Medizin

18. Mai 2010 13:01; Akt: 18.05.2010 13:01 Print

Hören spaltet das Gehirn

Um Gehörtes besser zu verstehen, nabelt sich die linke Hirnhälfte von der rechten ab, da diese sie nur bei der Arbeit nur stört.

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Um einen Wortschwall zu verstehen, reichen die Ohren nicht: Das Hirn muss die raschen Abfolgen verschiedener Laute innert Sekundenbruchteilen analysieren. Diese Fähigkeit kann auch bei gesunden Menschen mittels Übungen noch gesteigert werden, wie die Universität und das Universitätsspital Lausanne am Dienstag mitteilten.

Ein Lausanner Team um Lucas Spierer untersuchte mit elektrischen Bildgebungsverfahren, was bei einer solchen «Zusatzausbildung» im Gehirn abläuft. Wie die Forscher in den Fachmagazinen «Neuroimage» und «Neuropsychologia» berichten, verschob das Training das Gleichgewicht zwischen linker und rechter Hirnhälfte.

Legasthenikern helfen

Anfangs verarbeiteten noch beide Hirnhälften die gehörten Klänge. Doch im Verlauf des Trainings übernahm der linke Temporallappen, ein für das Sprachverständnis wichtiges Hirnareal, klar die Leitung. Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Hirnhälften verringerte sich deutlich.

Spierer und seine Kollegen nehmen an, dass die rechte Hirnhälfte die linke stören kann, weil sie Töne und Geräusche weniger rasch verarbeitet. Um eine Verbesserung zu erreichen, spezialisiere sich deshalb die linke Hirnhälfte und «befreie» sich gleichzeitig vom negativen Einfluss der rechten Hirnhemisphäre, sagte Spierer.

Laut den Wissenschaftlern bestätigen die Studien, wie hervorragend sich das Gehirn an veränderte Bedingungen anpassen kann. Zudem werde es dank der Erkenntnisse möglich, Menschen besser zu behandeln, die Probleme mit dem Sprachverständnis hätten, zum Beispiel cerebral Verletzte oder Legastheniker.

(sda)