Emma Wren Gibson

22. Dezember 2017 20:23; Akt: 22.12.2017 20:23 Print

25 Jahre nach der Zeugung geboren – wie geht das?

von Fee Riebeling - Emma ist aus dem ältesten gefrorenen Embryo entstanden, der je zu einer erfolgreichen Geburt geführt hat. Negative Folgen wird das nicht haben.

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Die kleine Emma Wren Gibson ist bereits Weltrekordhalterin: Sie wurde 25 Jahre vor ihrer Geburt gezeugt und damit genauso lange tiefgekühlt. Damit ist sie aus dem ältesten gefrorenen Embryo entstanden, der je zu einer erfolgreichen Geburt geführt hat. Was für die Eltern Tina und Ben Gibson ein Grund zu Freude ist, macht vielen 20-Minuten-Lesern Sorgen. Allerdings grundlos: ... Die lange Lagerung hat dem Embryo überhaupt nicht geschadet. Weil bei der Kryokonservierung der Embryo in eine Art Kältestarre gebracht wird, in der alle Stoffwechselvorgänge nahezu zum Stillstand kommen, könnte er grundsätzlich unbegrenzt tiefgekühlt werden. In der Schweiz ist das jedoch gesetzlich untersagt: Hier dürfen Zellen nur maximal fünf Jahre tiefgefroren werden. Ausnahmen gelten für schwer erkrankte Menschen wie Krebspatienten, die ihre Zellen vor einer Strahlentherapie einfrieren lassen können. Dann können sie lebenslang konserviert werden. Zudem schreibt das Gesetz vor, dass im Fall des Todes des Spenders die kryokonservierten Zellen vernichtet werden müssen. Damit wäre hierzulande die Geburt eines Weltrekord-Babys wie der kleinen Emma nicht möglich. Doch zurück zur Methode: Während die Lagerung in der Kälte unproblematisch ist, stellen sowohl das Einfrieren als auch das Auftauen für die Zellen eine gewisse Belastung dar – ein kleiner Teil der Embryos übersteht das Auftauen nicht. (Im Bild: Befruchtete Eizellen werden aus einem mit Flüssigstickstoff gefüllten Behälter genommen.) Diese stehen dann für einen Embryotransfer – so wird das Einsetzen des aufgetauten Embryos in die Gebärmutter genannt – nicht mehr zur Verfügung. Für die Kryokonservierung braucht es niedrige Temperaturen. Dazu wird flüssiger Stickstoff verwendet, dessen Temperatur bei -196° Celsius liegt. Um zu verhindern, dass sich während des Einfrierens zellschädigende Eiskristalle bilden, kommt ein Kryoprotektivum, eine Art Frostschutzmittel, zum Einsatz.

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Am 14. Oktober 1992 froren Mitarbeiter des National Embryo Donation Center im US-Bundesstaat Tennessee einen Embryo (siehe Box) ein. Mehr als 24 Jahre lang lag dieser auf Eis – bis er von Tina Gibson erfolgreich ausgetragen wurde: Am 25. November 2017 kam die kleine Emma Wren zur Welt. Ein Weltrekord-Baby, weil sie aus dem ältesten gefrorenen Embryo entstand, der je zu einer erfolgreichen Geburt geführt hat.

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Wie lange sind tiefgekühlte Embryos haltbar?
Grundsätzlich unbegrenzt, da bei der sogenannten Kryokonservierung (von griechisch «krýos» – «Kälte» und lateinisch «conservare» – «erhalten») die Zellen der Embryos in eine Art Kältestarre gebracht werden, in der alle Stoffwechselvorgänge nahezu zum Stillstand kommen. Nach dem Auftauen können die Zellen ihre normalen physiologischen Prozesse wieder aufnehmen. Embryonen können dann zum Beispiel in die Gebärmutterhöhle transferiert werden.

Birgt die Kryokonservierung überhaupt keine Probleme?
Doch. Während die Lagerung in der Kälte unproblematisch ist, stellen sowohl das Einfrieren als auch das Auftauen für die Zellen eine gewisse Belastung dar. Trotz zunehmender Verbesserungen auf dem Gebiet der Kryotechnik übersteht ein kleiner Teil der Embryos das Auftauen nicht. Diese stehen dann für einen Embryotransfer – so wird das Einsetzen des aufgetauten Embryos in die Gebärmutter genannt – nicht mehr zur Verfügung.

Wie läuft das Einfrieren ab?
Für die Kryokonservierung von Embryos sind sehr niedrige Temperaturen notwendig. Dazu wird flüssiger Stickstoff verwendet, dessen Temperatur bei -196° Celsius liegt. Bei diesen Temperaturen werden alle biologische Aktivitäten angehalten, ohne jedoch den Organismus zu schädigen. Das Herunterkühlen kann mehrere Stunden dauern.

Um zu verhindern, dass sich während des Einfrierens Eiskristalle bilden, die die Zellen schädigen können, kommt ein sogenanntes Kryoprotektivum, eine Art Frostschutzmittel, zum Einsatz. Dieses stabilisiert die Zellmembranen, verringert die Eiskristallbildung und minimiert durch die Bindung von Wassermolekülen den Einfluss hoher Elektrolytkonzentrationen.

Ist die Kryokonservierung auch in der Schweiz erlaubt?
Ja, allerdings wäre ein Weltrekord-Baby wie Emma Wren Gibson hierzulande nicht denkbar, denn in der Schweiz dürfen Zellen nur maximal fünf Jahre tiefgefroren werden. Ausnahmen gelten für schwer erkrankte Menschen wie Krebspatienten, die ihre Zellen vor einer Strahlentherapie einfrieren lassen können. Dann können sie lebenslang konserviert werden. Nach dem Tod des Spenders ist die Vernichtung der kryokonservierten Zellen gesetzlich vorgeschrieben.

Bedeutet Social Freezing, wie es beispielsweise Apple seinen Mitarbeiterinnen anbietet, das Gleiche wie Kryokonservierung?
Im Prinzip handelt es sich dabei um ein und dasselbe Verfahren. Allerdings bedeutet Social Freezing ausschliesslich das Tiefgefrieren von unbefruchteten Eizellen ohne medizinischen Grund. Diese Möglichkeit gibt Frauen, die sich ihren Kinderwunsch zurzeit nicht erfüllen können oder wollen, grössere Chancen auf eine Schwangerschaft jenseits des Alters von etwa 35 Jahren.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • marko am 22.12.2017 20:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Menschheit, die verblüft

    Ich hoffe bloss dass das Kind normal aufwachsen kann und keine Laborratte wird, an der Untersuchungen und Forschung stattfindet. Alles gute und ein schönes Leben!

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  • Be Obachter am 22.12.2017 21:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Manche sterben ungelebt

    Es gibt Leute die sind vor 40, 50 Jahren geboren worden und trotzdem noch nicht im realen Leben angekommen.

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  • Pfannenteller am 22.12.2017 20:36 Report Diesen Beitrag melden

    Das sind mal wieder Themen hier

    Man irgendwie kommt hier seit wochen nichtmehr gescheides, und diese woche ist nun der Tiefpunkt. Auch die kommentare werden Gelöscht. Einfach Traurig hier. Oder wie euer Liebling Macro32 sagen würde Krass

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dani am 23.12.2017 21:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    und wie gehts weiter.

    Und wie wird das Mädchen einmal reagieren wenn es einmal seine Geschichte erfahren sollte? Das wird dann auf jedenfall sehr delikat.

  • baba am 23.12.2017 16:30 Report Diesen Beitrag melden

    Einfühlungsvermögen

    Jene die nicht wissen wie es ist wenn man aus tiefstem Herzen ein Kind will aber nicht kriegen kann, die sollen bitte mit ihren herzlosen KOmmentaren aufhören.

    • Selbstmitleid am 23.12.2017 19:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @baba

      Ich weiss genau, wovon sie reden. Das gleich zur Einleitung! Aber nichts, gar nichts gibt uns das Recht, so in das Leben eines Menschen einzugreifen. Einen Menschen, den es nicht geben sollte, ins Leben zu zwingen. Ihn zu manipulieren oder beliebig künstlich zu produzieren. Es gibt kein Recht auf Kinder, es gibt kein Recht, der Natur dermassen ins Handwerk zu pfuschen. Und es gibt überhaupt absolut gar kein Recht, die "Produzierten" nicht nach ihrer Meinung und nach ihren Wünschen zu fragen! Das können wir nicht. Nicht sie, nicht ich, nicht die Mediziner. Das wäre aber das mindeste!

    • Mama Von IVF-Kind am 23.12.2017 20:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Selbstmitleid

      Und wiedo nicht? Informieren Sie sich bitte zuerst über künstl. Befruchtung bevor sie solche Sachen von sich geben.

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  • anto am 23.12.2017 09:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Reife Ausstrahlunga

    Ich finde das Baby sieht sehr reif aus im Gesicht oder sieht es alt aus?

  • Florentina am 23.12.2017 09:01 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Langzeitstudien

    Sorry, aber auch dieser Bericht wirft Fragen über Fragen auf und hinterlässt einen fahlen Nachgeschmack.

  • Reali Täter am 23.12.2017 08:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Unterschied

    Heute wissen viele Frauen eh nicht, von wem sie schwanger sind. Da können sie auch den eingefrorenen nehmen.

    • Realismus am 23.12.2017 09:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Reali Täter

      ....und viele Männer wollen nicht wissen, wie viele Frauen sie geschwängert haben!!!!

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