Völlig unbesorgt?

18. September 2014 08:11; Akt: 18.09.2014 08:41 Print

Welt ist in Aufruhr wegen Ebola – die Schweiz nicht

von Fee Riebeling - Die Ebola-Epidemie ist ausser Kontrolle - die Welt ist alarmiert. Eine Gefahr für die Schweiz sieht das BAG allerdings weiterhin nicht.

Bildstrecke im Grossformat »
Mehrere Monate nach dem Ausbruch nimmt die Zahl der Ebola-Infektionen und -Toten in Westafrika weiterhin zu. Sie steige viel schneller als die Kapazitäten zur Bewältigung der Fälle, warnte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan letzte Woche. Die Situation droht ausser Kontrolle zu geraten: Innerhalb von 21 Tagen infizierten sich so viele Menschen wie im halben Jahr zuvor, heisst es im der WHO. Die Behörde stuft die Epidemie als Internationalen Gesundheitsnotfall ein. Sie rechnet mit über 20'000 Ebolafällen, ein US-Experte sogar mit Hunderttausende in den nächsten 12 bis 18 Monaten. US-Präsident Obama warnt eindringlich vor einer «globalen Krise». Er will offenbar rund 3000 Soldaten nach Westafrika schicken. Trotzdem schätzt das BAG die Gefahr für die Schweiz weiterhin als gering ein: «Es handelt sich bis jetzt nach wie vor nicht um ein Problem ausserhalb der betroffenen Region.» Deshalb hat es trotz der prekären Situation in Westafrika bisher keine Reisewarnungen ausgegeben. Auch die WHO empfiehlt keine Einschränkungen im Reiseverkehr oder Handel, ausser für infizierte Personen. Ebola-Patienten in Westafrika dürfen nicht ausreisen, Menschen ohne Symptome hingegen schon. Bevor sie das Land verlassen, müssen sie jedoch ein medizinisches Exit-Screening über sich ergehen lassen. Dabei wird - wie bei diesen Hafenarbeitern in Liberia - die Körpertemperatur mit einem Pistolen-ähnlichen Gerät gemessen. Zusätzlich müssen sie einen Fragebogen zu ihrem Gesundheitszustand ausfüllen. Das BAG hat für die Schweizer Flughäfen keine besonderen Massnahmen angeordnet. Sollte ein Passagier noch in der Luft Ebola-Symptome zeigen, müsste der Pilot das gemäss der Internationalen Gesundheitsverordnung dem Flughafen melden. Auch für die Mitarbeiter des Schweizer Zolls gelten keine besonderen Schutzmassnahmen. Sie wurden jedoch angehalten, verdächtige Personen und Waren (zum Beispiel Buschfleisch) genauer zu überprüfen. Weil die Zöllner stets Gefahr laufen, mit Krankheitsträgern oder gesundheitsgefährdenden Stoffen in Berührung zu kommen, sind Handschuhe bei Kontakt obligatorisch. Im Zweifelsfall ist auch ein Mundschutz nötig. Versucht eine Person mit Verdacht auf eine Ebola-Erkrankung einzureisen, müssen Grenzbeamte dies dem BAG melden.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Über 2400 Tote, rund 5000 Infizierte, täglich werden es mehr. Die Ebola-Seuche breitet sich rasend schnell aus. Innerhalb von 21 Tagen infizierten sich so viele Menschen wie im halben Jahr zuvor. Die WHO rechnet mit über 20'000 Ebolafällen, ein US-Experte sogar mit Hunderttausenden in den nächsten 12 bis 18 Monaten. Der deutsche Virologe Jonas Schmidt-Chanasit urteilte sogar: «Der richtige Zeitpunkt zum Eingreifen wurde verpasst. Jetzt ist es zu spät.»

Trotzdem schätzt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) die Gefahr, dass es auch in der Schweiz zu Ebola-Fällen kommt, weiterhin als gering ein: «Es handelt sich bis jetzt nach wie vor nicht um ein Problem ausserhalb der betroffenen Region. Zudem gibt es keine direkten Flugverbindungen in die Schweiz», sagt BAG-Sprecherin Catherine Cossy. Eine stark wachsende Zahl von Erkrankten in Westafrika bedeute nicht, dass die Epidemie zu uns herüberschwappe, teilt das BAG unaufgeregt mit.

Und wenn es doch passiert? Sollten in der Schweiz doch Ebola-Fälle auftreten, stünden entsprechende Isolierstationen zur Verfügung, sagt das BAG. Für wie viele Patienten diese reichen würden und wo sich diese befinden, will man aber nicht sagen.


Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Realist am 18.09.2014 08:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Natur gewinnt

    Wie hiess es schon im Film Outbreak: Die grösste Gefahr ist ein Virus. Dem ist definitiv so, wenn es der Natur zu bunt wird schlägt sie zurück und dezimiert die Spezies die sich zu sehr breit macht. Hart aber real.

    einklappen einklappen
  • Eis Kool am 18.09.2014 08:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hä?

    Nur weil keine direkte Flugverbindung besteht wird wohl nichts passieren?!?! Hallo! Das ist alles, was die "Spezialisten" dazu sagen.....! Einfach nur bedenklich!

    einklappen einklappen
  • Mile am 18.09.2014 08:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Da fehlen einem die Worte

    Das ist die Bag ist ja nicht das erste mal ! Und wenn es in der Schweiz ist kommt der Kommentar haben nicht gedacht das es sich so schnell verbreitet !!! Schlaft weiter und Träumt schön !!!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter B. am 19.09.2014 12:28 Report Diesen Beitrag melden

    Wie gross ist die Gefahr wirklich?

    Ich lese hier immer von rasender Ausbreitung. Nun gut, eine Verdopplung in den letzten drei Wochen ist schlimm und ich will Ebola hier nicht verharmlosen. Aber: In den betroffenen Ländern leben beinahe 200 Mio. Menschen, und es sind "nur" 5000 Infizierte. Berechnet man das nun auf die schweizer Bevölkerung runter, wären es rund 200 Infizierungen. Da die Schweiz aber kommunikationstechnisch besser abgedeckt ist, denke ich, dass es prozentual weniger Fälle geben würde, als in Westafrika. Bei allem Respekt vor diesem Virus, sehe ich aktuell keine Gefahr für Europa.

  • Gurfi am 18.09.2014 23:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ebola

    Die Gefahr, welche von Ebola ausgeht, ist in einem Land wie der Schweiz mit einem so gute Gesundheitssystem verhältnismäßig gering. Patienten können sehr gut stabilisiert werden und somit kann die Mortalität von Ebola massiv verringert werden.

  • Isabella am 18.09.2014 22:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unverständlich

    Ich verstehe nicht, warum Ebola bei uns auf die leichte Schulter genommen wird. Es kann so schnell gehen, da hilft auch unser hoher medizinischer Standard nicht mehr.

  • Orion am 18.09.2014 19:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Typisch

    War ja klar diese Haltung, dass Ebola nicht in der Schweiz auftaucht. Was wenn doch? Dann sind wir überhaupt nicht darauf Vorbereitet und Chaos bricht aus. Mich regt es echt auf, dass das BAG Ebola nicht ernst nimmt. Wie kann man nur so unbesorgt sein, bei all den Berichten aus Afrika? Ich versteh es nicht:-(

  • Gabi am 18.09.2014 18:27 Report Diesen Beitrag melden

    wichtigere Probleme

    Das BAG hat viel wichtigere Probleme. Erwachsene Personen die sich regelmässig ein Feierabendbierchen gönnen z.B., oder jugendliche die hin und wieder Gras rauchen.