Kampf gegen das Fett

27. April 2010 19:51; Akt: 27.04.2010 19:59 Print

Jamie Oliver bringt den Amis das Essen bei

von J.M. Hirsch - Fernsehkoch Jamie Oliver liebt schwergewichtige Aufgaben. Jetzt findet er eine im ungesündesten Ort in den USA. Hat er ein Rezept gegen all den Junk?

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Jamie Oliver kocht in einer Stahlfabrik in Huntington, W. Va. (Video: YouTube) Im Grossformat auf dem Videoportal Videoportal
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Für den US-Fernsehsender ABC versucht der britische Fernsehkoch Jamie Oliver, die Essgewohnheiten im angeblich ungesündesten Ort der USA zu verbessern. In Huntington im Staat West Virginia tritt er an, um Fettleibigkeit, Herzkrankheiten und Diabetes zu besiegen.

Für viele Europäer sind die USA das Land der XL-Grössen - extra grosse Mahlzeiten und extra grosse Kleidung für extra dicke Menschen. Aus dieser Perspektive scheint Olivers Kampf von vorneherein zum Scheitern verurteilt. Der Widerstand, der dem britischen Koch-Star in Huntington entgegenschlägt, bestätigt diese Vermutung augenscheinlich.

Doch mit seinem Bemühen ist er nicht allein. Eine ganze Reihe bekannter Fernsehköche predigt nicht mehr nur guten Geschmack, sondern neuerdings auch gutes Essen. In den vergangenen Jahren hat sich ausserdem die Ansicht darüber geändert, was gutes Essen ist. Noch vor wenigen Jahren wurde die Diskussion auf wenige Schlagworte verdichtet: kein Fett, keine Kohlenhydrate. Mittlerweile stehen Abwechslung und Qualität der Zutaten stärker im Vordergrund.


Nun sind die Menschen für die Botschaft empfänglich

«Es ist deutlich besser, auf eine ausgewogene Ernährung mit normal fettigen Speisen zu achten, als fettreduzierte oder -freie Produkte mit künstlichen Ersatzstoffen zu verwenden», sagt die bekannte US-Fernsehköchin Rachael Ray. «Und ein Vorteil einer ausgewogenen Ernährung ist, dass man von Zeit zu Zeit auch einige der nicht so figurfreundlichen Dinge essen kann.»

Köche hätten verstanden, dass sie ihren Einfluss geltend machen müssten, um etwas zu verändern, sagt Oliver. Rocco DiSpirito, Autor des Kochbuch-Bestsellers «Now Eat This», sieht das ähnlich: «Es ist vielen von uns klargeworden, dass die Menschen für gute Ernährung empfänglich geworden sind.»

Das liegt auch daran, dass die TV-Stars mehr Einfluss auf die Kochtöpfe ihrer Zuschauer haben als die altbekannten Prediger einer gesunden Ernährung, denen oft das Image von Spassbremsen anhing. Mit flotten Titeln und glanzvollen Stars erobert nun eine neue Esskultur Amerikas Küchen.


Für mehr Wissen über Ernährung sorgen

Auch die Unterstützung der Präsidentengattin Michelle Obama für den Kampf gegen Fettleibigkeit bei Kindern hat geholfen, das Thema gesündere Ernährung in die Öffentlichkeit zu tragen. Die Diskussion hat eine Wende in den Köpfen vieler Amerikaner ausgelöst. Eine Nation, die mit Gleichmut auf endlose Reihen von Kleiderständern mit XXL-Klamotten für Erwachsene blicken kann, ist nun weniger tolerant, wenn es um Übergrössen für Fünfjährige geht.

«Alles muss sich ändern: der Zugang und die Einstellung sowie das Wissen über Nahrungsmittel», sagt Ray. Ihre Fernsehkochkollegin Paula Deen ergänzt: «Wir arbeiten an einfachen, einwandfreien Gerichten, die Mütter und Väter schnell zubereiten können.»

Mittlerweile gibt es für Kinder ein eigenes Hochglanz-Magazin zum Thema. Das vor kurzem gestartete «ChopChop»-Magazin soll fünf- bis zwölfjährigen Kindern beibringen, gesünder zu essen und zu kochen. Selbst die US-Ausgabe der Sesamstrasse hat einen bekannten Koch als Berater für gesunde Ernährung eingestellt. Und den Schulküchen schreiben die Fernsehköche eine Schlüsselrolle im Kampf gegen schlechte Essgewohnheiten zu.

Jamie Olivers Mission ist dennoch nicht leicht: Einige Einwohner von Huntington haben den Briten, der gekommen ist, um ihnen das gesunde Essen beizubringen, nicht gerade freundlich in Empfang genommen. Der Star-Koch zeigt sich aber optimistisch: «Alle, die mit Ernährung zu tun haben, müssen ein wenig mithelfen. Hoffentlich mehr als nur ein wenig. Und wenn sie das tun, dann ändert sich die Welt.»