Leistungssteigerung

24. Mai 2011 11:00; Akt: 24.05.2011 13:06 Print

Das Hirndoping hat Hochkonjunktur

Immer mehr gesunde Menschen konsumieren leistungssteigernde Mittel. Mit Drogen und Medikamenten wird versucht, effizienter zu lernen oder länger zu arbeiten.

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Leistungssteigernde Produkte gibt es schon seit Jahrzehnten und Jahrhunderten. Kaffee, Alkohol und Energy-Drinks zählen ebenso dazu wie Kokain oder Anabolika. Heute greifen gesunde Menschen aber immer öfter auch zu Medikamenten wie Ritalin oder Modafinil, die Konzentration und Aufmerksamkeit steigern sollen.

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Aus der Schweiz gebe es momentan keine genauen Zahlen dazu, wie viele Menschen solche Präparate als eine Art Hirndoping einnehmen, sagte Anne Eckhardt von der Firma risicare, die im Auftrag vom Zentrum für Technologiefolgen- Abschätzung (TA-SWISS) eine Übersichtsstudie zu dem Phänomen verfasste und die Resultate am Dienstag in Bern den Medien vorstellte.

Zahlen aus Deutschland

Umfragen in Deutschland zeigten aber, dass dort inzwischen ein bis zwei Prozent der Berufstätigen rezeptpflichtige Medikamente zur beruflichen Leistungssteigerung einsetzten. Drei bis vier Prozent nehmen zudem nicht rezeptpflichtige Arzneien ein. Am häufigsten handle es sich um Präparate gegen Stress, sagte Eckhardt.

Ob solches «Hirndoping» bei Gesunden überhaupt wirkt, ist unklar. Wissenschaftlich konnte der Nachweis bislang nicht erbracht werden, wie die Studienautoren schreiben. Wer solche Substanzen benutze, empfinde sie aber oft als wirksam. Wie es zu diesem Effekt kommt, ist nicht erforscht.

Substanzen oder Verfahren, mit denen körperliche oder geistige Grenzen nebenwirkungsarm überwunden werden können, sind laut Eckhardt noch nicht in Sicht. Allerdings werden in der Wissenschaft neue Wirkstoffe heiss diskutiert.

So sind Labormäuse und Fruchtfliegen lernfähiger, wenn ihnen bestimmte Stoffe eingeschleust werden. Der Markt für ein solches Produkt wäre lukrativ: Unsere Leistungsgesellschaft könnte das ihre dazu beitragen, dass sich Hirndoping im Alltag rasch durchsetzen könnte.

Diskussion anstossen

TA-SWISS empfiehlt der Politik und den Behörden deshalb, sich des Themas anzunehmen. Politiker stünden vor der Frage, ob sie diese gesellschaftliche Entwicklung und deren Konsequenzen unterstützen wollten. Die Grenze zwischen zulässiger und unzulässiger Leistungssteigerung müsse geklärt werden.

Studienmitautor Bernhard Rütsche von der Universität Luzern ging darauf ein, wie eine solche Regulierung aussehen könnte. Wichtig sei die Frage, wie stark der Druck auf den Einzelnen wäre, ein Präparat zu nehmen, um nicht ins Hintertreffen zu geraten - in der Gesellschaft oder gegenüber Konkurrenten auf dem Arbeitsmarkt.

Rütsche sprach sich aber dagegen aus, die Präparate generell zu verbieten. Es bestehe die Gefahr, dass dies als eine Bevormundung ausgelegt würde, sagte er. Ihm zufolge gilt es aber, die Benutzer zu schützen: Risiken der Präparate müssten genau abgeklärt werden, und die Hersteller dürften nicht mit irreführenden Informationen für ihre Produkte werben.

(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • das ich am 24.05.2011 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    wie?

    als grundanständiger schweizer bürger frage ich mich halt immer wieder wie man denn an solche rezeptpflichtigen präparate wie ritalin kommt.. dass man es in einzelfällen über den schwarzmarkt bekommt ist ja klar.. aber 1 -2 %? fällt das zeug von irgend einem lastwagen oder wie?

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  • Netz Matur am 29.05.2011 17:56 Report Diesen Beitrag melden

    Flächendeckender CH-Versuch

    Eine Folge ist jetzt schon klar: Die SVP kann einpacken.

  • Mario am 24.05.2011 18:50 Report Diesen Beitrag melden

    Wirkt!!

    Wenn es eine Studie geben würde, würde ich mich sofort als freiwilliger Tester bewerben. Denn Ritalin hilf extrem, bei mir aber auch in meinem Umfeld. Viele Kollegen haben sehr gute Erfahrungen mit Ritalin gemacht, obwohl alle "gesund" sind.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Fürst am 06.06.2011 10:13 Report Diesen Beitrag melden

    Traurig aber wahr!

    Trauriger Weise sind das leider die ersten Ausläufer der vielerorts verlangten erhöhten Leistungsanforderung, wenn wneiger Mitarbeiter die Arbeit von mehreren übernehmen müssen, z.B. nach Entlassungen von Kollegen usw.! Vielleicht sollten die Firmenleitungen sich deswegen mal ernsthafte Gedanken machen!

  • Hudigäggelker am 30.05.2011 17:13 Report Diesen Beitrag melden

    Züchten von Zombies

    Brutto Sozialprodukt steigern durch Ritalin Kokain ? Hallo? Arme Menschen.

    • Milky Way am 02.06.2011 13:50 Report Diesen Beitrag melden

      Koffein

      Sie haben noch Koffein vergessen.

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  • Netz Matur am 29.05.2011 17:56 Report Diesen Beitrag melden

    Flächendeckender CH-Versuch

    Eine Folge ist jetzt schon klar: Die SVP kann einpacken.

  • Icarus am 25.05.2011 23:31 Report Diesen Beitrag melden

    Die guten haben es nicht nötig.

    Die schaffen es auch aus eigener Kraft - ohne irgendwelche Medikamente. Diejenigen, die überfordert sind und ein Medikament (mis)brauchen, um ihre Arbeit zu erledigen, sollten sich einmal überlegen etwas anderes zu machen.

    • Selbst Denker am 27.05.2011 04:28 Report Diesen Beitrag melden

      Leider nicht richtig

      Das ist leider Wunschdenken. Ich arbeite an einer Uni in den Staaten und eine Studie hierzulande hat entsetzliche Wahrheiten ans Licht gebracht: Viele, auch wirklich gute Professoren dopen sich mit Anti Alzheimer- oder anderen Stoffen um klarer zu denken oder laenger konzentriert zu bleiben. Es ist echt beaengstigend.

    • jann Steiner am 04.06.2011 12:18 Report Diesen Beitrag melden

      Falsch

      Erstens sind die guten kein Stück besser und zweitens ist es auch bei uns schon normal. Wenn Leute 12 Stunden ohne Pause durchprogrammieren, hat das nichts mehr mit gut zu tun. Es verfälscht einfach die Anforderungen an die eigentlichen guten. Im Informatikstudium steigt der Anspruch und Burnouts sind vorprogrammiert. Und das ist nur 1 Beispiel...

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  • Hans Wurst am 24.05.2011 23:06 Report Diesen Beitrag melden

    Chemiekeule, nein danke

    Ab und zu am Abend nen Joint aus dem eigenen Gartenanbau geniessen um sich vom Alltag zu entspannen ist ja schon verboten. Warum sollen dann irgendwelche synthetischen Substanzen erlaubt werden die am Ende sowieso nur der Pharmamafia noch mehr Gewinn in die Kasse spülen und möglicherweise einfach nur zu noch höherem Leistungsdruck führen?

    • Hooppi am 26.05.2011 11:43 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht zu Fassen !

      Absolut richtig Hans ! kan dir hier nur beipflichten. Natur wird verboten und chemie angeboten, das ist doch ein witz.!!!!

    • Tick Tack am 29.05.2011 16:12 Report Diesen Beitrag melden

      Geld regiert die Welt

      Sogar die Aerzte fluchen über die Pharma und sagen, wissen, dass es nur um die Kohle geht

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