Gefahr in den Genen

26. Juli 2013 09:27; Akt: 26.07.2013 09:27 Print

Familienrisiko ist nicht auf eine Krebsart begrenzt

Wer Krebsfälle in der Familie hat, läuft Gefahr, an mehr als nur einer Krebsart zu erkranken. Offenbar beeinflussen genetische Faktoren mehrere Organe gleichzeitig.

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Bisher war bekannt, dass das Risiko an Krebs zu erkranken, vererbt werden kann. Man ging allerdings davon aus, dass die Veranlagung jeweils nur eine Krebsart fördert. Eine grosse Studie mit 23'000 Teilnehmern in der Schweiz und Italien legt nun aber nahe, dass Krebsfälle in der Familie für nahe Verwandte auch das Risiko, an anderen Krebsarten zu erkranken, erhöhen.

War ein Familienmitglied etwa an Kehlkopfkrebs erkrankt, hatten Verwandte ein 3,3-faches Risiko für Mund- oder Rachenkrebs. Kamen Letztere familiär vor, erhöhte dies wiederum das Risiko für Speiseröhrenkrebs - sogar um das Vierfache. Familiärer Blasenkrebs erhöhte das Risiko für Prostatakrebs bei männlichen Verwandten um das 3,2-fache.

Darmkrebs hingegen führte bei Frauen in der Familie zu einem anderthalb mal so grossen Risiko für Brustkrebs. Dieser Zusammenhang war bei Verwandten ersten Grades, also Eltern und Kindern, besonders stark, berichten die Forschenden im Fachjournal «Annals of Oncology».

«Wir haben erhöhte Risiken für eine Reihe verschiedener Krebsarten festgestellt», sagte Studienleiterin Eva Negri vom Mario-Negri-Forschungsinstitut in Mailand in einer Mitteilung des Journals. Dieses Risiko war dann am grössten, wenn die mit Krebs diagnostizierten Familienmitglieder jünger als 60 Jahre waren.

Insgesamt hatten die Mailänder Forschenden und Kollegen - unter anderem vom Unispital Lausanne - 12'000 Krebsfälle an 13 Körperteilen erfasst. Sie erhoben zudem zahlreiche soziale und Lebensstil-Faktoren wie Rauchen oder Alkoholkonsum, die das Krebsrisiko beeinflussen können.

Genetische Faktoren beteiligt

Einige Fälle von unterschiedlichen Krebsarten in der Familie seien wohl auf gemeinsame Umweltfaktoren wie Rauch- oder Trinkgewohnheiten in der Familie zurückzuführen, erklärte Negri. Doch die Resultate deuteten darauf hin, dass es bei etlichen Krebsarten genetische Faktoren geben müsste, die mehrere betroffene Organe gleichzeitig beeinflussten.

Die neuen Ergebnisse könnten Forscher und Ärzte ermutigen, nach weiteren genetischen Ursachen für diverse Krebsarten zu suchen - und so die Diagnose und Früherkennung weiter zu verbessern, hoffen die Forscher. Dies sei besonders wichtig bei Angehörigen, in deren Familie Krebs bereits bei jüngeren Personen vorkommt. Das Forscherteam sammelt jedenfalls weiterhin Daten, um solche genetischen Faktoren dingfest zu machen.

Die Studie wurde von der italienischen Krebsforschungsgesellschaft, dem italienischen Bildungsministerium und der Krebsliga Schweiz finanziert.

(jcg/sda)