Heimtückischer Angriff

20. Oktober 2009 15:55; Akt: 20.10.2009 15:58 Print

Model erleidet 30 OPs nach Säure-Attacke

Vergewaltigung, Misshandlungen - beides traf Katie Piper schwer. Doch für die junge Britin sollte es noch schlimmer kommen: Ein Angriff auf offener Strasse gab ihrem Leben eine tragische Wendung.

Katie Piper spricht in einem Interview über den Übergriff, die zahlreichen Operationen und die zurückgebliebenen Narben - auch in der Seele.
(Bild: YouTube)
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«Oh, du bist wunderschön», diesen Satz hörte Katie Piper häufig, wenn sie neue Leute kennenlernte. Und Menschen kannte die 26-Jährige viele: Piper arbeitete als Model - ihr gutes Aussehen war ihr Kapital.

Eifersucht: Wenn Liebe zu Hass wird

Eine perfekte Fassade - doch tief in ihr drin sah es in Wirklichkeit längst ganz anders aus. Immer häufiger machte ihr die Eifersucht ihres Freundes Daniel Lynch zu schaffen. Im März 2008 dann eskalierte die Situation: Lynch schlug Piper, vergewaltigte die junge Frau in einem Londoner Hotel. Doch der Hass des Mannes sollte die Grenzen fernab jeglicher Vorstellungskraft erst noch überschreiten: Stefan Sylvestre, ein Komplize ihres Ex-Freundes, lauerte Piper auf und übergoss ihr Gesicht auf offener Strasse mit Säure. Die Chemikalien durchdrangen alle vier Hautschichten von Gesicht und Hals.

30 Operationen

Auf dem linken Auge erblindete sie, die Aufnahme von Nahrung war ihr unmöglich. In etwas mehr als einem Jahr folgten für die 26-Jährige 30 Operationen. Chirurg Dr. Mohammad Jawad griff für die Rekonstruktion gemeinsam mit seinem Team auf die neusten Errungenschaften der Dermatologie zurück. Zunächst wurden sämtliche Hautpartien entfernt, die mit der ätzenden Flüssigkeit in Berührung gekommen waren. Danach überzog er die Wunden mit einer Art künstlichem Hautersatz und transplantierte Haut von anderen Körperstellen.

«Der Spiegel muss kaputt sein»

Katie Piper war schockiert, als sie ihr Gesicht nach den zahlreichen Operationen zum ersten Mal sah: «Ich erinnere mich noch genau an diesen Moment. Ich dachte 'der Spiegel muss wohl kaputt sein'», erzählte die Britin in einem Interview mit «Skynews». Das einst erfolgreiche Model hatte nur noch einen Wunsch: Sie wollte sterben.

In den vergangenen Monaten hat sich die junge Frau verändert. Sie ist kämpferischer geworden, will ihr Schicksal öffentlich machen, um auf die zahlreichen, durch Säureanschläge verunstalteten und verletzten Menschen aufmerksam zu machen. Ihren Druckverband - eine Maske, die ihre Narben glätten soll - trägt sie rund 23 Stunden täglich.

Ihr Ex-Freund und der Komplize, der den Säureangriff durchführte, sitzen beide lebenslänglich hinter Gittern. Ein schwacher Trost für das schwer traumatisierte Säureopfer: Piper lebt wieder im Haus ihrer Eltern und kann nur schlafen, wenn alle Türen und Fenster verschlossen sind.

(rre)