Forschen statt bechern

06. Januar 2015 13:55; Akt: 06.01.2015 13:55 Print

In dieser Bar fliesst kein einziger Tropfen Alkohol

von Lauran Neergaard, AP - Auf der Suche nach neuen Therapien gegen Alkoholismus richten US-Mediziner in Spitälern spezielle Bars ein. Darin lautet das Motto: Mehr Schein als Sein.

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Der Tequila sieht verführerisch aus. Nichts verrät, dass in der Flasche nur gefärbtes Wasser ist. Auch bei den Bierhähnen an der Theke ist nicht zu erkennen, dass aus ihnen kein Tropfen Alkohol fliesst. Die vermeintlich gut bestückte Bar steht in einem staatlichen Spital in den USA. Ihre Aufgabe: bei der Suche nach einer neuen Therapie für Alkoholkranke zu helfen.

Umfrage
Wie viel Alkohol trinken Sie?
22 %
37 %
13 %
5 %
7 %
16 %
Insgesamt 1338 Teilnehmer

Schummriges Licht sorgt in dem Labor in Bethesda bei Washington für eine stimmige Atmosphäre, der passende Duft wird bei Bedarf aus Alkoholflaschen beigesteuert, die die Klinikapotheke herüberschickt. Wenn so bei den Patienten das Verlangen nach dem nächsten Drink geweckt ist, können die Mediziner erforschen, ob und wie ihre Test-Pille gegen die Sucht wirkt.

Kontrollierbares Verlangen

«Das Ziel ist, eine realitätsnahe Umgebung zu schaffen, aber das unter äusserst strenger Kontrolle», sagt Forschungsleiter Lorenzo Leggio. Im Visier der Wissenschaftler ist das Hormon Ghrelin, das vor allem durch seine appetitanregende Wirkung bekannt ist. Ihm wird aber auch eine mögliche Rolle bei Alkoholabhängigkeit nachgesagt. Genau das untersuchen nun Leggio und seine Kollegen. Und ob es den Patienten hilft, wenn das Hormon mit dem derzeit erprobten Medikament blockiert wird.

«Alkoholismus zeigt sich in vielen Formen», erklärt George Koob vom staatlichen Institut für Alkoholmissbrauch und Alkoholismus (NIAAA). Schon allein die Grenze zwischen tolerierbarem und riskantem Konsum ist schwierig zu ziehen. Laut NIAAA gelten 14 Drinks pro Woche, davon höchstens vier an einem Tag, bei Männern als Limit. Bei Frauen sind es drei an einem Tag oder sieben in der Woche. Jede Einheit darf dabei etwa 14 Gramm Alkohol enthalten, was ungefähr einer Dose Bier entspricht.

Keine Patentlösung

Mehrere Faktoren spielen ineinander, wenn es um die Frage geht, wer anfällig ist, die Grenze zum Alkoholmissbrauch zu überschreiten: die genetische Veranlagung, Umwelteinflüsse oder wie gut sich das Gehirn an den regelmässigen Konsum anpasst.

Neben stationären Behandlungen bieten Verhaltenstherapien und eine Reihe von Medikamenten Ansatzpunkte gegen die Sucht. Doch Zahlen aus den USA belegen, dass die Angebote nur ein Tropfen auf dem heissen Stein sind. Weniger als ein Drittel der Alkoholabhängigen, die Hilfe bräuchten, sind in Behandlung. Weniger als zehn Prozent der Therapierten erhalten Medikamente.

Die derzeit in den USA gebräuchlichen drei Arzneimittel haben ganz unterschiedliche Ansätze. Eines zielt auf Rezeptoren im Belohnungssystem des Gehirns und macht so den Alkoholkonsum unattraktiver. Ein anderes ruft Übelkeit und andere Abwehrsymptome hervor, wenn Patienten weiterhin zu Alkohol greifen. Auch einige Medikamente, die zur Behandlung von Nikotinabhängigkeit oder Epilepsie entwickelt wurden, scheinen vielversprechend.

Bluttest ist das Ziel

Im Barlabor des Spitals in Bethesda, einem von etwa einem Dutzend in den USA, laufen die Forschungen mit Ghrelin auf Hochtouren. Im Herbst verabreichte das Team um Leggio 45 freiwilligen alkoholabhängigen Studienteilnehmern Ghrelin in unterschiedlichen Dosen. Ihr Verlangen nach Alkohol stieg abhängig von der Hormongabe.

In einem nächsten Schritt untersuchen die Forscher nun, ob das Hemmen von Ghrelin auch das Verlangen bremst. Dafür verwenden sie ein experimentelles Medikament, das zur Behandlung von Diabetes entwickelt wurde, aber nie auf den Markt gekommen ist. Das grosse Ziel ist es, eines Tages mit einem einfachen Bluttest bestimmen zu können, welches Medikament für welchen Patienten am besten geeignet sei.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • sascha am 06.01.2015 14:26 Report Diesen Beitrag melden

    find ich super!

    dann ist es aber auch keine bar sondern ein saftladen

  • Alk. O. Hohl am 06.01.2015 15:37 Report Diesen Beitrag melden

    Definition

    Es ist wirklich sehr schwer eine Linie zu ziehen ab wann der Konsum eine Sucht ist. Die Regel mit den 14 Drinks finde ich nicht wirklich passend. Ich selbst trinke unter der Woche keinen Tropfen Alkohol und am Wochenende sehr wenig, ausser ich habe das Ziel mir "die Kante zu geben". Wenn ich dieses Ziel aber verfolge komme ich schnell mal an nur einem Abend über diese 14 Drinks. Aufgeteilt auf etwa 6 Stunden im Ausgang hat man diese Menge schnell erreicht. Ich würde mich selber aber nie als Suchtigen bezeichnen, da, wie gesagt, unter der Woche nie konsumiert wird.

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  • Anonym am 06.01.2015 17:18 Report Diesen Beitrag melden

    Unsinnige Umfrageparameter

    Die Umfrage rechts ist ja total doof aufgebaut. Was ist mit der ganzen Bandbreite zwischen "ein- bis zweimal pro Woche" und "ich trinke keinen Alkohol?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Frau am 07.01.2015 12:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vertrage genauso viel wie Männer

    Wieso sollten Frauen nur 3 Drinks an einem Abend vertragen und Männer 4? Ich vertrage mind. genauso viel wie meine männlichen Kollegen oftmals auch mehr.

    • Reto am 07.01.2015 14:32 Report Diesen Beitrag melden

      Gewicht spielt eine Rolle

      Sind sie dann auch so schwer wie ein Mann? Denn genau daran definiert man die Menge.

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  • Anonym am 06.01.2015 17:18 Report Diesen Beitrag melden

    Unsinnige Umfrageparameter

    Die Umfrage rechts ist ja total doof aufgebaut. Was ist mit der ganzen Bandbreite zwischen "ein- bis zweimal pro Woche" und "ich trinke keinen Alkohol?

  • Alk. O. Hohl am 06.01.2015 15:37 Report Diesen Beitrag melden

    Definition

    Es ist wirklich sehr schwer eine Linie zu ziehen ab wann der Konsum eine Sucht ist. Die Regel mit den 14 Drinks finde ich nicht wirklich passend. Ich selbst trinke unter der Woche keinen Tropfen Alkohol und am Wochenende sehr wenig, ausser ich habe das Ziel mir "die Kante zu geben". Wenn ich dieses Ziel aber verfolge komme ich schnell mal an nur einem Abend über diese 14 Drinks. Aufgeteilt auf etwa 6 Stunden im Ausgang hat man diese Menge schnell erreicht. Ich würde mich selber aber nie als Suchtigen bezeichnen, da, wie gesagt, unter der Woche nie konsumiert wird.

    • Nacl am 06.01.2015 16:33 Report Diesen Beitrag melden

      Da geb ich dir recht

      Wer täglich 2 Drinks kippt ist süchtig! Wer nur gelegentlich mal in Gesellschaft Alkohol trinkt und sonst gar nicht, den würde ich nicht als süchtig bezeichnen. Aber diese Herren haben ja studiert und sind deshalb etwas verwirrt im Kopf!!!

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  • sascha am 06.01.2015 14:26 Report Diesen Beitrag melden

    find ich super!

    dann ist es aber auch keine bar sondern ein saftladen