mitverantwortlich am Problem.

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  • Bianca am 19.07.2016 18:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Konsequenz

    Tja das ist die Konsequenz, wenn wir wegen jeder Erkältung zum Arzt rennen und nach Antibiotika schreien...

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  • Hgf am 19.07.2016 18:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    4.18 Menschen?

    "Noch schwerwiegender ist allerdings, dass im Stuhlgang von elf Prozent dieser 38 Indien-Reisenden Bakterienstämme festgestellt wurden, die auch gegen das Antibiotikum Colistin resistent sind." Ok.... Möchte ja nicht wissen, wie diese Reisenden zurückgekommen sind, wenn bei 4.18 Personen diese Bakterienstämme festgestellt wurden.....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Free Willy am 20.07.2016 17:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    MrK

    Auch hier ein weiterer gravierender Nachteil der Massenviehhaltung und Fleischindustrie! ( Geniesse selber auch Fleisch) Aber wir wir konsumieren viel zu viel billig-Fleisch,! Wie wird man wohl in Zukunft gegen dieses multiresistenten Bakterien vorgehen? Solche Bakterien kann man sich überall holen.

  • pia s. am 20.07.2016 16:10 Report Diesen Beitrag melden

    weiter gedacht

    noch schlimmer finde ich, das indische touristen nach der ankunft bei uns auf toilette gehen. demnach tummeln sich in unseren kläranlagen schon längstens solche keime!

    • Dr. Gabber am 20.07.2016 22:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @pia s.

      Die tummeln sich dank Patienten, die sich wegen jedem kleinsten bisschen Antibiotika verschreiben lassen, schon länger in unseren Kläranlagen.

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  • Thomas am 20.07.2016 14:19 Report Diesen Beitrag melden

    Es ist eine Gefahr!

    Leider ist Indien immer ein Risiko für Krankheiten. In 70% der Fälle komme ich mit Magen-Darm Probleme von meiner Geschäftsreise nach Hause. Würde nie als Tourist in dieses Land reisen, sprich freiwillig!

    • AllSE-Asia am 20.07.2016 21:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Thomas

      Cook it, boil it, peel it or forget it. Habe 10 Jahre SE-Asien Erfahrung und damit (noch) nie Probleme. Happy landings

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  • Stereo Typo am 20.07.2016 09:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wahrscheinlichkeit

    nach Indien gehen und gesund zurückzukommen ist wie in die Kanalisation hüpfen und sauber wieder rauszukommen...eher unwahrscheinlich

  • Raggii am 20.07.2016 09:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Reisetipp

    Wenn ihr in Länder reist, in denen das Trinkwasser nicht sicher sauber ist, reicht es nicht, einfach kein Wasser vom Hahn zu trinken. Was auch sehr wichtig ist, ist dass man seine Getränke explizit ohne Eis bestellt. Denn durch Eis, welches aus Hahnenwasser gemacht wird, könnt ihr euch auch was einfangen.