13. Oktober 2015 16:11; Akt: 13.10.2015 17:30 Print

Small Talk im OP führt zu mehr Wundinfektionen

Psychologen haben die Konversationen im OP-Saal während 167 Operationen analysiert. Das Gesprächsthema hat demnach Einfluss auf das Infektionsrisiko.

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Ablenkungen haben keinen Einfluss auf das Vorkommen von Wundinfektionen: Blick in einen Operationssaal in Sitten. (November 2013) (Bild: Keystone)

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Wenn Ärzte im OP ihre Wochenendpläne besprechen, kann das dem Patienten schaden: Small Talk beim Schliessen einer Operationswunde führte zu mehr Wundinfektionen. Hingegen senkte fallbezogene Kommunikation während der ganzen Operation das Infektionsrisiko.

Dies zeigt eine Studie der Universitätsklinik für Viszerale Chirurgie und Medizin des Inselspitals Bern auf. Wundinfektionen sind vor allem nach Eingriffen im Bauchbereich relativ häufig, der Schweizer Durchschnitt liegt etwa bei 14 Prozent. Dies hat längere Spitalaufenthalte und damit auch höhere Kosten zur Folge, wie die Uni Bern am Dienstag mitteilte.

Ablenkung hat keinen Einfluss auf Wundinfektionen

Auf Anregung der Klinik haben Psychologen der Universitäten Neuenburg und Bern von 2010 bis 2013 während 167 Operationen am offenen Bauch die Gespräche im Berner OP-Team beobachtet und analysiert. Diese wurden mit dem Auftreten von Wundinfektionen verglichen, die nach Standards der Fachorganisation Swissnoso erhoben wurden.

Die Resultate wurden nun im «British Journal of Surgery» veröffentlicht: Während die fallbezogene Kommunikation während der gesamten Operation die Infektionsrate senkte, wurde sie durch Small Talk während des Schliessens der Operationswunde gesteigert. Ablenkungen hingegen hatten keinen Einfluss auf das Vorkommen von Wundinfektionen.

Erleichterte Kooperation

Fallbezogene Kommunikation helfe allen Beteiligten im Operationssaal, immer im Bild zu sein, liess sich die Arbeits- und Organisationspsychologin Franziska Tschan von der Universität Neuenburg in der Mitteilung zitieren. «Das erleichtert die Kooperation.» Das Zunähen der Operationswunde als Routinevorgang verleite indes stärker zum Small Talk, zu viel davon könne ablenken.

Das Phänomen der nachlassenden Aufmerksamkeit in einer vermeintlich weniger heiklen Phase ist beispielsweise auch von Alpinisten und Schichtarbeitern bekannt, zu denen auch Ärzte gehören: Sie verunglücken oft beim Abstieg respektive auf dem Heimweg. «Small Talk mit Mass ist wichtig für das Klima im Team», gibt jedoch Guido Beldi, Leitender Arzt der Klinik, zu bedenken.

Time-outs vor dem Eingriff

Die Wissenschaftler untersuchen nun in einer weiteren Studie in mehreren Schweizer Spitälern, wie man chirurgische Teams bei der fallbezogenen Kommunikation unterstützen kann. Bereits umgesetzt sind Massnahmen wie Time-outs vor dem Eingriff, bei denen das Operationsteam innehält und den bevorstehenden Eingriff Punkt für Punkt durchgeht.

Nun soll noch ein sogenanntes interoperatives Briefing, das während der Operation stattfindet, eingeführt werden. Der zusätzliche standardisierte Informationsaustausch im Operationsteam solle dafür sorgen, dass alle Teammitglieder informiert sind, sagte Beldi.

(woz/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Philipp am 13.10.2015 18:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lieber Arzt..

    Ich hoffe, dass sie diesen Bericht lesen und während Meiner Operation nur über ähnliche Themen sprechen! Danke.

  • wjp1 am 13.10.2015 20:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Small Talk im OP

    Also ich möchte schon sicher sein , dass das Team dass mich operiert sich um mich kümmert und nicht den möglichen Apres-Ski zu diskutieren !

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  • Birnenfrau am 14.10.2015 13:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auch nur Menschen

    Ganz ehrlich? Auch Ärzte sind nur Menschen und müssen reden. Wundheilungsstörungen sind leider immer möglich. Aber den Ärzten deswegen den Mund zu verbieten, fände ich zu extrem.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Suppdog am 18.10.2015 11:27 Report Diesen Beitrag melden

    Otto Normalbürgers Gesundheit.

    Ich will nicht einmal auf die Thematik eingehen ob die Statistik/Studie korrekt ist oder nicht. Aber Otto Normalbürger interessiert sich nur für seine Gesundheit wenn er einem Arzt/Gesundheitspersonal die Schuld geben kann. Aber selber öfters Sport zu treiben, nicht zu rauchen, und auf Fast-Food zu verzichten kommt dabei nicht in Frage. (Funfact: diese Dinge haben auch Einfluss auf das Infektionsrisiko). Die Ärzte und Pflege geben sich in aller Regel Mühe den Patienten/in bei Gesundheit zu halten. Dies kann man vom Patienten/in selbst nicht immer sagen

  • Mitgehört am 17.10.2015 13:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur das Nötigste

    Ich hatte leider schon viele Eingriffe. Es ist bekannt, dass der Patient auch in Vollnarkose mithört. Man merkt es daran wie gut (oder schlecht) man sich psychisch beim Aufwachen fühlt ob respektvoll gearbeitet wurde. Zum Glück bestehen heute viele Ärzte darauf , dass während einer Operation nur das Notwendigste - und das sachlich - gesprochen wird. Auch das ist für den Patienten immer noch stressig genug!

  • .. am 17.10.2015 01:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    --

    Geht alle mal in den ops arbeiten. Jeder von euch könnte es nicht besser. Sie bemühen sich ja. Ihr dürft nicht vergessen wie es vor zig jahren war und da beklagte man sich nicht. Es kann und wird immer passieren. Wenn man daran stirbt dann seis so. Das ist leben es gibt andere probleme die wichtiger sind

    • Lara am 17.10.2015 13:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @..

      Stimmt. Man starb einfach an Infektionen!

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  • Erik am 15.10.2015 13:13 Report Diesen Beitrag melden

    Smalltalk im OP?

    Die haben wohl zuviele Folgen von Scrubs angeschaut..."Turk hat mal im Kino einen Transvestiten begrabscht." (zu Carla, um von der Frage abzulenken, wann er das letzte Mal mit einer Frau aus war)

    • Petra am 17.10.2015 13:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Erik

      Wenn ein OP's mehrere Stunden dauert.?

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  • Leser am 15.10.2015 10:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mauahahahahahaaaaaaa! Danke!!

    Musste mir soeben einen Schranz lachen! Jajaaaa, die lieben Studien und ihre Statistiken! Etwas muss man dieser Zeit der Experten und Studien ja lassen... sie bietet unendlich Stoff um sich krumm zu lachen, Herrlich! Made my day!!

    • Cira am 18.10.2015 11:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Leser

      Ja immer diese Studien. Das sind zum Teil richtige Hetzkampagnen.

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