Wurm drin

19. April 2012 23:22; Akt: 21.04.2012 14:46 Print

Was knabbert denn da an meinem Darm?

von Runa Reinecke - Wie fühlt es sich an, einen zerstörerischen Parasiten im eigenen Verdauungstrakt zu beherbergen? Ein Brite wollte es wissen und liess sich mit Hakenwürmern infizieren.

Bildstrecke im Grossformat »

Hier erfahren Sie etwas über die entfernte Verwandtschaft des Hakenwurms.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Würden Sie sich freiwillig mit einem Parasiten infizieren lassen, der sich spürbar an Ihren Organen zu schaffen macht? James Logan, medizinischer Entomologe an der London School of Hygiene and Tropical Medicine, stellte sich dieser wenig verlockenden Herausforderung. Im Dienste der Wissenschaft sorgte er dafür, dass sich einige parasitäre Untermieter wohnlich bei ihm einrichten durften - unter strenger ärztlicher Kontrolle, versteht sich.

Den Selbstversuch unternahm der britische Wissenschaftler nicht ohne Grund: Er selbst leidet unter einer Nahrungsmittel-Unverträglichkeit. Nach dem Verzehr bestimmter Lebensmittel plagen ihn Bauchkrämpfe, gefolgt von starkem Durchfall. Da diverse Untersuchungen Hinweise darauf geben, dass die Infektion mit Würmern bei Allergikern zu einer Art Balance-Verschiebung des Immunsystems und so zu einer Linderung der Symptomatik führen kann, spielte James Logan freiwillig Versuchskaninchen.

Wurm auf Reisen

Damit die Öffentlichkeit an seinem Selbstversuch teilhaben konnte, dokumentierte ein Kamerateam des britischen Senders Channel 4 den Verlauf der Wurminfektion mit allerhand technischem Aufwand: Dank einer Spezialkamera gelang es den Machern der Sendung «Embarrassing Bodies», das Eindringen mehrerer Hakenwurm-Larven in Logans Organismus festzuhalten. «Ich spüre ein seltsames Stechen», beschrieb der Forscher den Moment, in dem sich eine Larve ihren Weg durch die Haut seines Arms bahnte.

Doch das ist erst der Anfang: «Die Larven des Wurms bohren sich durch die Haut und geraten auf diese Weise in den Blutkreislauf. Von dort aus wandern sie in die Lunge und gelangen über die Atemwege in die Speiseröhre und dann in den Magen- und Darmtrakt», schildert der Wissenschaftler Hanspeter Marti, Leiter des diagnostischen Dienstes am Schweizerischen Tropeninstitut in Basel, die Reise der kleinen Schmarotzer.

Parasitenbefall: Dieser Wurm hat einen Haken

Am Ziel angekommen, beissen sich die mittlerweile adulten Würmer gemäss Marti in die Zotten der Darmwand, um sich dort vom Blut ihres Wirtes zu ernähren. Das kann unter Umständen gefährlich werden: «Wie harmlos beziehungsweise ernsthaft die Symptome nach einer Infektion mit Hakenwürmern sind, hängt vor allem davon ab, wie zahlreich sich diese im Darm angesiedelt haben und wie viel Blut sie saugen», meint Marti. Im schlimmsten Falle könne ein starker Befall zu einem grossen Blutverlust und damit zu einer lebensbedrohlichen Anämie führen. Zudem reizten die Larven, während sie die Lunge passierten, die Atemwege.

Auch James Logan spürte die über zwei Monate dauernde Parasiten-Tour durch den Körper, bis sich die Larven - im Darm angekommen - in geschlechtsreife Hakenwürmer verwandelten. Um das Geschehen im Intestinaltrakt zu beobachten, schluckte das Versuchskaninchen eine Kamera-Pille.

Verträgliches Mahl

Dann tat der Brite etwas, was er ohne Parasiten-Befall kaum gewagt hätte: Er ass Pizza und Knoblibrot - Nahrungsmittel, die ihm normalerweise Bauchkrämpfe und Durchfall bescherten. Doch, oh Wunder: Bis auf ein leichtes, bereits seit mehreren Tagen durch die Hakenwürmer verursachtes Unwohlsein im Darm verspürte der Wissenschaftler nach seiner Mahlzeit keine Beschwerden - auch nicht am Morgen danach: «Ich habe gut geschlafen, mir geht es absolut hervorragend», schwärmte Logan.

Mit einer Albendazol-Tablette gelang es dem Entomologen, sich von seinen kleinen «Mitbewohnern» zu befreien. Wissenschaft hin oder her - Hanspeter Marti würde es seinem britischen Kollegen nicht gleichtun: «Obwohl es gute Therapien zur Behandlung der Hakenwürmer gibt, kann ich gut und gerne auf eine solche Erfahrung verzichten.»

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sarah N. am 20.04.2012 14:56 Report Diesen Beitrag melden

    Superhero-Forscher

    Ein anderer hätte jetzt wieder 500 Ratten mit dem Wurm infiziert, irgendwelche vagen Parameter gemessen und das dann mehr schlecht als recht auf den Menschen übertragen...Und rausgekommen wäre doch nicht viel. Der hat das toll gemacht. Ich liebe Forscher, die Einsatz zeigen. Daumen hoch!!

    einklappen einklappen
  • Stefi am 20.04.2012 00:31 Report Diesen Beitrag melden

    Kinderaugen?

    Also echt. Wegen dem 1 Bild wo man den Wurm aus dem Knöchel rauszieht, braucht es doch keine Warnung. Das sind alles harmlose Bilder.

    einklappen einklappen
  • Sasha Bino am 20.04.2012 17:14 Report Diesen Beitrag melden

    Igit

    Also ich würd mr so ein Ding nicht verpassen lassen... Da ess ich lieber mehr Gemüse und Früchte

Die neusten Leser-Kommentare

  • Wurmliebhaber am 22.04.2012 11:52 Report Diesen Beitrag melden

    Prima!!!

    Lustiger Bericht, gut und mit gekonnter Feder verfasst! Mehr davon!

  • Kaner Afri am 20.04.2012 17:15 Report Diesen Beitrag melden

    Geographie?

    Afrika, Ägypten oder Pakistan? Ist Afrika ein Land, oder liegt Pakistan in Afrika?

  • Sasha Bino am 20.04.2012 17:14 Report Diesen Beitrag melden

    Igit

    Also ich würd mr so ein Ding nicht verpassen lassen... Da ess ich lieber mehr Gemüse und Früchte

  • S.w. am 20.04.2012 16:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Homosapiens 2.0;)

    2 Lebewesen in einem.

  • Sarah N. am 20.04.2012 14:56 Report Diesen Beitrag melden

    Superhero-Forscher

    Ein anderer hätte jetzt wieder 500 Ratten mit dem Wurm infiziert, irgendwelche vagen Parameter gemessen und das dann mehr schlecht als recht auf den Menschen übertragen...Und rausgekommen wäre doch nicht viel. Der hat das toll gemacht. Ich liebe Forscher, die Einsatz zeigen. Daumen hoch!!

    • Würmli am 22.04.2012 13:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Genau

      Bin absolut derselben Meining

    einklappen einklappen