Elektronischer Helfer

28. Mai 2014 15:45; Akt: 28.05.2014 15:45 Print

Diabetiker-App erkennt in Speisen die Kohlenhydrate

Damit ihr Blutzucker nicht durch die Decke geht, müssen Diabetiker stets darauf achten, was sie essen. Die App «GoCarb» soll sie dabei unterstützen.

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Die GoCARB-App im Einsatz: Rechts ein Screenshot der Anwendungsschnittstelle, welches das geschätzte Volumen und die Menge an Kohlenhydraten mit dem Erkennungsbild zeigt. (Bild: Stavroula Mougiakakou / ARTORG Center / Universität Bern)

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In der Schweiz sind etwa 500'000 Menschen von der Zuckerkrankheit Diabetes betroffen. Sie müssen mit Medikamenten ihre erhöhten Blutzuckerwerte kontrollieren und zudem ihre Mahlzeiten so planen, dass nach dem Essen der Blutzuckerspiegel nicht zu stark ansteigt. Dieser muss allenfalls durch Spritzen von Insulin wieder gesenkt werden.

Die dafür benötigte Menge Insulin, das sogenannte Essensinsulin, lässt sich aus der Menge an Kohlenhydraten in einer Mahlzeit berechnen — also Stärke und verschiedene Zucker, wie die Universität Bern am Mittwoch mitteilte.

Fotos der Mahlzeit

Doch es sei selbst für gut geschulte Diabetiker schwierig, den Kohlenhydratgehalt einer Mahlzeit genau genug abzuschätzen, betonen die Forscher. Ihre Schätzungen rangierten oft zwischen der Hälfte bis zur doppelten Menge der tatsächlichen Kohlehydratmenge, erklärte Peter Diem von der Universitätspoliklinik für Endokrinologie, Diabetologie und Klinische Ernährung am Inselspital auf Anfrage.

Abhilfe schaffen soll die «GoCarb»-App, die am ARTORG-Institut der Universität Bern entwickelt wurde. Sie erkennt die Nahrungsmittel auf einem Teller mit Hilfe der Smartphone-Kamera. Dazu muss der Benutzer ein Referenzobjekt, das den Grössenvergleich erlaubt, neben den Teller legen und zwei Fotos aufnehmen. Das Programm segmentiert und erkennt die verschiedenen Lebensmittel wie Fleisch, Gemüse und Nudeln und rekonstruiert deren dreidimensionale Form. Daraus wird das Volumen der einzelnen Lebensmittel abgeschätzt:


So funktioniert die App. (Video: Youtube/GoCARB UniBe)

Bisher erst ein Prototyp

Mit Hilfe einer Nährwertdatenbank errechnet die App den Kohlenhydratgehalt und daraus automatisch das Essensinsulin. Wiederholte Tests mit Fotos von echten Mahlzeiten des Inselspitals ergaben, dass das System sich dabei durchschnittlich um nur 6 bis 7 Gramm irrt.

Es gebe zwar bereits Apps, die den Kohlenhydratgehalt einer Mahlzeit einschätzen helfen, liess sich Studienleiter Stavroula Mougiakakou vom ARTORG Center for Biomedical Engineering Research der Universität Bern in der Mitteilung zitieren. «Aber dort müssen die Nahrungsmittel manuell erfasst werden oder die Programme bieten keine Berechnung des Essensinsulins an.»
Von der neuen App gibt es laut Diem vorerst nur einen Android-Prototypen für die Forschung.

Anwendungsversuche mit Patienten sind für den Sommer geplant.

(fee/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roland E.S. am 28.05.2014 16:14 Report Diesen Beitrag melden

    Das wäre der Hammer.....!!

    Das erste mal, dass ich es kaum erwarten kann, eine App zu kaufen! Ich bin seit 20 Jahren Diabetiker!

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  • Diabetiker am 28.05.2014 18:22 Report Diesen Beitrag melden

    Eigenverantwortung

    Nimmt mir diese App meine eigene Verantwortung ab? Sicher nicht, ICH bin für mein Zuckerspiegel verantwortlich, nicht die App! Weil der Zuckerspiegel nicht nur von der Kohlenhydratsaufnahme allein abhängig ist, sondern auch von Körperaktivität, allg. Gesundheitszustand etc. halte ich diese App. persönlich für gefährlich. Das mag unter Laborbedingungen alles ganz gut funktionieren, aber im Alltag setze ich dann lieber doch auf meine Mess- und Erfahrungswerte.

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  • Heiner Vock am 28.05.2014 23:03 Report Diesen Beitrag melden

    Diabetes - App

    Wer seit 21 Jahren engagierter, Insulin spritzender Diabetiker ist ( 4 Injektionen täglich ) braucht keine App, um seine Zuckerkrankheit im Griff zu haben. Es ist auch so, dass trotz absolut ausgewogener, richtiger Ernährung völlig unerklärliche, grobe Abweichungen bei den Blutzuckerwerten vorkommen können. Der menschliche Körperhaushalt ist eben eine komplizierte Angelegnheit, das ändert auch eine ausgeklügelte App nicht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dani Suter am 29.05.2014 19:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Getreide

    Verzichtet mal auf Getreide! Erwiesenermassen ein Diabetes-Förderer.

    • Annina Baldinger am 29.05.2014 21:37 Report Diesen Beitrag melden

      Eine Ernährungsberaterin

      Chabis; woher stammt denn der Unsinn, dass Getreide an sich Diabetes fördern soll ? Für eine ausgewogene Ernährung braucht auch ein Diabetiker Kohlehydrate ( im wesentlichen Getreide- Produkte ) aber in berechneter, richtiger Menge.

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  • A.F. am 29.05.2014 15:41 Report Diesen Beitrag melden

    Nanana

    BITTE AUCH FÜR WINDOWS PHONE. Immer nur für die Apfel-Esser....

  • Babsy am 29.05.2014 12:36 Report Diesen Beitrag melden

    Kalorien und Kohlenhydrate...

    Ich weiss ja nicht woher dieser Wahn kommt, aber ich versuche bei jeder Mahlzeit so viel wie moeglich zu essen. Ist ja schliesslich der Ursprung fuer Energie. Und wenns nur Pasta gibt, dann gleich 1kg Packung auf einmal. Wenn ich zu wenig esse, schlafe ich immer ein und bekomme in der Nacht Heisshunger. Und nein, ich bin nicht dick und habe auch keinen Stoffwechsel eines 14 jaehrigen Kindes.

  • Swiss Sail am 29.05.2014 09:31 Report Diesen Beitrag melden

    Amerikanisches Niveau?

    Fast jeder, der sein Normalgewicht hat (plus minus ein paar Kilo) weis: es ist so oder so gut Kohlenhydrate nur in kleinen Mengen zu essen, es sei denn, die Person ist körperlich sehr aktiv. Diese App ist nur eine absolut unnütze Spielerei! Wenn Sie den Teller vor sich haben, ist es eh zu spät. Der Diabetiker wird schon bei der Menuwahl abschätzen müssen, welches Menu für ihn optimal ist. Wenn ein Diabetiker so null Ahnung über für ihn verträgliche Nahrungsmittel haben sollte, wäre das doch ein bisschen peinlich für ihn.

    • TypI Diabetiker am 29.05.2014 14:03 Report Diesen Beitrag melden

      Hilfreiche App!

      Einerseits gebe ich ihnen völlig Recht. Die Leute müssten sich allgemein mehr mit den Inhaltsstoffen von Lebensmitteln auskennen. Andererseits gibt es auch Typ 1 Diabetiker, solche produzieren wegen ihrer Autoimmunkrankheit gar kein Insulin. Ich bin solcher Typ 1 Diabetiker und beschäftige mich auch viel mit den Nährwertangaben von Gerichten. Es kann jedoch wirklich extrem schwer sein im Restaurant die Kohlenhydrate der Menüs abzuschätzen. Und es kommt wirklich auf +/- 7-10 Gramm an! Einen zweiten Anhaltspunkt via App ist eine wunderbare Ergänzung um Fehler in der Insulindosis gering zu halten

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  • Heiner Vock am 28.05.2014 23:03 Report Diesen Beitrag melden

    Diabetes - App

    Wer seit 21 Jahren engagierter, Insulin spritzender Diabetiker ist ( 4 Injektionen täglich ) braucht keine App, um seine Zuckerkrankheit im Griff zu haben. Es ist auch so, dass trotz absolut ausgewogener, richtiger Ernährung völlig unerklärliche, grobe Abweichungen bei den Blutzuckerwerten vorkommen können. Der menschliche Körperhaushalt ist eben eine komplizierte Angelegnheit, das ändert auch eine ausgeklügelte App nicht.

    • m. am 29.05.2014 10:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Spassfaktor

      Schön für dich, wenn du so was nicht brauchst/willst, ich würde es gern nutzen, für meine Gesundheit und sogar noch für den Spass. Auch wenn ich "erst" seit 14 Jahren Diabetes habe...

    • an "m." von Heiner Vock am 29.05.2014 16:12 Report Diesen Beitrag melden

      Kein Spass

      Diabetes ist kein "Spass". Informiere dich über die Spätfolgen eines langzeitig schlecht eingestellten Diabetes ! Du kannst u.U. lange ohne spürbare Folgen "sündigen", aber irgendwann erhältst du unweigerlich die Quittung, und die kann dann böse aussehen ! Du allein trägst die Verantwortung für deinen Diabetes, diese kannst du nicht abschieben durch die Nutzung einer "App". Und ja, ich will und brauche keine App. Meine Frau weiss über Diabetes-Ernährung bestens Bescheid und kocht mit viel Liebe für mich. Glücklicherweise kann ich allerdings alle Mahlzeiten zu Hause einnehmen.

    • m. am 29.05.2014 22:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      App-Spass

      Ich glaube, Du hast mich falsch verstanden! Die App könnte Spass machen bei alltäglichen Pflichten. Meinen Diabetes nehme ich sehr wohl ernst und genau, daraus mache ich mir keinen Spass!

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